Nordfrankreich mit dem Fahrrad: Alte Bahntrassen als Radwege
Zwei der schönsten Radwege Nordfrankreichs auf alten Bahntrassen: die Voie Verte de l'Avesnois und die Voie Verte des Gueules Noires - flach, sicher, ideal fürs E-Bike.
Der Norden Frankreichs überrascht. Wer an die Region denkt, hat selten sofort grüne Heckenlandschaften, stille Wege und entspannte E-Bike-Touren vor Augen - und genau das macht den Reiz aus. Zwischen Bocage, Wäldern und altem Industrierevier verlaufen hier ehemalige Bahntrassen, die heute als sichere, angenehm flache Radwege ein zweites Leben führen. Zwei davon könnten unterschiedlicher kaum sein: die grüne, ländliche Voie Verte de l'Avesnois und die Voie Verte des Gueules Noires mitten durch das ehemalige Kohlerevier. Beide zeigen ein anderes Gesicht des Departements Nord - und beide sind wie gemacht für eine entspannte Ausfahrt mit dem E-Bike.
Voie Verte de l'Avesnois: rund 30 Kilometer durch das grüne Herz des Nordens
Die Voie Verte de l'Avesnois verläuft auf einer ehemaligen Bahntrasse zwischen Ferrière-la-Grande und Glageon, südlich von Maubeuge. Die durchgehend asphaltierte Strecke misst rund 30 Kilometer und folgt der alten Eisenbahnlinie Maubeuge-Fourmies. Heute ist sie Teil der La Scandibérique, also des französischen Abschnitts der EuroVelo 3 - der Pilgerroute, die von Trondheim in Norwegen bis nach Santiago de Compostela führt.
Was diese Route so angenehm macht, ist ihre Zugänglichkeit. Der Belag wurde seit 2021 komplett erneuert, ist breit und glatt - komfortabel mit nahezu jedem Fahrradtyp zu fahren. Auch Familien oder Gelegenheitsradler fühlen sich hier schnell wohl, weil der Weg ruhig, übersichtlich und nahezu steigungsfrei ist. Das ist der grosse Vorteil ehemaliger Bahntrassen: Sie wurden einst so gebaut, dass Züge möglichst ohne starke Steigungen fahren konnten. Heute profitierst du davon - jeder Höhenmeter, den du nicht trittst, ist einer, den du geniessen kannst.

Landschaftlich wirkt die Strecke fast überraschend sanft. Der Avesnois gilt als besonders grüner Teil des Nordens, mit Heckenlandschaften, Weiden, kleinen Orten und vielen Waldabschnitten. Unterwegs fährst du durch typisch nordfranzösische Dörfer mit Backstein- und Blausteinarchitektur. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, legt in Sars-Poteries einen Stopp am MusVerre ein, dem Museum für zeitgenössische Glaskunst, das fest in der Region verwurzelt ist. Auch die Abschnitte Richtung Wald und in die Nähe des Val Joly machen die Route besonders reizvoll.
Voie Verte des Gueules Noires: Radfahren durch das Bergbauerbe
Ganz anders die Voie Verte des Gueules Noires. Sie folgt einer ehemaligen Bahntrasse des Kohlereviers und verbindet auf rund 14 Kilometern Anzin nördlich von Valenciennes mit dem belgischen Péruwelz. Die Route liegt im Gebiet des nordfranzösischen Kohlebeckens, das heute als UNESCO-Welterbe geführt wird, und gehört zum grösseren Projekt der Véloroute du Bassin Minier.
Die Strecke ist kürzer als die Route im Avesnois, atmosphärisch aber völlig anders. Statt Hecken und Landdörfern prägen hier ehemalige Industrieflächen, Brücken, Wasserläufe und renaturierte Areale das Bild. Genau dieser Kontrast macht die Fahrt spannend: Wo früher Kohle transportiert wurde, verläuft heute ein Radweg durch dichte Vegetation, kleine Ortschaften und alte Industriegebiete, die sich Schritt für Schritt in Naturraum zurückverwandeln.
Der Untergrund ist gemischter als im Avesnois. Es gibt Abschnitte mit feinem Schotter, andere sind asphaltiert oder - besonders auf belgischer Seite - betoniert. Für E-Bikes und normale Tourenräder bleibt die Strecke dennoch gut fahrbar. Wer sich für Industriekultur interessiert, bekommt unterwegs eine ganz andere Perspektive auf den Norden Frankreichs als auf den klassischen Touristenrouten. Orte wie Condé-sur-l'Escaut oder die Umgebung des Lac Chabaud-Latour zeigen, wie eng Natur und Industriegeschichte hier zusammenliegen.

Wo früher Kohle rollte, rollt heute dein E-Bike - durch ein Stück Industriegeschichte, das die Natur zurückerobert.
Warum sich alte Bahntrassen besonders gut fürs E-Bike eignen
Ehemalige Bahnlinien gehören zu den angenehmsten Radwegen überhaupt. Sie sind meist flach, verlaufen ohne hektischen Autoverkehr und lassen sich auch dann entspannt fahren, wenn man kein sportliches Niveau mitbringt. Mit dem E-Bike wird daraus eine besonders komfortable Form des Radreisens.
Das gilt in Nordfrankreich ganz besonders. Sowohl im Avesnois als auch auf der Strecke der Gueules Noires fährst du auf klar geführten, gut verständlichen Wegen, ohne ständig zwischen Verkehr, Kreuzungen und Orientierungsstress wechseln zu müssen. Für Familien, Gelegenheitsradler oder alle, die einfach einen sicheren, ruhigen Tagesausflug suchen, ist das ideal.
Ein E-Bike verstärkt diesen Vorteil noch. Du musst dir keine Gedanken machen, ob 30 oder 40 Kilometer vielleicht zu viel sein könnten. Die Strecken bleiben leicht zugänglich - auch wenn du Pausen machst, einen Abstecher in einen Ort einbaust oder den Rückweg ganz entspannt angehst. Und aus der Werkstatt-Perspektive sind solche flachen, gut ausgebauten Routen die freundlichste Bühne für einen Akku: gleichmässiger Verbrauch, keine langen Steilstücke, planbare Reichweite.
Welche Route passt zu wem?
Die Voie Verte de l'Avesnois eignet sich besonders für alle, die Natur, Ruhe und ein eher klassisches Radwegerlebnis suchen. Sie wirkt offen, grün und fast pastoral, ohne je langweilig zu werden. Wer mit Kindern fährt oder einfach eine entspannte Strecke mit viel Landschaft möchte, ist hier meist glücklicher.
Die Voie Verte des Gueules Noires ist die spannendere Wahl für alle, die Industriekultur, Geschichte und ungewöhnliche Landschaften mögen. Sie ist weniger idyllisch im klassischen Sinn, dafür charakterstärker und erzählerischer. Hier fährst du nicht nur durch eine Region, sondern auch durch ihre Vergangenheit.
Am schönsten ist es ohnehin, beide Routen zu kombinieren. Als Wochenendprogramm ergänzen sie sich erstaunlich gut, weil sie zwei sehr unterschiedliche Gesichter des Nordens zeigen.
Praktische Tipps für die Tour
Für die Route im Avesnois ist Ferrière-la-Grande ein sinnvoller Startpunkt: Dort gibt es touristische Infrastruktur rund um den Radweg, und die Strecke lässt sich von hier gut planen. Die Anbindung an die La Scandibérique macht die Route ausserdem für alle interessant, die nicht nur einen Tagesausflug, sondern eine längere Tour durch Nordfrankreich planen.
Bei der Voie Verte des Gueules Noires ist Condé-sur-l'Escaut ein praktischer Ausgangspunkt - vor allem, wenn du den urbaneren Bereich rund um Valenciennes umgehen und direkt in den landschaftlich spannenderen Teil einsteigen möchtest. Die Nähe zur belgischen Grenze eröffnet zudem die Möglichkeit, die Tour über das belgische Wegenetz weiterzuführen.
Für beide Wege gilt: Ein komfortables Trekking-E-Bike oder E-Tourenrad ist die unkomplizierteste Wahl. Auf der Avesnois-Route fährt es sich fast durchgehend sehr entspannt, während auf der Gueules-Noires-Strecke etwas breitere Reifen angenehm sind, wenn du mehr Komfort auf gemischtem Untergrund möchtest.
Passende E-Bikes für entspannte Tagestouren
Fazit
Sie verläuft im Departement Nord zwischen Ferrière-la-Grande und Glageon und ist auf der durchgehend asphaltierten Strecke rund 30 Kilometer lang. Ja. Der rund 14 Kilometer lange Weg ist auch mit E-Bikes gut fahrbar, auch wenn der Belag stellenweise gemischt ist - feiner Schotter, Asphalt und auf belgischer Seite Beton. Die Voie Verte de l'Avesnois ist meist die einfachere Wahl, weil sie sehr ruhig, übersichtlich und komfortabel ausgebaut ist. Ja. Gerade weil beide Routen relativ kurz sind und völlig unterschiedliche Landschaften bieten, lassen sie sich gut als kombiniertes Wochenendprogramm fahren.Häufig gestellte Fragen zu den Bahntrassen-Radwegen in Nordfrankreich
Wo liegt die Voie Verte de l'Avesnois?
Ist die Voie Verte des Gueules Noires fürs E-Bike geeignet?
Welche Route ist besser für Familien?
Kann man die Wege zu einer Wochenendtour verbinden?



