Gobao X1P-Getriebemotor: Dieser Antrieb braucht kein Schaltwerk mehr

150 Nm Drehmoment, 1.500 Watt Spitzenleistung und eine stufenlose Automatik direkt im Motorgehäuse: Beim Gobao X1P lohnt sich der zweite Blick. Die Leistungszahlen passen zum aktuellen Wettrüsten der E-Bike-Antriebe. Das integrierte Getriebe könnte im Alltag allerdings die größere Veränderung bringen. Es übernimmt die Übersetzungsarbeit, für die bisher Schaltwerk und Kassette zuständig waren. Dazu kommt der Gobao X1 als Variante für Stadt und Trekking. Wir schauen uns an, was beide Systeme technisch versprechen und welche Fragen vor einer Kaufentscheidung noch beantwortet werden müssen.

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Was verschwindet beim Gobao X1P eigentlich?

Zunächst eine kleine Begriffsklärung: Der Umwerfer bewegt die Kette vorne zwischen mehreren Kettenblättern. Bei modernen E-MTBs mit Einfachantrieb fehlt er bereits. Das Schaltwerk sitzt dagegen hinten und führt die Kette über die Ritzel der Kassette. Genau dieses exponierte Bauteil macht ein integrierter Getriebemotor überflüssig.

Beim X1 und X1P wandert die variable Übersetzung in die Antriebseinheit am Tretlager. Die Verbindung zum Hinterrad muss dadurch keine unterschiedlichen Ritzel mehr bedienen. Für ein entsprechend konstruiertes Fahrrad eröffnet das auch die Möglichkeit eines Riemenantriebs.

Eine Schaltung besitzt das Bike weiterhin. Du siehst sie nur nicht mehr außen am Hinterrad. Der technische Unterschied ist erheblich: Eine elektronische Kettenschaltung bewegt weiterhin eine Kette zwischen Ritzeln. Gobao verändert die Übersetzung innerhalb des Antriebssystems. Die verschiedenen Grundkonzepte erklären wir im Vergleich [Kettenschaltung, Nabenschaltung oder Automatik](https://upway.de/blogs/kaufberatung/e-bike-schaltung-kette-nabe-automatik).

Gobao X1 und X1P: die technischen Daten

Gobao positioniert den X1 für Urban- und Trekking-Bikes, den X1P für E-MTBs und Cargo-Bikes. Die folgende Übersicht zeigt die veröffentlichten Herstellerangaben, Stand September 2026. Sie ersetzt keinen unabhängigen Prüfstandstest.

MerkmalGobao X1Gobao X1P
Maximales Drehmoment120 Nm150 Nm
Maximale Leistung1.200 W1.500 W
Nenndauerleistung250 W250 W
Gewicht der Antriebseinheit3,85 kg3,85 kg
Übersetzungsbandbreite400 %500 %
Untere Übersetzung laut Gobao1:11:0,8
Obere Übersetzung laut Gobao1:41:4
Maximale unterstützte Trittfrequenzüber 120 U/minüber 120 U/min
GehäusematerialMagnesiumMagnesium

Der X1P bietet damit gegenüber dem X1 jeweils 25 Prozent mehr maximales Drehmoment und Spitzenleistung. Das angegebene Gewicht bleibt gleich. Daraus lässt sich allerdings weder dieselbe Hardware im Inneren noch ein identischer Wirkungsgrad ableiten.

Auch die 250 Watt Nenndauerleistung widersprechen den hohen Spitzenwerten nicht. Es handelt sich um unterschiedliche Kenngrößen. Ob ein konkretes Fahrrad als normales Pedelec gilt, entscheidet seine regelkonforme Gesamtausführung. Gobao nennt für die Plattform Ausführungen mit Unterstützung bis 25 beziehungsweise 45 km/h. Die schnellere Variante fällt in eine andere Fahrzeugklasse.

Wie funktioniert die stufenlose ECVT-Schaltung?

ECVT bezeichnet hier ein elektronisch geregeltes, stufenloses Getriebe. Zwischen der kleinsten und größten Übersetzung sind keine festen Gangsprünge vorgeschrieben. Die Regelung kann die Übersetzung kontinuierlich an die Fahrsituation anpassen.

Für dich ist vor allem die Trittfrequenz interessant. Du gibst deine bevorzugte Kadenz vor, das System versucht sie durch passende Übersetzungen zu halten. Wird die Strecke steiler, verändert es die Übersetzung entsprechend. Auf flacher Strecke kann es wieder länger übersetzen. Optional sieht Gobao auch eine manuelle Bedienung vor.

Das Ziel lässt sich gut an einer Ampel erklären: Du konzentrierst dich auf Verkehr, Anfahren und Lenken. Die passende Übersetzung übernimmt die Automatik. Wie gut sie abrupte Belastungswechsel, Wiegetritt oder eine plötzlich auftauchende Rampe verarbeitet, muss die Abstimmung im fertigen Fahrrad zeigen.

Eine Wunschkadenz ist außerdem kein unbegrenztes Versprechen. Erreicht das Getriebe seine kürzeste oder längste Übersetzung, kann es weitere Geschwindigkeitsänderungen nicht mehr vollständig ausgleichen. Wer die Zusammenhänge zwischen Pedaldrehzahl, Belastung und Motor verstehen möchte, findet sie im Ratgeber zur [richtigen Trittfrequenz beim E-Bike](https://upway.de/blogs/ratgeber/trittfrequenz-e-bike-richtige-kadenz-finden).

Was bedeuten 400 und 500 Prozent Bandbreite?

Die Bandbreite beschreibt das Verhältnis zwischen größter und kleinster Übersetzung. Beim X1 ergibt 4 geteilt durch 1 den Faktor 4, also 400 Prozent. Beim X1P sind es 4 geteilt durch 0,8: Faktor 5 beziehungsweise 500 Prozent.

Der zusätzliche Bereich liegt nach diesen Angaben am kurzen Ende. Das ist besonders beim Anfahren mit schwerem Gepäck oder an steilen Anstiegen interessant. Der X1P bietet gegenüber dem X1 eine um 20 Prozent niedrigere untere Ausgangsdrehzahl bei gleicher Eingangsdrehzahl, wenn man die veröffentlichten Übersetzungsverhältnisse zugrunde legt.

Zur Einordnung: Eine Kassette mit 10 bis 52 Zähnen hat rechnerisch 520 Prozent Bandbreite. Das liegt nahe an den 500 Prozent des X1P. Daraus folgt jedoch keine identische Bergtauglichkeit. Auch die feste Übersetzung zum Hinterrad und der Radumfang bestimmen, wie weit das Fahrrad pro Kurbelumdrehung fährt.

Die Bandbreite allein sagt ebenfalls nichts über die Abstufung einer Kettenschaltung oder das Regelgefühl einer Automatik aus. Zwei Antriebe können einen ähnlichen Gesamtbereich abdecken und sich trotzdem sehr unterschiedlich fahren.

150 Nm und 1.500 Watt: Wo liegen die Grenzen der Zahlen?

Drehmoment beschreibt die Drehwirkung, Leistung die verrichtete Arbeit pro Zeit. Beide Größen hängen über die Drehzahl zusammen. Für dieselbe rotierende Welle gilt: Leistung in Watt entspricht Drehmoment in Newtonmetern mal Drehzahl in Umdrehungen pro Minute mal 2π, geteilt durch 60.

Ein Rechenbeispiel: 150 Nm bei 60 U/min ergeben rund 942 Watt. Bei 90 U/min wären es rund 1.414 Watt. Das sind mathematische Beispiele, keine gemessenen Betriebspunkte des X1P. Gerade bei integrierten Getrieben müssen Messort und Übersetzung für einen sauberen Vergleich bekannt sein.

Die beiden Maximalwerte garantieren deshalb nicht, dass der Motor über den gesamten Trittfrequenzbereich gleichzeitig 150 Nm und 1.500 Watt liefert. Dafür bräuchten wir eine vollständige Kennlinie mit Prüfbedingungen. Ebenso wichtig wären Messungen bei niedrigem Akkustand und nach längerer Belastung.

Die Zahlen stellen den X1P in ein leistungsstarkes Umfeld. Wie sich andere aktuelle Antriebe dort positionieren, zeigt unser Überblick zu [Avinox M2 und M2S](https://upway.de/blogs/news/dji-avinox-m2s-m2-motor-systeme). Ein direkter Wirkungsgradvergleich ergibt sich daraus noch nicht.

Schalten unter Last: Das eigentliche Versprechen

Gobao wirbt mit Übersetzungsänderungen unter 100 Prozent Last. Gemeint ist: Die Regelung soll die Übersetzung auch verändern können, während du kräftig trittst und der Motor unterstützt. Ein Kettenwechsel zwischen Ritzeln entfällt konstruktionsbedingt.

Am beladenen Lastenrad wäre das beim Anfahren am Hang wertvoll. Auf dem Trail könnte es helfen, wenn du mitten im Anstieg eine kürzere Übersetzung brauchst. Ob sich das tatsächlich ohne störende Verzögerung anfühlt, hängt auch von Sensorik und Software ab.

Eine starke Automatik muss dabei mehr beherrschen als den Normalfall. Sie sollte kontrollierbar reagieren, wenn du kurz aufhörst zu treten, wieder Druck aufbaust oder die Haftung am Hinterrad abnimmt. Die Maximalleistung ist dafür nur eine von mehreren Stellgrößen.

Gewicht und Riemen: Was verbessert sich am Fahrrad?

Die angegebenen 3,85 Kilogramm enthalten Motor und Getriebe. Ein Vergleich mit einem reinen Mittelmotor ohne Schaltung wäre deshalb unvollständig. Für eine belastbare Gewichtsrechnung gehören auf beiden Seiten alle benötigten Antriebskomponenten dazu.

Konstruktiv reizvoll ist die zentrale Position. Entfallen Kassette und Schaltwerk am gefederten Hinterrad, kann dort bewegte Masse wegfallen. Welchen Unterschied das Fahrwerk tatsächlich zeigt, hängt von der gesamten Hinterbaukonstruktion ab. Ein leichteres Heck ist kein automatisches Fahrwerks-Upgrade.

Auch der Riemen ist vor allem eine Frage des Gesamtbikes. Er benötigt keine Kettenschmierung, verlangt aber korrekte Spannung, Ausrichtung und passende Bauteile. Rahmen und Hinterbau müssen dafür ausgelegt sein. Aus einem vorhandenen E-MTB wird durch den Motortausch kein kompatibles X1P-Bike.

Das wartungsärmere Außenleben darf ebenfalls nicht mit einem wartungsfreien Fahrrad verwechselt werden. Lager, Bremsen, Reifen und Antriebsverbindung bleiben Verschleißthemen. Für Arbeiten am integrierten System zählt die konkrete Servicefreigabe des Herstellers.

Akkus und Schnellladen: Bitte genau hinsehen

Gobao nennt für die zum Schnellladesystem gehörenden Akkus 500 und 750 Wh. In den zugehörigen Datentabellen stehen 2,6 beziehungsweise 3,6 Kilogramm. Der größere Akku bietet damit 50 Prozent mehr nominelle Energie und wiegt ein Kilogramm zusätzlich.

Mit dem dafür vorgesehenen 30-A-Ladegerät nennt Gobao 24 Minuten von 0 auf 80 Prozent beim 500-Wh-Akku und 28 Minuten beim 750-Wh-Akku. Das sind Herstellerwerte für passende Komponenten und Bedingungen. Auf der Website findet sich zusätzlich eine pauschale 20-Minuten-Aussage; für die Einordnung verwenden wir die konkreten Akkutabellen.

80 Prozent entsprechen rechnerisch 400 beziehungsweise 600 Wh. Die verbleibenden 20 Prozent lassen sich daraus zeitlich nicht hochrechnen, weil der Ladestrom im Ladeverlauf verändert werden kann. Ebenso wenig beweisen kurze Ladezeiten eine bestimmte Lebensdauer. Dafür fehlen belastbare Langzeitdaten zur tatsächlichen Nutzung.

Für wen passen X1 und X1P?

Der X1 ist vor allem für Menschen interessant, die täglich wechselnde Verkehrssituationen bewältigen und sich wenig mit Gangwahl beschäftigen möchten. Beim Pendeln mit Gepäck könnte die Automatik dafür sorgen, dass sich Stopps und erneutes Beschleunigen unkomplizierter anfühlen. Ob 400 Prozent Bandbreite zur eigenen Strecke passen, hängt auch von der gewählten festen Übersetzung ab.

Der X1P erweitert dieses Konzept um mehr Leistungsreserven und einen kürzeren unteren Übersetzungsbereich. Das passt grundsätzlich zu schweren Cargo-Bikes und anspruchsvollen Anstiegen. Am E-MTB kommt der Verzicht auf ein seitlich herausragendes Schaltwerk hinzu.

Für beide Varianten sollte die Probefahrt über einen flachen Parkplatz hinausgehen. Interessant sind Anfahren am Hang, langsames Rollen, kräftige Beschleunigung und bewusst wechselnde Trittfrequenzen. Prüfe dabei auch, wie leicht du eine manuelle Vorgabe erreichst. Eine Automatik soll deinen Fahrstil unterstützen und sich bei Bedarf nachvollziehbar beeinflussen lassen. Gerade diese Bedienqualität lässt sich aus keinem Spitzenwert ablesen.

Die Upway-Meinung: Weniger Schaltwerk ist ein guter Anfang

Wir finden am X1P besonders spannend, dass Gobao eine bekannte Schwachstelle am Fahrrad konstruktiv angeht. Ein exponiertes Schaltwerk kann verbiegen, eine verschlissene Kassette muss ersetzt werden. Verschwindet diese Baugruppe, kann das für Alltag und Gelände einen echten Nutzen bringen.

Gleichzeitig bündelt die Integration mehrere zentrale Funktionen in einem System. Für Käufer wird dadurch wichtiger, wer Fehler diagnostiziert, welche Baugruppen einzeln ersetzt werden können und wie lange passende Akkus sowie Softwareunterstützung verfügbar bleiben. Eine gelungene Probefahrt beantwortet diese Fragen noch nicht.

Gerade aus Refurbished-Sicht wünschen wir uns deshalb klare Reparaturwege und transparente Ersatzteilpreise. Ein Antrieb sollte auch beim zweiten Besitzer wirtschaftlich weiterbetrieben werden können. Warum diese Perspektive an Bedeutung gewinnt, erklären wir im Beitrag zum [Recht auf Reparatur beim E-Bike](https://upway.de/blogs/news/recht-auf-reparatur-e-bike).

Für eine belastbare Kaufempfehlung brauchen wir außerdem serienreife Fahrräder mit dokumentierter Ausstattung, nachvollziehbaren Wartungsvorgaben und Erfahrungen über längere Laufleistungen. Beim X1P überzeugen zunächst die Idee und die veröffentlichten Eckdaten. Den Beleg für dauerhafte Alltagstauglichkeit muss das Gesamtsystem liefern.

Fazit: Der Getriebemotor verdient Aufmerksamkeit

X1 und X1P verbinden kräftige Unterstützung mit einer stufenlosen Übersetzung im Motorgehäuse. Besonders interessant sind die Automatik, das aufgeräumte Hinterrad und die Möglichkeit eines Riemenantriebs. Ob daraus das bessere E-Bike wird, entscheidet sich bei Regelverhalten, Effizienz und Reparierbarkeit. Wer heute ein Rad benötigt, sollte deshalb verfügbare Gesamtpakete vergleichen und einen Kauf nicht allein von angekündigten Maximalwerten abhängig machen.

Häufige Fragen zum Gobao X1 und X1P

Braucht der Gobao X1P keine Schaltung mehr?

Er besitzt eine stufenlose Schaltung innerhalb der Antriebseinheit. Das externe Schaltwerk und die Mehrfachkassette werden dadurch überflüssig. Übersetzungen bleiben weiterhin notwendig.

Was unterscheidet den X1P vom X1?

Der X1P bietet laut Gobao 150 statt 120 Nm, 1.500 statt 1.200 Watt Spitzenleistung und 500 statt 400 Prozent Bandbreite. Beide Einheiten wiegen angegeben 3,85 Kilogramm.

Lässt sich die Automatik auch manuell bedienen?

Gobao sieht neben der automatischen Regelung eine manuelle Bedienoption vor. Welche Einstellmöglichkeiten das konkrete Serienrad bietet, sollte vor dem Kauf geprüft werden.

Kann ich meinen vorhandenen Motor gegen einen X1P tauschen?

Ein universeller Austausch ist nicht vorgesehen. Rahmenaufnahme, Kraftübertragung, Elektronik und Akku müssen zum System passen. Entscheidend ist eine entsprechende Freigabe des Fahrradherstellers.

Ist der X1P vollständig wartungsfrei?

Gobao bewirbt die integrierte Getriebelösung als wartungsfrei. Daraus folgt keine Wartungsfreiheit des gesamten Fahrrads. Für Verschleißteile und Servicearbeiten gelten die Vorgaben des jeweiligen Serienmodells.

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