Loire Radweg mit E-Bike: Erfahrungsbericht & Tipps

Fast 1.000 Kilometer die Loire entlang bis nach Bordeaux — mit meinem E-Bike "Isabelle", zwei Packtaschen und einer Lenkertasche. Hier kommen meine Etappen, Pannen und besten Tipps für "La Loire à Vélo".

Loire-Radweg mit E-Bike: Etappen, Tipps & Erfahrung
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In Frankreich mit dem E-Bike unterwegs zu sein, ist reine Freude. Der Radweg "La Loire à Vélo" führt zu 90 Prozent des Weges am Fluss entlang — angenehm entspannt und für so gut wie jeden zu bewältigen. In Nevers geht es los, offiziell endet die Strecke in Nantes. Ich habe das Ganze etwas abgewandelt und bin weiter bis Bordeaux geradelt.

Die Landschaften, die Leute, das Essen und mein E-Bike — von mir liebevoll "Isabelle" getauft — einfach ein Traum.

Von Deutschland aus bin ich mit dem Zug nach Nevers gefahren. Mit dem E-Bike Bahn zu fahren hat seine ganz eigenen Herausforderungen, die man meistern kann, die aber trotzdem im Jahr 2026 noch ziemlich altmodisch wirken. Nicht jeder Bahnhof hat einen Aufzug, in den ein E-Bike überhaupt hineinpasst — Straßburg zum Beispiel. Dann bleibt nur, das Rad abzupacken: zwei Seitentaschen, eine Lenkertasche und den Drybag unbeaufsichtigt im Treppenaufgang deponieren, Isabelle die Treppe hochschleppen und die Gepäckstücke nachholen. Oder man zwängt das E-Bike diagonal hochkant in den Aufzug und riskiert dabei das hintere Schutzblech. Im Zug selbst werden Räder vertikal verstaut — für ein E-Bike mit begrenzter Muskelkraft keine Freude, und natürlich musste Isabelle auch dafür ihr Gepäck abgeben. Wer eine Zugreise mit E-Bike plant, findet die aktuellen Regeln, Kosten und Kniffe dazu im Upway-Ratgeber zum E-Bike-Transport im Zug.

Meine Ausrüstung

Gepackt hatte ich bewusst minimal: zwei Seitentaschen für Kleidung und Werkzeug, eine Lenkertasche für Handy, Pass und Snacks, und einen Drybag oben auf dem Gepäckträger für Zelt und Schlafsack. Mehr braucht es für eine Tour dieser Art nicht — jedes zusätzliche Kilo spürst du an den Steigungen zu den Loire-Schlössern. Genau dieses Prinzip lohnt sich für jede längere E-Bike-Reise: lieber zwei Mal packen und beim zweiten Mal die Hälfte wieder auspacken. Wer seine erste eigene E-Bike-Radreise plant, findet dazu ausführliche Praxis-Tipps in unserem Bikepacking-Ratgeber.

Die Landschaften, die Leute, das Essen und mein E-Bike – von mir liebevoll "Isabelle" getauft – einfach ein Traum.

Die Route

Ich bin bekennender Frankreich-Fan und spreche die Sprache recht gut. Im ländlichen Frankreich Englisch zu sprechen kommt nicht besonders gut an — das gilt bis heute. Außerdem entgehen dir sonst vielleicht die schönsten kleinen Infos und definitiv die netten Unterhaltungen mit Schleusenwärtern und anderen Menschen am Weg.

Entlang der Loire ist das Gelände naturgemäß flach. Wer aber die Schlösser besichtigen möchte, muss auch hier mit ein paar Steigungen rechnen, denn sie liegen meist nicht direkt am Fluss. Die Strecke "La Loire à Vélo" endet offiziell in Nantes. Ich hatte darauf aber keine Lust und bin weiter Richtung Bordeaux geradelt. So kam ich auf ungefähr 1.000 Kilometer in 11 Tagen.

Nevers – Sancerre

Eine ruhige Fahrt am Ufer der Loire entlang, wie eigentlich der gesamte Radweg (daher der Name). Bei Le Bec d'Allier überquert man den Fluss über eine recht schmale Brücke — das war aber auch schon alles an Nervenkitzel. Übernachtet habe ich auf dem Campingplatz Saint-Satur, den ich klar empfehlen kann. Nach 70 Kilometern war der Akku noch gut halb voll, ich bin größtenteils im Eco-Modus gefahren.

Sancerre – Gien

Die Strecke führt an pittoresken Schleusen vorbei und teilweise über schmale Graspfade direkt am Fluss. In der Ferne blitzen immer wieder Frankreichs Antwort auf die Stromfrage auf: Atomkraftwerke ohne Ende. Die Radwege in Frankreich sind hervorragend ausgeschildert — sich zu verfahren ist hier so gut wie unmöglich.

Gien – Orléans

Gien ist wirklich hübsch und einen Abstecher wert. Auf dem Weg nach Orléans beginnt der Abschnitt der Loire-Schlösser. Chambord und Chenonceau sind natürlich Pflicht, aber auch die kleineren Schlösser abseits des Radwegs lohnen sich. Amboise, Villandry, Azay-le-Rideau und Ussé haben mir persönlich am besten gefallen.

Orléans selbst ist die Hauptstadt der Region Centre-Val de Loire, bekannt durch die Befreiung von der englischen Belagerung durch Jeanne d'Arc (Johanna von Orléans) im Hundertjährigen Krieg (1337–1453). Die Franzosen haben am Ende übrigens gewonnen.

Orléans – Amboise

Mit dem E-Bike kannst du locker zwischen 80 und 100 Kilometer am Tag fahren, wenn nicht mehr — je nachdem, was du unterwegs alles anschauen und welche Seitenstraßen du erforschen möchtest. Ich hatte das anfangs klar unterschätzt, weil ich zum ersten Mal mit dem E-Bike unterwegs war. Gegenwind? Kein Problem. Steigung? Turbo-Modus rein und los.

Amboise – Saumur

Im August machen die Franzosen Urlaub, am liebsten im eigenen Land — bis heute. Und warum auch nicht: Es ist ein wirklich schönes Land, und wer alte Gemäuer, Eichenbäume, pittoreske Dörfer und Croissants, Flan, Millefeuille, Pain au Chocolat und Jésuites mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Ganz zu schweigen von den unterschiedlichen Küsten und Gebirgen des Landes.

Du überquerst den Nullmeridian, und auch die troglodytischen Dörfer sind schlicht toll. Rund um Saumur findet sich die höchste Konzentration an Höhlenwohnungen in ganz Frankreich — tausende Kilometer unterirdischer Gänge, ursprünglich zum Abbau von Tuffstein gegraben. Heute sitzen dort Pilzzuchtbetriebe, Weinkeller und sogar eine Korbflechterei, etwa in Villaines-les-Rochers.

In Saumur hatte ich keine Lust mehr, dem Loire-Radweg weiter zu folgen, und bin nach Süden Richtung Niort abgebogen. Entsprechend wurde die Landschaft hügeliger, und mein Akku musste auch mal untertags nachgeladen werden.

Ladetipp: Kirchen

Die meisten Kirchen sind tagsüber geöffnet und haben irgendwo im Inneren eine Steckdose — meistens rechts direkt beim Eingang. Du kannst dein E-Bike mit hineinnehmen, den Akku laden und dabei ein Nickerchen halten. Wirklich genial. Mehr zum Nachladen unterwegs findest du auch im Ratgeber zum E-Bike-Akku laden.

Saumur – Thouars – Airvault – Parthenay – Champdeniers – Niort

Der Radweg von Saumur aus heißt "La Vélo Francette" und ist ebenfalls sehr gut beschildert. Auf und ab geht es durch die hügelige Landschaft und kleine Ortschaften, die leider oft keine Bäckerei mehr haben — sehr zu meinem Leidwesen. Du findest aber fast immer einen Intermarché oder Ähnliches, wo du zwar nicht den Akku laden, aber wenigstens einkaufen kannst.

An Campingplätzen mangelt es nicht, und auch Stellplätze für Wohnmobile eignen sich, um für eine Nacht das Zelt aufzuschlagen. Waschgelegenheiten fehlen dort zwar meist, aber irgendwo findet sich immer eine öffentliche Toilette oder ein Café, in dem du als Gast die Toilette benutzen darfst. Eine dritte Camping-Variante nennt sich "bivouac": Davon gibt es nicht allzu viele, aber es ist eine kostenfreie Möglichkeit, für eine Nacht das Zelt aufzuschlagen und trotzdem eine Dusche oder Toilette nutzen zu können. Eine gute App, um solche Orte zu finden, ist iOverlander.

Niort – Royan

Auf diesem Abschnitt erinnere ich mich an einen tollen Campingplatz — weniger wegen der Lage, sondern wegen einer Info, die mein Erlebnis auf dem nächsten Abschnitt um 100 Prozent verbessert hat. Auf der Karte, real wie digital, konnte ich nämlich die Fähren nicht finden, die über die Charente und die Seudre fahren. Die Fähre über die Charente spart einfach nur Zeit und ist unkompliziert, aber die Seudre nicht auf der einschüchternden Brücke überqueren zu müssen, ist einfach großartig. Auf der Brücke gibt es zwar einen Radweg, der ist aber sehr schmal und nicht wirklich vertrauenserweckend. Die Fähre legt in Cayenne (Marennes) ab, etwas flussaufwärts, und fährt hinüber nach La Tremblade (La Grève).

Das Seilmacher-Museum in Rochefort hat mich richtig begeistert: Das Gebäude ist 374 Meter lang, damit konnten hier Seile und Taue mit bis zu 300 Metern Länge hergestellt werden. Die Hologramme sind wirklich sehenswert, auch der Rest der Dauerausstellung lohnt einen Besuch.

Royan – Bordeaux

Von Royan nimmst du die Fähre über die Gironde und landest in Soulac-sur-Mer. Von dort bin ich über Landstraßen im Pinienwald und dann an der Gironde entlang bis nach Bordeaux geradelt. Auch hier ist die Schlösserdichte erstaunlich hoch, Fotostopps unvermeidlich. Die vielen Weingüter der Region bieten oft Verkostungen an — nochmal ein ganz anderer Aspekt der Tour.

Ein paar Tage faul am Strand zu verbringen, bietet sich hier an. Südlich von Soulac sind die Strände breit und kilometerlang, mit vielen kleinen Orten direkt am Meer wie Le Gurp oder Montalivet-les-Bains, die alle einen Campingplatz haben. Von Mitte Juni bis Mitte September sind die Strände teilweise bewacht, denn die Strömung kann tückisch sein.

Fortsetzung folgt — das ist inzwischen ein jährlich stattfindendes Ereignis für mich.

Praktische Tipps für deine eigene Loire-Tour

Reisezeit: Am besten außerhalb der französischen Sommerferien im Juli und August fahren — dann sind Camping- und Radwege deutlich leerer.

Zugtickets früh buchen: Nicht nur, weil Fahrradplätze begrenzt sind, sondern weil das Ticket dann auch günstiger ist.

Französisch hilft: Selbst mit wenigen Sätzen kommst du im ländlichen Frankreich viel weiter — bei Auskünften wie bei Unterhaltungen.

Akku unterwegs laden: Kirchen sind zuverlässige, kostenlose Ladestationen mit Steckdose.

Wasser auffüllen: Friedhöfe haben fast immer einen Brunnen — nicht überall ist das Wasser aber garantiert trinkbar, im Zweifel lieber nachfragen.

Lieber gebucht statt selbst geplant: Diese Tour bin ich mit Zelt und eigener Etappenplanung gefahren. Wer das nicht will, findet organisierte Varianten mit Hotels und Gepäcktransport unter Radreisen im Loire-Tal — gerade in der Hochsaison entlang der Schlösser erspart das die Unterkunftssuche.

Fazit

Der Loire-Radweg ist für Fahrer:innen aller Könnensstufen geeignet und eine wirklich schöne Tour. Am besten nicht in den Monaten Juli und August fahren, Zugtickets frühzeitig buchen, ein paar Brocken Französisch mitbringen, den Akku unterwegs in Kirchen laden und Wasser an Friedhofsbrunnen auffüllen. Selbst in größeren Städten und auf Landstraßen ist Fahrradfahren in Frankreich ein Genuss — und mit dem E-Bike machst du aus 1.000 Kilometern Loire-Tal eine entspannte statt erschöpfende Reise.

Häufig gestellte Fragen zur Loire-Tour mit E-Bike

Wie lang ist der Loire-Radweg (La Loire à Vélo)?

Die offizielle Strecke von Nevers bis Nantes ist rund 900 Kilometer lang. Wer wie ich weiter bis Bordeaux fährt, kommt auf etwa 1.000 Kilometer.

Wie schwierig ist die Strecke mit dem E-Bike?

Sehr gut zu bewältigen. Der Radweg verläuft größtenteils flach direkt am Fluss, nur Abstecher zu den Loire-Schlössern bringen ein paar Steigungen mit sich.

Wie oft muss ich den E-Bike-Akku laden?

Bei rund 70 Kilometern täglich im Eco-Modus reicht der Akku meist locker für eine ganze Tagesetappe. Unterwegs kannst du in Kirchen oder Cafés kostenlos nachladen.

Wann ist die beste Reisezeit für die Loire-Tour?

Am besten außerhalb der französischen Sommerferien im Juli und August, wenn Camping- und Radwege deutlich voller sind.

Wie transportiere ich mein E-Bike am besten mit der Bahn nach Frankreich?

Plane Umstiege mit Aufzug fest ein und buche Fahrradplätze frühzeitig — nicht jeder Bahnhof hat einen für E-Bikes tauglichen Aufzug.

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