Die richtige Trittfrequenz beim E-Bike: Effizienter fahren und Verschleiß reduzieren

Ein kräftiger E-Bike-Motor verzeiht einiges. Eine ungünstige Gangwahl gehört leider dazu. Wo wir auf einem Fahrrad ohne Motor irgendwann zwangsläufig herunterschalten müssen, weil die Beine den schweren Gang schlicht nicht mehr bewegen können, liefert der elektrische Antrieb weiterhin genügend Drehmoment, um uns den Berg hinaufzuschieben. Das fühlt sich zunächst souverän an: niedrige Trittfrequenz, ordentlich Druck auf dem Pedal und der Motor erledigt den Rest.

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Technisch ist genau das häufig die ungünstigste Art, ein E-Bike zu fahren.

Vor allem bei E-Bikes mit Mittelmotor beeinflusst die Trittfrequenz, wie effizient der Antrieb arbeitet, wie hoch die Belastung auf Kette und Ritzeln ausfällt und wie viel Energie aus dem Akku benötigt wird. Wer etwas früher schaltet und die Kurbel etwas schneller drehen lässt, kann deshalb aus demselben E-Bike mehr Reichweite herausholen und gleichzeitig den Antrieb schonen.

Die gute Nachricht: Dafür musst du weder Leistungssportler werden noch während jeder Fahrt auf eine RPM-Anzeige starren. Ein Gefühl für den richtigen Rhythmus reicht meistens aus.

Was bedeutet Trittfrequenz beim E-Bike?

Die Trittfrequenz oder Kadenz gibt an, wie oft sich die Kurbel innerhalb einer Minute vollständig dreht. Angegeben wird sie in "revolutions per minute", kurz rpm.

Bei 60 rpm absolvierst du genau eine Kurbelumdrehung pro Sekunde. Bei 90 rpm sind es eineinhalb.

Die Trittfrequenz allein sagt allerdings noch wenig darüber aus, wie schnell oder anstrengend du fährst, denn entscheidend ist die Kombination aus Kadenz und Übersetzung. In einem schweren Gang kannst du mit 50 rpm bereits vergleichsweise schnell unterwegs sein, musst dafür aber viel Kraft auf jedes Pedal bringen. In einem leichteren Gang kannst du dieselbe Leistung mit einer höheren Kadenz und entsprechend weniger Kraft pro Pedalumdrehung erzeugen.

Vereinfacht ausgedrückt entsteht Leistung beim Pedalieren aus Drehmoment × Drehzahl. Willst du dieselbe Leistung mit einer niedrigeren Drehzahl erzeugen, muss das Drehmoment steigen.

Und genau an diesem Punkt wird die Sache für E-Bikes interessant.

Warum niedrige Trittfrequenzen beim E-Bike problematisch werden können

Bei einem Fahrrad ohne Motor gibt der eigene Körper ziemlich direkt Feedback. Wird der Gang am Berg zu schwer, sinkt die Kadenz, die Muskulatur macht irgendwann dicht und wir schalten herunter.

Ein moderner Mittelmotor verschiebt diese Grenze erheblich. 75, 85 oder inzwischen weit über 100 Nm maximales Motordrehmoment können einen Gang bewegen, den wir aus eigener Kraft längst aufgegeben hätten. Der Motor kaschiert damit eine schlechte Gangwahl erstaunlich gut.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sie technisch sinnvoll geworden ist.

Fährst du beispielsweise einen langen Anstieg mit 45 oder 50 rpm in einem schweren Gang, müssen Fahrer und Motor ein vergleichsweise hohes Drehmoment bereitstellen. Besonders für einen Mittelmotor ist das relevant, weil seine Kraft über Kettenblatt, Kette und Kassette zum Hinterrad gelangt.

Der Motor arbeitet dabei unter hoher Last, während gleichzeitig große Kräfte durch den Antriebsstrang laufen. Beim Beschleunigen, an steilen Rampen und erst recht beim Schalten unter Last entstehen dadurch Belastungsspitzen, die sich mit einem leichteren Gang deutlich reduzieren lassen.

Anders gesagt: Nur weil dein E-Bike einen schweren Gang noch ziehen kann, heißt das nicht, dass es ihn ziehen sollte.

Welche Trittfrequenz ist beim E-Bike optimal?

Eine universelle Zahl gibt es nicht. Fahrer, Motor, Unterstützungsstufe, Steigung und gewünschte Leistung verändern den optimalen Bereich.

Für den Alltag lässt sich trotzdem ein ziemlich brauchbarer Korridor nennen:

TrittfrequenzEinordnung
unter 50 rpmmeist sehr niedrige Kadenz und hohe Pedalkräfte
50–60 rpmentspannt möglich, unter hoher Last häufig bereits zu niedrig
60–70 rpmfür ruhiges Fahren gut nutzbar
70–90 rpmsinnvoller Zielbereich für viele E-Bikes
90–100 rpmsportlich, bei passenden Motoren und Fahrern gut fahrbar
über 100 rpmfür den Alltag meist unnötig hoch

Als guten Orientierungspunkt kannst du etwa 70 bis 90 rpm anpeilen, das gilt allgemein als der Sweet Spot, wobei ungefähr 75 bis 85 rpm eine sehr brauchbare Kadenz für gleichmäßiges Fahren darstellen.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass du sofort herunterschalten musst, sobald die Anzeige einmal 68 rpm zeigt. Bei gemütlichen Fahrten auf flacher Strecke können 60 oder 65 rpm vollkommen angenehm sein. Auf der anderen Seite bringt es wenig, zwanghaft 100 oder 110 rpm zu treten, wenn du dabei unruhig auf dem Sattel sitzt und deine Beine nur noch hektisch kreisen.

Eine gute Kadenz fühlt sich flüssig und kontrolliert an. Du hast Druck auf dem Pedal, musst aber nicht jede Kurbelumdrehung mit Kraft erzwingen.

Wie die richtige Trittfrequenz Akku und Reichweite beeinflusst

Der Zusammenhang zwischen Trittfrequenz und Reichweite wird häufig auf die vereinfachte Aussage reduziert, dass "80 rpm Akku sparen". Ganz so simpel funktioniert ein E-Bike-Motor zwar nicht, der grundsätzliche Zusammenhang stimmt bei vielen Mittelmotoren trotzdem.

Elektromotoren besitzen Arbeitsbereiche, in denen sie elektrische Energie besonders effizient in mechanische Leistung umwandeln. Wie dieser Bereich genau aussieht, unterscheidet sich zwischen den verschiedenen Antriebssystemen. Mittelmotoren profitieren dabei von der Fahrradschaltung, weil sich ihre Drehzahl über die Übersetzung in einem günstigen Bereich halten lässt.

Fährst du einen Berg im viel zu schweren Gang mit sehr niedriger Kadenz hinauf, verlangst du vom Motor bei geringer Drehzahl ein hohes Drehmoment. Der dafür notwendige Strom steigt, gleichzeitig nehmen elektrische Verluste und Wärmeentwicklung zu. Mit einem leichteren Gang steigt die Drehzahl des Systems, während weniger Drehmoment pro Kurbelumdrehung erforderlich ist.

Das kann den Wirkungsgrad verbessern und damit den Energiebedarf reduzieren.

Wie groß der Unterschied auf einer kompletten Akkuladung ausfällt, lässt sich seriös kaum pauschalisieren. Fahrergewicht, Steigung, Geschwindigkeit, Reifen, Temperatur, Unterstützungsmodus und Motor spielen ebenfalls eine erhebliche Rolle. Die Trittfrequenz ist deshalb eine von mehreren Stellschrauben für mehr Reichweite – allerdings eine, die keinen Cent kostet.

Wenn du grundsätzlich mehr Kilometer aus einer Akkuladung herausholen möchtest, findest du weitere Faktoren in unserem Upway-Guide zur E-Bike-Reichweite.

Warum eine höhere Kadenz den Verschleiß reduzieren kann

Bei Verschleiß lohnt sich eine wichtige Unterscheidung: Eine hohe Trittfrequenz macht eine Kette nicht automatisch langlebig, und 80 rpm sind kein mechanischer Jungbrunnen.

Entscheidend ist vor allem, wie viel Kraft unter welchen Bedingungen durch den Antrieb läuft.

Bei niedriger Kadenz und schwerer Übersetzung müssen hohe Drehmomente übertragen werden. Bei einem Mittelmotor kommen dabei Fahrer- und Motorleistung zusammen. Kette, Kettenblatt und Ritzel stehen entsprechend unter hoher Last.

Besonders problematisch wird das beim Schalten. Wer am Anstieg zunächst im schweren Gang bleibt und erst dann herunterschaltet, wenn die Kadenz bereits eingebrochen ist, wechselt den Gang häufig genau in dem Moment, in dem sehr viel Zug auf der Kette liegt. Dann soll die Kette unter hoher Last von einem Ritzel auf das nächste springen – begleitet vom bekannten metallischen Knacken, das ungefähr so gesund klingt, wie es für den Antrieb ist.

Besser ist es, vor der hohen Belastung herunterzuschalten, während des eigentlichen Gangwechsels für einen Moment etwas Druck aus dem Pedal zu nehmen und anschließend wieder gleichmäßig anzutreten.

Wie stark Kette und Kassette tatsächlich verschleißen, hängt außerdem von Schmutz, Schmierung, Wetter, Kettenlinie, Fahrerleistung und Wartung ab. Selbst die perfekte Kadenz rettet eine trockene, mit Sand panierte Kette nicht. Woran du eine verschlissene Kette erkennst, erklären wir ausführlich im Upway-Ratgeber zum E-Bike-Kette wechseln.

Früh schalten ist wichtiger als schnell treten

Wer seine Fahrweise optimieren möchte, sollte deshalb weniger über eine exakt einzuhaltende Kadenz nachdenken und stärker auf die Gangwahl achten.

Siehst du eine Steigung kommen, schalte bereits davor ein oder zwei Gänge zurück. Der Motor muss dann nicht erst gegen einen viel zu hohen Gang ankämpfen, deine Trittfrequenz bleibt stabil und der anschließende Gangwechsel findet unter wesentlich geringerer Last statt.

Dasselbe gilt beim Anfahren. Im größten oder zweitgrößten Gang an einer Ampel zu starten, weil der Motor es irgendwie schafft, ist unnötig. Ein leichter Gang lässt das E-Bike kontrollierter beschleunigen und reduziert die Belastung auf den Antrieb.

Typische Situationen sehen deshalb ungefähr so aus:

In der Ebene: Eine Kadenz um 70 bis 85 rpm funktioniert für viele Fahrer angenehm. Du solltest genügend Widerstand spüren, ohne jeden Tritt drücken zu müssen.

Am Berg: Lieber früh einen leichteren Gang wählen und die Kadenz möglichst oberhalb von etwa 60 bis 70 rpm halten, als den Anstieg mit 40 rpm im schweren Gang hochzudrücken.

Beim Anfahren: Leichter Gang, sauber beschleunigen und anschließend hochschalten.

Auf technischen E-MTB-Anstiegen: Eine etwas höhere Kadenz kann zusätzlich helfen, die Kraft gleichmäßiger ans Hinterrad zu bringen. Dadurch lassen sich abrupte Lastspitzen und Traktionsverlust auf lockerem Untergrund reduzieren.

Wenn deine Schaltung beim Gangwechsel regelmäßig knackt oder kracht, lohnt sich außerdem ein Blick auf unseren Artikel Wenn die E-Bike-Schaltung kracht: Ursachen und Lösungen. Nicht jedes Geräusch entsteht durch die Fahrtechnik; auch Einstellung und Verschleiß können dahinterstecken.

Mehr Unterstützung ersetzt die richtige Übersetzung nicht

Ein weiterer typischer Reflex besteht darin, bei sinkender Geschwindigkeit zuerst die Unterstützung hochzustellen.

Aus Tour wird Turbo, der Gang bleibt derselbe.

Kurzfristig funktioniert das hervorragend. Langfristig löst es allerdings das falsche Problem. Wenn die Kadenz eingebrochen ist, sollte zunächst die Übersetzung angepasst werden. Ein leichterer Gang bringt Fahrer und Motor wieder in einen günstigeren Drehzahlbereich; anschließend kannst du immer noch entscheiden, wie viel elektrische Unterstützung du tatsächlich benötigst.

Gerade moderne Motoren mit hohen Drehmomentwerten machen diesen Unterschied weniger offensichtlich, weil ausreichend Leistung vorhanden ist, um eine suboptimale Übersetzung zu kompensieren. Für Reichweite und Material ist diese Reserve jedoch kein Freifahrtschein.

Auch die Lebensdauer eines E-Bikes hängt schließlich nicht nur von der nominellen Qualität seiner Komponenten ab, sondern davon, wie diese über Tausende Kilometer belastet und gepflegt werden. Mehr dazu findest du in unserem Ratgeber Wie lange hält ein E-Bike?.

Gilt das auch für E-Bikes mit Nabenmotor?

Nur teilweise.

Bei einem Mittelmotor sind Motordrehzahl, Kurbelbewegung und Fahrradschaltung eng miteinander verbunden. Deshalb wirkt sich deine Gangwahl unmittelbar darauf aus, unter welchen Bedingungen der Motor arbeitet.

Bei einem Nabenmotor wird das Hinter- oder Vorderrad dagegen direkt angetrieben. Die Motordrehzahl hängt hier primär von der Geschwindigkeit des Rades ab und nicht unmittelbar von deiner Trittfrequenz.

Eine angenehme Kadenz bleibt trotzdem sinnvoll, weil sie deine eigene Pedalkraft, Gelenkbelastung und Leistungsabgabe beeinflusst. Der direkte Zusammenhang zwischen Gangwahl, Motordrehzahl und Wirkungsgrad ist jedoch deutlich schwächer als bei einem Mittelmotor.

Für den Großteil moderner Trekking-, SUV-, Cargo- und E-Mountainbikes mit Mittelmotor sind die beschriebenen Zusammenhänge besonders relevant.

Fazit: Lass den Motor drehen, statt ihn kämpfen zu lassen

Beim E-Bike ist der schwerste Gang, den der Motor noch bewegen kann, selten der effizienteste. Gerade leistungsstarke Mittelmotoren verleiten dazu, mit niedriger Kadenz und viel Drehmoment zu fahren, weil sich diese Fahrweise zunächst mühelos anfühlt.

Ein etwas leichterer Gang und eine gleichmäßige Trittfrequenz von grob 70 bis 90 rpm sind für viele Fahrer die bessere Ausgangsbasis. Dadurch sinken die Kräfte pro Pedalumdrehung, der Motor kann in einem günstigeren Arbeitsbereich laufen und die Lastspitzen auf Kette, Kassette und Kettenblatt fallen geringer aus.

Du musst daraus keine Wissenschaft machen. Schalte vor Steigungen früher herunter, starte in einem leichten Gang und achte darauf, dass du rund trittst, statt jeden Pedaltritt mit viel Kraft durchzudrücken.

Dein Akku merkt den Unterschied. Dein Antrieb auf Dauer ebenfalls.

Häufig gestellte Fragen zur Trittfrequenz beim E-Bike

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