Bikepacking solo als Frau: Dein Abenteuer auf zwei Rädern - Die Angst überwinden und die Freiheit finden

Dein Gravelbike steht in der Ecke, und du träumst davon, einfach loszufahren - allein, unter freiem Himmel zu schlafen, die Welt auf eigene Faust zu entdecken. Und dann kommt die Angst. Diese Fragen sind normal, sie sind berechtigt - und sie sind kein Grund, nicht zu fahren.

Bikepacking solo als Frau: So gelingt dein erstes Abenteuer
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Was, wenn ich mich verfahre? Was, wenn mir etwas passiert? Was, wenn ich eine Panne habe und niemand da ist? Was denken die Leute, wenn ich als Frau allein mit einem vollgepackten Fahrrad losfahre?

Die Bikepackerin Wiebke Lühmann hat sich diese Fragen auch gestellt. Mit 24 kündigte sie ihren Job, packte ihr Fahrrad und radelte sieben Monate lang allein von Bogotá nach Buenos Aires - über 8.000 Kilometer durch Südamerika, über die Hochebene von Peru, durch die Salzwüste von Bolivien, entlang des Amazonas. 2023 folgte die nächste Tour: über 20.000 Kilometer durch Afrika. Heute ist sie eine der bekanntesten Bikepackerinnen Deutschlands. Die Filmemacherin und Fotografin Ana Zamorano durchquerte solo Südamerika und den Südkaukasus und dokumentiert ihre Reisen auf Film. Die deutsche Bikepacking-Szene wächst mit ihnen: Es gibt die Komoot Women's Rallys - eigene Events für Frauen im Bikepacking -, Mentoring-Programme und Instagram-Communities, in denen sich Frauen austauschen.

Bikepacking als Frau ist längst kein Nischending mehr. In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du dein erstes Solo-Abenteuer planst: wie du die Angst überwindest, welche Ausrüstung du brauchst, wie du mentale Stärke aufbaust, welche Fehler andere Frauen gemacht haben - damit du sie nicht wiederholen musst.

Die Angst ist normal: Was Frauen beim Solo-Bikepacking wirklich fürchten

Seien wir ehrlich: Die Angst ist nicht übertrieben, sie ist rational. Eine Frau, die allein mit einem vollgepackten Fahrrad unterwegs ist, ist sichtbar. Du brauchst einen Schlafplatz, du brauchst Wasser, du brauchst Pausen - und während du das alles organisierst, bist du angreifbar. Das ist die Realität, die die meisten Ratgeber lieber verschweigen. Hier sind die fünf häufigsten Ängste - und was erfahrene Bikepackerinnen tatsächlich dagegen tun.

Überfall und Sicherheit

Die größte Sorge: Was, wenn mir jemand etwas antut? Die ehrliche Antwort: Es kann passieren, genau wie es einem Mann passieren kann - die statistische Wahrscheinlichkeit ist gerade in Europa gering, aber nicht null.

Ich habe mehr Angst vor meinen eigenen Zweifeln als vor echten Menschen.
— Wiebke Lühmann, Bikepackerin

Die meisten Menschen, denen du unterwegs begegnest, sind neugierig, nicht bedrohlich - eine Frau auf dem Fahrrad ist für viele etwas Besonderes, nicht etwas Beängstigendes. Konkret hilft: Für die erste Solo-Tour ein vertrautes, sicheres Land wählen (Europa eignet sich gut); auf dein Bauchgefühl hören und weiterfahren, wenn dir ein Ort komisch vorkommt; jemandem zu Hause ungefähr Bescheid geben, wo du bist; und beim Zeltplatz einen Ort wählen, der nicht direkt an der Straße oder vom Weg aus sichtbar liegt.

Technische Pannen

"Ich kann mein Fahrrad nicht reparieren" ist die zweithäufigste Sorge. Die ehrliche Antwort: Die meisten Pannen kannst du selbst beheben - und für den Rest gibt es YouTube. Wiebke Lühmann hatte Kettenprobleme, Reifenpannen und kaputte Speichen unterwegs und hat jede Reparatur gelernt, weil sie musste. Das erste Mal ist mühsam, das zweite Mal leichter, das dritte Mal Routine. Lerne vor der Reise die wichtigsten Reparaturen (Schlauch wechseln, Kette ölen, Bremsen einstellen), nimm ein Reparaturset mit (Ersatzschlauch, Flickzeug, Multitool, Ersatzbremsbeläge) und nutze Cafés mit WLAN unterwegs für ein schnelles Tutorial, falls du nicht weiterweißt.

Einsamkeit

"Ich fahre allein - nach einer Woche werde ich depressiv sein." Einsamkeit ist ein echtes Thema beim Solo-Bikepacking, ermöglicht aber auch das größte persönliche Wachstum. "Allein zu fahren bedeutet, mit dir selbst zu sein - das ist nicht einsam, das ist befreiend", sagt Wiebke Lühmann. Die erste Woche ist psychisch die schwerste, danach wird es leichter. Was hilft: mit kurzen Trips von drei bis fünf Tagen anfangen statt gleich mit einer Weltreise; unterwegs bewusst andere Radfahrer:innen in Cafés oder auf Campingplätzen treffen; Tagebuch schreiben; Podcasts oder Musik hören. Du bist unterwegs seltener wirklich allein, als du denkst.

Körperliche Erschöpfung

"Ich bin nicht fit genug, ich breche nach zwei Tagen zusammen." Dein Körper ist stärker, als du glaubst, und passt sich innerhalb einer Woche an. Bikepacking ist nicht intensiv - du fährst 50 bis 80 Kilometer am Tag, nicht 150 - sondern ausdauernd, und genau darauf stellt sich dein Körper schnell ein. Trainiere vier bis sechs Wochen vorher mit gemütlichen Fahrten, baue deine Etappen langsam auf (starte mit 30 Kilometern statt sofort mit 80) und gib dir zwei Wochen, bis sich dein Körper an die neue Belastung gewöhnt hat. Wenn er nach einer Pause verlangt, ist eine Pause die richtige Entscheidung.

Sozialer Druck

"Meine Familie hält mich für verrückt." Manche werden das denken, und das ist nicht dein Problem. Wiebke Lühmann musste ihren besorgten Vater überzeugen, bevor sie nach Südafrika aufbrach; Ana Zamorano berichtet von Unverständnis in ihrer Heimat Spanien - "Warum fährt eine Frau allein?" Erkläre deinen Nahestehenden deine Pläne, nicht um sie zu überzeugen, sondern damit sie dich verstehen. Beginne mit kleineren Touren, damit deine Familie sieht, dass du zurückkommst und dir mehr vertraut. Und finde deine Community: Tausende Frauen machen genau dasselbe - folge zum Beispiel #bikepackingwomen auf Instagram.

Vorbilder: Frauen, die es vormachen

Wiebke Lühmann ist das prominenteste deutsche Beispiel: 29 Jahre alt, aus Freiburg, ausgebildete Lehrerin ohne sportlichen Profi-Hintergrund. Ihre Reisen: von Hamburg zum Nordkap (3.500 km, 30 Tage, solo), sieben Monate durch Südamerika (Bogotá bis Buenos Aires, kaum Spanischkenntnisse) und 2023 von Freiburg nach Kapstadt über Westafrika (20.000 km, 430 Tage, größtenteils allein). Aus der ersten Reise wurde ein Beruf: Sie lebt heute als Bikepacking-Influencerin, hat mit "Immer Richtung Süden" ein Buch über die Kapstadt-Tour geschrieben und zeigt dabei bewusst auch ihre Fehler und Zweifel, nicht nur Hochglanzbilder. Ihr Fazit: "Allein zu fahren ist nicht einsam. Es ist die beste Zeit mit mir selbst zu verbringen."

Ana Zamorano, Filmemacherin und Fotografin aus Nordspanien, kündigte 2018 ihren Job, um Südamerika und den Südkaukasus solo zu durchqueren, und dokumentiert ihre Reisen filmisch statt nur in Instagram-Fotos. Ihr nächstes Ziel: eine Durchquerung Asiens von Kirgisistan bis Vietnam. Ihre Botschaft: "Viel mehr Frauen sollten einfach solo losradeln."

Die Bewegung wächst über diese beiden Namen hinaus: Sara Hallbauer plant für 2026 eine 5.000-Kilometer-Tour zu allen 16 deutschen Landeshauptstädten - bewusst ohne Termindruck, mit Fokus auf mentale Gesundheit statt Rennmodus. Die Filmemacherinnen-Gruppe "Bergfreundinnen" dokumentiert eine Frankreich-Tour mit Interviews von Rad-Profis wie Clara Koppenburg. Und Ultracycling-Fahrerin Lael Wilcox hat mit der Komoot Women's Rally ein eigenes Format geschaffen: 2021 mit 26 Teilnehmerinnen von Turin nach Nizza gestartet, inzwischen mit über 500 Bewerbungen pro Ausschreibung - ein deutliches Zeichen dafür, wie groß die Nachfrage nach Bikepacking-Erfahrungen für Frauen tatsächlich ist.

So planst du dein erstes Solo-Bikepacking-Abenteuer

Phase 1: Mentale Vorbereitung (1-2 Monate vorher)

Lies Erfahrungsberichte - Wiebke Lühmanns Blog und YouTube-Kanal sind ungewöhnlich ehrlich und zeigen auch, was schiefgeht. Klär für dich, welche Route dich reizt (Europa? Alpen? Skandinavien?), welche Dauer realistisch ist (drei Tage? zwei Wochen?) und wie intensiv du fahren willst. Schau dir deine Wunschroute auf Google Street View an, schreib dir auf, warum du das machst - für die Momente, in denen die Angst zurückkommt - und finde dein Mantra ("Jede Umdrehung bringt mich näher ans Ziel").

Phase 2: Praktische Vorbereitung (4-8 Wochen vorher)

Für die erste Tour gilt: nicht zu lang (maximal 200 Kilometer über drei bis fünf Tage) und nicht zu abgelegen - Deutschland und die nähere Umgebung sind ideal zum Reinkommen. Wenn du eine fertige, gut ausgeschilderte erste Route suchst, eignen sich entspannte deutsche Fernradwege mit wenig Höhenmetern besonders gut, etwa der Donau- oder der Bodenseeradweg - gut ausgebaute Infrastruktur, viele Menschen unterwegs, kein Wildnis-Overkill für den Einstieg.

Und falls der erste Schritt allein noch zu groß ist: Eine geführte Tour in der Gruppe ist kein Rückschritt, sondern für viele der Weg dorthin. Du lernst Etappenplanung, Tempo und Materialumgang mit - und fährst die nächste Tour dann solo.

Das beste Fahrrad für Bikepacking ist das Gravel-Bike - die Mischung aus Rennrad und Mountainbike, wendig genug für Straßen und Schotter gleichermaßen. Bei Upway findest du generalüberholte Gravel-Bikes verschiedener Marken, geprüft, gewartet und mit Garantie - darunter Modelle von Canyon, Trek, Specialized und Cube, wie sie erfahrene Bikepackerinnen für Einsteigerinnen empfehlen. Wer lieber mit Motorunterstützung reist, findet im E-Bike-Urlaub passende Modelle für längere Etappen mit Gepäck.

Bikepacking-Grundausrüstung im Überblick

KategorieWas du brauchstBudget
FahrradtaschenBikepacking-Taschen (z. B. Ortlieb, Vaude, Arundel)ca. 300-500 €
ÜbernachtungUltraleicht-Zelt (1-2 kg) oder Biwaksackim Budget unten enthalten
SchlafsystemSchlafsack (nicht zu warm) und Isomatteim Budget unten enthalten
ReparaturErsatzschlauch, Flickzeug, Multitool, Ersatzbremsbelägeim Budget unten enthalten
VerpflegungKocher, Besteck, Becher (oder unterwegs einkaufen)im Budget unten enthalten
Gesamtbudget Ausrüstungohne Fahrrad800-1.500 €

Fürs Training reichen vier Wochen: Beginne mit zwei Ausfahrten pro Woche à 30 bis 50 Kilometer, steigere in den letzten zwei Wochen auf 50 bis 80 Kilometer, und mach in der letzten Woche eine Probefahrt mit der vollen Gepäckausrüstung - so merkst du vor der Abfahrt, ob Packliste und Sitzposition wirklich passen.

Die drei Phasen deiner ersten Tour

Am Anfang, an Tag eins und zwei, ist dein Körper nervös und dein Kopf voller Energie - ein Gefühl zwischen "Das ist verrückt" und "Wow, ich schaffe das wirklich". Das ist völlig normal. Ab Tag drei oder vier kommt die Leiden-Phase: Beine und Po schmerzen, du bist müde und fragst dich ernsthaft, warum du das eigentlich machst - auch das ist normal, nenn es die Eingewöhnungsphase. Ab Tag fünf kippt es meist: Dein Körper hat sich angepasst, der Kopf kommt in den Flow, und Fahren, Essen, Schlafen wird zur einfachen Routine. Das ist der Moment, für den sich die ersten schwierigen Tage lohnen.

Häufige Anfängerfehler beim Solo-Bikepacking

FehlerBesser so
1.000 km in 14 Tagen als erste Tour, allein durch die Alpen200 km in 4 Tagen, z. B. Schwarzwald, mit Cafés und Dörfern auf dem Weg
30 kg Gepäck, "weil man ja alles brauchen könnte"15 kg Gepäck - was fehlt, kaufst du unterwegs
100 km am ersten Tag, um es dir selbst zu beweisen30-40 km am ersten Tag, um in deinen Rhythmus zu finden
Kein Wasser/Essen dabei, "es gibt schon einen Laden"Grundvorrat an Wasser und Snacks dabei, unterwegs auffüllen
30 Tage komplett allein, um "tough" zu wirken10 Tage allein, unterwegs bewusst andere Radfahrer:innen treffen

Fazit: Solo-Bikepacking als Frau ist wunderbar

Allein zu fahren bedeutet, die Welt aus meinen eigenen Augen zu sehen, nicht aus den Augen eines Partners oder einer Gruppe. Es bedeutet, meine Grenzen zu testen. Es bedeutet, mich selbst kennenzulernen.
— Wiebke Lühmann, Bikepackerin

Solo-Bikepacking als Frau ist keine abgeschwächte Version von "normalem" Bikepacking. Es bedeutet, die Angst zu akzeptieren und trotzdem zu fahren, deine Grenzen zu testen und daran zu wachsen, Freiheit auf zwei Rädern zu finden und dich selbst auf eine Art kennenzulernen, die vorher nicht möglich war.

Konkret heißt das für dich: Entscheide dich. Plane eine realistische erste Tour (200 Kilometer, drei bis fünf Tage, vertraute Region). Besorg dir ein Gravel-Bike. Kauf die Grundausrüstung. Trainiere mindestens vier Wochen. Und dann: fahr einfach los.

Nach deiner ersten Tour wirst du nicht mehr dieselbe Frau sein, die du vorher warst. Du wirst eine Bikepackerin sein.

Häufig gestellte Fragen

Bin ich wirklich sicher, wenn ich allein unterwegs bin?

Ja, mit ein paar Vorsichtsmaßnahmen. Vermeide Nachtfahrten in unbekannten Gegenden, vertrau deinem Bauchgefühl - wenn sich ein Ort nicht sicher anfühlt, fahr weiter - und teile jemandem zu Hause deine Route und ungefähre Zeitplanung mit. Die meisten Menschen sind hilfsbereit, Frauen, die solo reisen, sind längst nichts Ungewöhnliches mehr. Der größte Gegner ist oft nicht eine äußere Gefahr, sondern die eigene Angst im Kopf - und die wird kleiner, je mehr du reist.

Wie packe ich mein Fahrrad richtig? Was muss mit?

Packe Gewicht niedrig und zentriert am Rahmen. Essenziell sind Zelt oder Biwak, Schlafsack, Isomatte, Kleidung, Erste-Hilfe-Set, Reparaturzeug, Wasser und Essen. Der häufigste Anfängerfehler: zu viel mitnehmen. Starte mit 15 bis 20 Kilogramm Gepäck und optimiere später. Mach vor der Abfahrt eine Probefahrt mit vollem Gepäck, um Handling und Sitzposition zu testen, bevor es in die Wildnis geht. Ausführlichere Tipps zur Ausrüstung findest du in unserem Bikepacking-Ausrüstungsguide.

Wie handle ich meine Periode unterwegs?

Menstruationstassen sind unterwegs Gold wert - wiederverwendbar, kein Müll, funktionieren überall. Alternativ eignen sich Bio-Baumwoll-Tampons oder -Binden. Plane voraus, wann du in größeren Städten Nachschub kaufen kannst. Viele Frauen berichten, dass Radfahren während der Periode dank der Bewegung und Endorphine sogar angenehmer ist als Ruhe.

Wie schlafe ich sicher im Zelt? Ich habe Angst vor Wildcamping.

Das ist die größte psychologische Hürde, nicht die reale Gefahr. Zelte nicht direkt sichtbar von Straße oder Weg, am besten etwas abseits und leicht verdeckt. Im Zweifel hilft ein Biwak ohne Zelt - weniger auffällig. Die erste Nacht ist meist die schwierigste, danach wird es Routine. Tipp erfahrener Bikepackerinnen: Die erste Nacht auf einem Campingplatz verbringen, um dich einzugewöhnen, statt gleich wild zu campen.

Was mache ich bei Einsamkeit oder Angst unterwegs?

Einsamkeit gehört zum Abenteuer dazu. Mach Pausen, schreib Tagebuch, telefoniere nach Hause, wenn Netz da ist, hör Musik. Bei Angst hilft: präsent bleiben, tief atmen, dich an deine Gründe für die Reise erinnern. Manche Frauen fahren bewusst allein, um zu lernen, wie stark sie wirklich sind - das kann die Reise selbst verändern. Wenn es zu viel wird, ist es völlig in Ordnung, ein Hotel zu nehmen, andere Radfahrer:innen zu treffen oder die Reise anzupassen.

Wie viel kostet Bikepacking? Brauche ich viel Geld?

Das Budget ist sehr variabel. Günstig, mit Wildcamping und Selbstversorgung, kommst du mit 30 bis 50 Euro pro Tag aus; mit Hotels und Restaurants eher mit 100 Euro und mehr. Langzeit-Bikepackerinnen berichten im Schnitt von 40 bis 60 Euro pro Tag. Der größte Kostenfaktor ist meist nicht die Route selbst, sondern die An- und Abreise.

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