PERS-Antrieb ohne Kette: CIXI hat das Fahrradfahren neu erfunden

Keine Kassette, kein Schaltwerk, kein Riemen, kein klassischer Antrieb: Beim CIXI PERS-System wandelt jede Pedalumdrehung zuerst elektrische Energie um, bevor daraus Vortrieb wird. Das französische Unternehmen CIXI denkt damit den kompletten Fahrradantrieb neu.

CIXI PERS: Wie funktioniert ein E-Bike ohne Kette?
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Was genau den CIXI-PERS-Antrieb ausmacht und was sich mit diesem Konzept im Markt ändert, haben wir uns für dich einmal genau angeschaut.

Wie funktioniert das CIXI PERS System?

PERS steht für "Pedaling Energy Recovery System" – ein kettenloses Pedalsystem, das mechanische Energie nicht direkt ans Hinterrad überträgt, sondern zuerst elektrisch verarbeitet. Im Kern arbeitet das System ähnlich wie ein Serienhybrid aus der Automobilwelt: Die Pedale sind mechanisch nicht mehr direkt mit dem Hinterrad verbunden.

Wer tritt, treibt stattdessen einen Generator an, der dort sitzt, wo normalerweise ein Mittelmotor oder Tretlagerbereich wäre. Der Generator wandelt Muskelkraft in elektrische Energie um, die anschließend direkt an den Motor weitergeleitet oder zusätzlich in der Batterie gespeichert wird. Die Beine treiben das Fahrrad also nicht mehr mechanisch an, sondern elektrisch vermittelt.

CIXI beschreibt das System als Pedalsystem, das die Muskelkraft der Fahrerin oder des Fahrers in elektrischen Antrieb umwandelt. Geschwindigkeit und Bremsen werden dabei intuitiv über die Pedale gesteuert, und der Tret-Rhythmus passt sich laut Hersteller automatisch an Geschwindigkeit und Steigung an. Das Entscheidende dabei: Es gibt keine feste Übersetzung mehr zwischen Pedalbewegung und Geschwindigkeit.

Schalten ist beim PERS-Antrieb kein Thema mehr

Normale Fahrräder funktionieren über feste Übersetzungen – man schaltet je nach Geschwindigkeit oder Steigung zwischen Gängen. Beim PERS-System übernimmt ein Algorithmus diese Anpassung automatisch: CIXI spricht von einem System, das den Tretwiderstand permanent anpasst. Man sucht sich die bevorzugte Kadenz aus, den angenehmen Tret-Rhythmus, und das System regelt den Rest. Das erinnert eher an moderne Hybridfahrzeuge oder Smart-Trainer aus dem Indoor-Cycling als an ein klassisches Fahrrad.

Warum gibt es dann überhaupt noch Pedale?

Rein technisch könnte das Fahrzeug auch komplett elektrisch fahren – genau das will CIXI aber ausdrücklich nicht. Das Unternehmen positioniert sich im Bereich "Active Mobility": Die fahrende Person soll aktiv Teil des Antriebssystems bleiben. Das Pedalieren dient also nicht nur als Eingabegerät wie bei manchen Pseudo-E-Bikes, sondern erzeugt tatsächlich Energie für den Vortrieb.

CIXI nennt das "Enhanced Human Energy": Je stärker getreten wird, desto mehr Energie wird erzeugt, ergänzt durch die Batterie. Das System bietet dafür verschiedene Unterstützungsmodi wie "Muscular", "Active", "Balanced", "Punch" oder "Dynamite" – gerade dieser Ansatz unterscheidet das PERS-System von vielen anderen experimentellen Bike-Konzepten.

Wie fährt sich ein Fahrrad ohne Kette?

Für Puristen gibt es hier einen Dämpfer, aber für die ist der CIXI PERS auch nicht gedacht: Das direkte mechanische Gefühl eines Fahrrads fehlt teilweise, weil zwischen Pedaltritt und Vortrieb immer die elektrische Umwandlung liegt. Erste Eindrücke berichten aber, dass das System überraschend natürlich wirken soll – CIXI versucht gezielt, eine konstante und angenehme Trittfrequenz zu simulieren.

Man sollte dabei nicht vergessen: Hier trifft man auf eine neue Form zwischen E-Bike, Hybridfahrzeug und elektrischer Mikromobilität. Der Vergleich zu einem klassischen Fahrrad fällt entsprechend schwer.

Rekuperation: Das E-Bike lädt sich selbst

Ein weiterer wichtiger Unterschied zu normalen Fahrradantrieben ist die Rekuperation: Beim Bremsen gewinnt das System Energie zurück und speist sie wieder in die Batterie ein – ein Prinzip, das man aus Elektroautos kennt. CIXI spricht von einer Reichweitensteigerung von bis zu 25 Prozent durch regeneratives Bremsen, gleichzeitig sollen dadurch die Bremsbeläge geschont werden. Vor allem bei schweren Cargo-Bikes, urbanen Lieferfahrzeugen oder Fahrzeugen mit vielen Stop-and-Go-Phasen kann Rekuperation einen spürbaren Effekt haben.

Was passiert, wenn der Akku leer ist?

Das ist einer der technisch interessantesten Punkte. Bei normalen E-Bikes bedeutet ein leerer Akku das Ende der Unterstützung – gerade schwere Cargo-Bikes oder Fahrzeuge mit Nabenmotoren fahren sich dann oft unangenehm. Beim PERS-System bleibt das Grundprinzip erhalten: Laut CIXI fließt die erzeugte Energie auch ohne Akku direkt vom Generator zum Motor. Man erzeugt weiterhin Strom durch die Pedalbewegung und versorgt damit unmittelbar den Antrieb. Ganz ohne Verluste funktioniert das natürlich nicht – jede Umwandlung von mechanischer in elektrische Energie und zurück kostet Effizienz, man braucht also mehr Kraft zum Treten. Trotzdem bleibt das Fahrzeug fahrbar, auch wenn die Batterie leer ist.

Warum eignet sich das System besonders für Cargo-Bikes?

Das zeigt sich auch an den technischen Daten und Produktlösungen von CIXI: Das Unternehmen bietet spezielle Cargo-Kits, Dual-Motor-Lösungen und Systeme für Drei- und Vierräder an. Gerade dort spielen die Vorteile besonders stark hinein: keine verschleißanfällige Kette unter hoher Last, keine komplexen Schaltungen, weniger Wartung, und mehr Möglichkeiten bei der Fahrzeugarchitektur.

Dazu kommt die Möglichkeit, mehrere Motoren gleichzeitig anzusteuern – das System kann damit sogar echte Zwei-Rad-Antriebe realisieren. Das eröffnet nicht nur für Cargo-E-Bikes neue Möglichkeiten: Auf der Eurobike 2024 stellte CIXI etwa gemeinsam mit Ateliers Heritage Bike das Chainless Altitude eMTB vor, das Front- und Heckmotor gleichzeitig nutzt. Dadurch entstehen Fahrzeugkonzepte, die mit klassischen Antrieben zuvor nur für Tüftler umsetzbar waren.

Wie effizient ist das System wirklich?

Das ist aktuell noch die große offene Frage. CIXI gibt für das System eine Effizienz von rund 80 Prozent an – technisch interessant, aber niedriger als ein direkter mechanischer Antrieb mit Kette. Eine klassische Fahrradkette gehört nämlich zu den effizientesten Antriebssystemen überhaupt.

Das Ziel von PERS liegt deshalb nicht darin, eine Kette bei maximaler Effizienz zu schlagen, sondern in anderen Vorteilen: weniger Wartung, mehr Designfreiheit, neue Fahrzeugkonzepte, automatische Anpassung des Fahrgefühls, Integration von Rekuperation und vereinfachte, komplexe Cargo-Systeme. Vor allem im urbanen Mobilitätsbereich könnte das langfristig wichtiger werden als absolute mechanische Effizienz. Wer den direkten Vergleich zum klassischen Antrieb sucht, findet ihn in unserem Beitrag Kette oder Riemen beim E-Bike – beide bleiben deutlich effizienter als ein elektrisch vermittelter Antrieb wie PERS.

Welche PERS-Kits gibt es?

Einer der größten Vorteile des CIXI-PERS-Systems ist seine Modularität. Statt eines einzigen Antriebs hat CIXI mehrere vorkonfigurierte Kits entwickelt, zugeschnitten auf unterschiedliche Fahrzeugtypen: Vom klassischen Urban-Pedelec über Liegedreiräder bis zu schweren Cargo-Fahrzeugen deckt die Plattform eine bemerkenswert große Bandbreite ab.

CIXI PERS-Kits im Überblick

KitDrehmomentAkkuEinsatz
Pedelec Downtube Kitbis 85 Nm700 WhZweirädrige Pedelecs, leichte Dreiräder, Longtail-Cargos, Handbikes
Pedelec Intube Kitbis 85 Nmbis 710 Wh (rahmenintegriert)Urban- und Trekking-Pedelecs, unauffällige Integration
Trike Dual Motor Kit2 × 50 NmLiegedreiräder, leichte Cargo-Bikes, Offroad/Touring
Cargo Dual Motor Kit2 × 111 Nm1.440 WhSchwere Lastenräder, Lieferdienste, drei-/vierrädrige Cargo-Fahrzeuge
Cargo e-Axle Kitbis 315 Nm1.440 WhProfessionelle Schwerlast-Cargo-Bikes, urbane Logistik (bis 800 kg Achslast)

Wer bereits über eigene Motoren, Akkus oder Steuergeräte verfügt, kann zudem auf das PERS Standalone zurückgreifen: CIXI liefert dabei nur das kettenlose Pedalsystem selbst, das sich über CAN-Kommunikation in bestehende Fahrzeugplattformen integrieren lässt – interessant vor allem für OEMs, die eigene Fahrzeugkonzepte entwickeln und dennoch CIXIs Ride-by-Wire-Technologie nutzen möchten.

LOOK x CIXI: Ein Traditionshersteller setzt auf kettenlose Bikes

Erste Bikes mit dem PERS-System entstehen in Zusammenarbeit mit LOOK. Der französische Traditionshersteller ist eigentlich tief im klassischen Performance-Radsport verwurzelt: Carbon-Rennräder, Race-DNA, High-End-Geometrien. Umso interessanter, dass ausgerechnet LOOK gemeinsam mit CIXI ein kettenloses Urban-Speed-Pedelec entwickelt hat.

Das Projekt zeigt gut, worum es bei PERS eigentlich geht: Ohne Kette, Kassette oder Schaltwerk entstehen plötzlich neue Möglichkeiten beim Rahmendesign. Beim LOOK x CIXI Rover 45 fällt das sofort auf – kein klassischer Chainstay, eine sehr offene Rahmenarchitektur und ein komplett anderer Aufbau als bei normalen E-Bikes. Gleichzeitig bleibt das Fahrgefühl laut CIXI bewusst "fahrradartig": Man legt die bevorzugte Kadenz fest, ohne schalten zu müssen, und das System regelt den Rest digital im Hintergrund.

Das VIGOZ: eigentlich kein Fahrrad mehr

Das VIGOZ hat mit einem klassischen Fahrrad nur noch wenig gemeinsam – es ist eher eine Mischung aus Microcar, E-Cargo-Vehicle und aktivem Hybridfahrzeug. Autobahnzugelassen, bis zu 120 km/h schnell, und trotzdem nutzt es weiterhin das PERS-System als zentrale Schnittstelle zwischen Fahrer und Antrieb: Auch hier wird aktiv in die Pedale getreten, um Energie zu erzeugen und das Fahrzeug mitzugestalten.

CIXI spricht bewusst nicht von "passiver Mobilität", sondern von "Active Mobility" – die fahrende Person soll nicht einfach nur transportiert werden wie in einem normalen Auto, sondern aktiv Teil der Fortbewegung bleiben. Technisch spielt das VIGOZ in einer anderen Liga als normale E-Bikes: ein 22-kWh-Akku, rund 160 Kilometer Reichweite, offiziell zugelassen für Autobahnen, Ladezeit an einer normalen 220-Volt-Steckdose etwa sechs Stunden. Rekuperation und die eigene Pedalenergie helfen zusätzlich, die Reichweite zu erhöhen – und trotzdem bleibt das eigentümlich fahrradartige Gefühl erhalten, weil Beschleunigen und Bremsen weiterhin über das PERS-System und damit direkt über die Pedalbewegung laufen.

Wo das System heute schon Sinn ergibt

Am konkretesten wird der Nutzen dort, wo klassische Ketten- oder Riemenantriebe an ihre Grenzen kommen: bei schweren Lastenrädern, Mehrmotoren-Konzepten und Fahrzeugen mit sehr hoher Nutzlast. Für ein normales Pendel-E-Bike lohnt sich der Wechsel aktuell eher noch nicht – dafür sind etablierte Antriebskonzepte mit Kette oder Riemen ausgereifter und effizienter.

Fazit

Das CIXI-PERS-System gehört aktuell zu den ungewöhnlichsten Entwicklungen im gesamten E-Bike- und Mobility-Bereich – nicht, weil einfach nur die Kette verschwindet, sondern weil CIXI das komplette Prinzip hinter Fahrradantrieben neu denkt: Pedale erzeugen Strom statt direkten Vortrieb, Software steuert das Fahrgefühl, und Rekuperation wird auch bei Fahrrädern und Cargo-Fahrzeugen relevant. Offene Fragen bleiben, gerade beim Wirkungsgrad und beim Fahrgefühl für klassische Fahrradfahrer:innen. Vor allem im Bereich Cargo, urbane Mobilität und aktive Elektrofahrzeuge könnte PERS aber genau die Plattform sein, auf der in den nächsten Jahren neue Fahrzeugkategorien entstehen.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet PERS bei CIXI?

PERS steht für "Pedaling Energy Recovery System" – ein kettenloses Pedalsystem, bei dem die Tretbewegung zuerst in elektrische Energie umgewandelt wird, bevor daraus Vortrieb entsteht.

Hat ein Fahrrad mit CIXI PERS wirklich keine Kette mehr?

Ja. Das System verzichtet vollständig auf klassische Ketten-, Riemen- oder Schaltungssysteme. Die Pedale sind mechanisch nicht mehr direkt mit dem Hinterrad verbunden.

Wie fährt sich ein E-Bike ohne Kette?

Das Fahrgefühl soll laut CIXI trotzdem natürlich bleiben. Man wählt die bevorzugte Trittfrequenz, und das System passt den Widerstand automatisch an – das fühlt sich eher wie ein Hybrid aus E-Bike und Smart-Trainer an als wie ein klassisches Fahrrad.

Funktioniert das PERS-System auch ohne Akku?

Teilweise ja. Selbst bei leerem Akku kann die erzeugte Energie direkt vom Pedalgenerator an den Motor weitergegeben werden. Allerdings steigt dabei der nötige Kraftaufwand deutlich an.

Warum eignet sich das CIXI-PERS-System besonders für Cargo-Bikes?

Weil gerade bei hoher Last die Schwächen klassischer Antriebe am stärksten wiegen: Eine Kette verschleißt unter Dauerlast schneller, Schaltungen werden komplexer, und schwere Fahrzeuge profitieren besonders von Rekuperation und der Möglichkeit, mehrere Motoren gleichzeitig anzusteuern. CIXI bietet dafür eigene Cargo-Kits mit bis zu 315 Nm Drehmoment und Achslasten bis 800 kg an.

Welche CIXI-PERS-Kits gibt es?

CIXI bietet das kettenlose PERS-System in mehreren Varianten an: für klassische E-Bikes das Pedelec Downtube Kit und das Pedelec Intube Kit mit bis zu 85 Nm, für Liegedreiräder das Trike Dual Motor Kit mit zwei Motoren, im Lastenradbereich das Cargo Dual Motor Kit sowie das Cargo e-Axle Kit mit bis zu 315 Nm für professionelle Cargo-Bikes und Logistikfahrzeuge. Zusätzlich lässt sich das PERS Standalone als einzelne Ride-by-Wire-Pedaleinheit in eigene Fahrzeugkonzepte integrieren.

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