E-Bike Hinterrad ausbauen: Die Anleitung für alle Schaltungstypen

Platter Reifen, Reifenwechsel oder Bremsbelag-Tausch: Das Hinterrad muss raus. Wir zeigen dir Schritt für Schritt, wie es bei Kettenschaltung, Nabenschaltung und Hinterradmotor jeweils funktioniert.

E-Bike Hinterrad ausbauen: Anleitung für alle Typen
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Ein platter Schlauch am Straßenrand oder der saisonale Wechsel auf Winterreifen – irgendwann führt kein Weg daran vorbei: Das Hinterrad muss raus. Das klingt zunächst nach einer Aufgabe für die Fachwerkstatt, ist aber mit der richtigen Anleitung und etwas Geschick gut selbst machbar. Je nachdem, ob dein E-Bike eine Kettenschaltung, Nabenschaltung oder einen Hinterradmotor hat, unterscheidet sich der Ablauf spürbar – wir zeigen dir alle drei.

Gewicht beachten

Ein motorisiertes Hinterrad kann bis zu 7 Kilogramm wiegen – deutlich mehr als ein normales Laufrad. Sei beim Handling vorsichtig, besonders beim Wiedereinsetzen.

Das Werkzeug im Überblick

WerkzeugGröße/AusführungWofür
Maulschlüssel15 mmNabenschaltungen, Mittelmotoren mit Kettenschaltung
Maulschlüssel18–19 mmHinterradmotoren
Inbusschlüssel-Set5 oder 6 mmSteckachsen ohne Schnellspanner
SchraubendreherFlachkopfKette anheben, Rahmenschutz
Reifenheber, LuftpumpeSchlauch- oder Mantelwechsel
Kabelbinder, SchereMotorkabel lösen und neu befestigen

Wer sich ein neues oder gebrauchtes E-Bike kaufen möchte, sollte gleich in dieses Grundwerkzeug investieren – das macht dich unabhängiger und spart langfristig Werkstattkosten.

Hinterrad ausbauen bei Kettenschaltung (Mittelmotor)

Bei E-Bikes mit Mittelmotor ist der Ausbau relativ unkompliziert, da der Motor im Tretlager sitzt, nicht im Hinterrad.

Schritt 1 – Gang wählen: Schalte auf den kleinsten Gang hinten, sodass die Kette auf dem kleinsten Ritzel liegt. Das entspannt das Schaltwerk maximal.

Schritt 2 – Bremse lösen: Bei Felgenbremsen den Schnellspanner am Bremsbügel öffnen. Bei Scheibenbremsen ist meist nichts zu lösen – berühre dabei nie die Bremsbeläge mit fettigen Fingern.

Schritt 3 – Radachse lösen: Bei Schnellspannern den Hebel öffnen und gegen den Uhrzeigersinn drehen. Bei Steckachsen die Achse mit dem passenden Inbusschlüssel herausdrehen.

Schritt 4 – Schaltwerk zurückziehen: Das Schaltwerk am Käfig nach hinten unten ziehen, um die Kette zu entspannen, und gleichzeitig das Rad nach oben und leicht nach hinten aus den Ausfallenden heben.

Schritt 5 – Rad entnehmen: Das Hinterrad vorsichtig herausheben, bei Scheibenbremsen darauf achten, dass die Bremsscheibe nicht am Bremssattel hängenbleibt.

Beim Wiedereinbau in umgekehrter Reihenfolge darauf achten, dass die Kette korrekt auf dem kleinsten Ritzel liegt, das Rad mittig zwischen den Kettenstreben sitzt, und die Achse fest angezogen ist. Mache vor längeren Strecken unbedingt eine Probefahrt.

Bremshebelprobe nicht vergessen

Betätige nach dem Einbau mehrmals beide Bremshebel, um eventuelle Luft im System nach oben zu befördern. Bei Scheibenbremsen darf der Bremshebel niemals gezogen werden, wenn das Rad ausgebaut ist – sonst fahren die Bremskolben zu weit heraus.

Hinterrad ausbauen bei Nabenschaltung

Der Ablauf ähnelt der Kettenschaltung, mit einigen Besonderheiten: Schalte zunächst auf den niedrigsten Gang oder die markierte Wartungsstellung, um den Schaltzug maximal zu entlasten. Löse dann den Schaltzug von der Schalteinheit an der Nabe – dokumentiere die genaue Position vorher mit einem Foto, das erleichtert die spätere Montage erheblich. Prüfe, ob ein integrierter Kettenspanner oder eine Drehmomentabstützung vorhanden ist, und löse diese ebenfalls. Die Radbefestigung erfolgt meist über Achsmuttern mit 15-mm-Maulschlüssel. Ziehe das Schaltwerk nach hinten und hebe das Rad aus den Ausfallenden – bei Nabenschaltungen ist es meist etwas schwerer als bei reinen Kettenschaltungen.

Der Wiedereinbau erfordert besondere Sorgfalt bei der Schaltzug-Montage: Stimmen die Einstellungen nicht exakt wie vorher, funktioniert die Schaltung nicht korrekt. Probiere nach dem Einbau alle Gänge durch.

Hinterrad mit Nabenmotor ausbauen

Bei E-Bikes mit Hinterradmotor sitzt der komplette Antrieb direkt in der Nabe, was den Ausbau komplexer macht.

Schalte das E-Bike zunächst komplett aus und entferne den Akku – wichtig, weil du direkt am Antrieb arbeitest. Durchtrenne die Kabelbinder, die das Motorkabel am Rahmen fixieren, vorsichtig ohne das Kabel selbst zu beschädigen. Trenne die Steckverbindung zwischen Motor und Steuergerät, indem du eventuelle Arretierungen löst – ziehe dabei niemals am Kabel, sondern immer am Stecker. Löse die Drehmomentabstützung (meist auf der linken Seite der Nabe, eine Beilagscheibe mit Nase, die ins Ausfallende greift) und fotografiere ihre exakte Position. Löse die Achsmuttern (meist 18–19 mm) und entferne alle Unterlegscheiben in der richtigen Reihenfolge. Schalte auf den kleinsten Gang, ziehe das Schaltwerk zurück und hebe das Rad vorsichtig heraus – mit bis zu 7 Kilogramm ist es deutlich schwerer als ein normales Hinterrad.

Beim Wiedereinbau ist die korrekte Ausrichtung der Radachse entscheidend: Viele Hersteller empfehlen, das Kabelloch am Motor nach unten zu richten, um Feuchtigkeit vorzubeugen. Die Drehmomentabstützung muss exakt wie vorher positioniert werden, sonst kann sich das Rad unter Last verdrehen.

Besonderheiten bei Riemenantrieb

Bei E-Bikes mit Riemenantrieb darf der Riemen während des Ausbaus nicht unter Spannung stehen. Je nach Rahmenkonstruktion gibt es unterschiedliche Lösungen: horizontale Ausfallenden, Exzenter-Tretlager, Exzenter-Naben oder verschiebbare Ausfallenden. Beim Wiedereinbau legst du den Riemen zunächst auf die Riemenscheibe am Hinterrad, hängst das Laufrad in die Ausfallenden und stellst danach die korrekte Riemenspannung wieder her – zu locker, und der Riemen kann springen; zu straff, und die Lager leiden.

Wann solltest du doch zur Werkstatt?

Gehe zur Fachwerkstatt, wenn du dich unsicher fühlst, die Bremsanlage Probleme zeigt (etwa ein schwammiger Druckpunkt), dir passendes Werkzeug fehlt, sich die Schaltung nach dem Wiedereinbau nicht korrekt einstellen lässt, am Motor ungewöhnliche Geräusche auftreten, oder du größere Umbauten planst. Bei laufender Garantie gilt besondere Vorsicht bei motorspezifischen Arbeiten – unsachgemäße Eingriffe können Garantieansprüche gefährden.

Fazit

Ob Kettenschaltung, Nabenschaltung oder Hinterradmotor – die Grundprinzipien beim Ausbau bleiben gleich: sorgfältig arbeiten, jeden Schritt dokumentieren, richtiges Werkzeug bereithalten. Wer diese Wartungsarbeit einmal beherrscht, ist bei Pannen und beim saisonalen Reifenwechsel deutlich unabhängiger von der Werkstatt.

Häufig gestellte Fragen zum Hinterrad-Ausbau

Ist der Ausbau bei einem Hinterradmotor schwieriger als bei Kettenschaltung?

Ja, deutlich. Du musst zusätzlich Motorstecker und Drehmomentabstützung lösen, und das Rad ist mit bis zu 7 kg spürbar schwerer.

Welches Werkzeug brauche ich unbedingt?

Einen 15-mm-Maulschlüssel für Nabenschaltungen und Kettenschaltungs-Mittelmotoren, 18–19 mm für Hinterradmotoren, sowie ein Inbusschlüssel-Set für Steckachsen.

Kann ich bei Scheibenbremsen versehentlich etwas beschädigen?

Ja – ziehe niemals den Bremshebel, während das Rad ausgebaut ist, sonst fahren die Bremskolben zu weit heraus.

Muss ich bei Riemenantrieb etwas anders machen?

Ja, der Riemen darf beim Ausbau nicht unter Spannung stehen, und die Riemenspannung muss nach dem Einbau neu eingestellt werden.

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