Campagnolo Record 13: Der Angriff auf Shimano Di2 und SRAM AXS
Mit der neuen Record 13 bringt Campagnolo eine Schaltgruppe zurück, auf die Road- und Gravel-Fans gewartet haben: fast dieselbe Technik wie die Super Record 13 – aber zu einem Preis, der erstmals wieder direkt gegen Shimano Ultegra Di2 und SRAM Force AXS antritt.
Nachdem die Super Record 13 Ende 2025 zwar technisch beeindruckte, preislich aber klar im High-End-Segment blieb, fehlte Campagnolo bislang eine realistische Alternative für alle, die moderne Wireless-Technik wollen, ohne fast 4.000 Euro für eine Gruppe auszugeben. Technisch basiert die Record 13 fast vollständig auf der Super Record 13, übernimmt also große Teile der Architektur, Ergonomie und Schaltlogik. Gleichzeitig reduziert Campagnolo gezielt die Materialkosten und bringt die Gruppe damit in direkte Konkurrenz zu Shimano Ultegra Di2, GRX Di2 und SRAM Force AXS. Grund genug, sich die neue Record 13 bei Upway genauer anzuschauen.
13-fach wird erschwinglich: Was die Record 13 ändert
Shimano dominiert den OEM-Markt, SRAM setzt mit AXS neue Standards bei Wireless-Schaltungen, Campagnolo wurde bislang vor allem an exklusiven Boutique-Bikes verbaut. Mit Record 13 könnte sich das ändern: Je nach Konfiguration liegen die Preise zwischen 2.100 und 2.700 Euro – erstmals wieder direkt im Bereich von Ultegra Di2 und Force AXS. Technisch bleibt die Gruppe trotzdem ambitioniert: Record 13 ist neben Super Record aktuell das einzige echte 2x13-System am Markt. Während Shimano weiterhin auf 12-fach setzt und SRAM im Rennradbereich ebenfalls bei 12 Gängen bleibt, bietet Campagnolo hier einen zusätzlichen Gang, ohne die Kassettensprünge drastisch zu vergrößern.
Fünf Varianten für Road, Gravel und Allroad
Campagnolo stellt die Plattform inzwischen deutlich breiter auf, als man es von einer klassischen Rennradgruppe erwarten würde – und spart laut eigener Aussage nicht an der eigentlichen Schaltperformance. Die Record 13 übernimmt dieselbe Schaltarchitektur wie die Super Record 13 und soll laut Campagnolo identisch schnell schalten. Gerade weil frühe Wireless-Generationen anderer Hersteller zu Beginn noch gemischtes Feedback bekommen hatten, ist das ein wichtiger Punkt.
| Variante | Einsatzbereich | Gewicht |
|---|---|---|
| Record 2x13 Road | Klassisches Rennrad | 2.783 g |
| Record 1x13 Road | 1x-Rennrad / Aero | 2.656 g |
| Record X 1x13 Gravel | Gravel | 2.777 g |
| Record X 1x13 Road | Performance-Allroad | 2.820 g |
| Record 2x13 All Road | Endurance / Adventure | 2.806 g |
Dieser modulare Ansatz erinnert an SRAMs Strategie mit Force und Red AXS: Campagnolo baut hier erstmals wirklich eine komplette Plattform auf, statt nur klassische Rennradgruppen anzubieten. Wer sich noch fragt, was ein Gravel-Bike von einem klassischen Rennrad unterscheidet, findet die Grundlagen in unserem Artikel dazu – genau an dieser Schnittstelle positioniert sich die Record-13-Plattform.
Nano Clutch: Campagnolos Antwort auf moderne Gravel-Ansprüche
Eine der wichtigsten technischen Neuerungen ist die sogenannte Nano Clutch im Schaltwerk der Allroad- und Gravel-Varianten. Sie sorgt dafür, dass die Kette auf ruppigem Untergrund deutlich stabiler geführt wird – auf schnellen Gravel-Abfahrten oder technischen Trails war das früher eine Schwäche klassischer Road-Schaltwerke. Die Nano Clutch erhöht die Kettenspannung und reduziert Kettenschlagen, das Schaltgefühl bleibt laut Campagnolo dabei weiterhin leichtgängig.
Campagnolo bietet außerdem unterschiedliche Schaltwerke an: Die normalen Road-Versionen unterstützen kleinere Kassetten, während die Record-X-Varianten mit Long-Cage-Schaltwerk auch 10-48-Kassetten fahren. Damit rückt Campagnolo deutlich näher an moderne Gravel-Setups von SRAM XPLR.
Ergonomie: Der Daumenschalter bleibt
Für viele Campagnolo-Fans ist das die wichtigste Nachricht: Der ikonische Thumb Shifter bleibt erhalten. Während Shimano und SRAM inzwischen fast ausschließlich auf Paddle-Systeme setzen, hält Campagnolo an seiner eigenen Ergopower-Philosophie fest. Die neuen Hebel besitzen weiterhin:
- Den inneren Daumenschalter
- Einen separaten Shift-Lever
- Einen Mode-Button
- Den sogenannten Smart Button
- Eine integrierte Status-LED
Die Ergonomie der aktuellen Generation ist nochmal deutlich verbessert worden. Egal ob am Oberlenker, in den Drops oder in der Aero-Position – alle Funktionen lassen sich bequem erreichen, und das überzeugt uns.
Wo die Record 13 Gewicht – und Kosten – spart
Campagnolo macht bei Record 13 etwas Ehrliches: Die Gruppe versucht gar nicht erst, die leichteste am Markt zu sein. Stattdessen übernimmt sie die komplette Super-Record-Architektur und spart Gewicht sowie Kosten gezielt über die verwendeten Materialien ein.
| Komponente | Super Record 13 | Record 13 |
|---|---|---|
| Kurbelachse | Titan | Edelstahl |
| Lager | Keramiklager | Edelstahllager |
| Schaltröllchen | Hochwertigere Lager | Stahllager |
| Carbon-Struktur | Aufwendiger Hollow-Aufbau | Vereinfachter Carbon-Aufbau |
| Schaltwerkkäfig | Carbon / Aluminium | Stahl / Aluminium |
Trotzdem bleibt der Gewichtsunterschied überraschend klein: Je nach Version liegt die Record 13 nur etwa 208 bis 342 Gramm über der Super Record 13. Wer generell wissen möchte, wo sich beim Rennrad noch sinnvoll Gewicht sparen lässt, findet dazu eine ausführliche Einordnung in unserem Artikel Rennrad Gewicht optimieren.
Kurbeln und Übersetzungen: mehr Optionen als je zuvor
Ein Bereich, in dem Campagnolo traditionell stark ist, bleibt auch bei Record 13 auffällig: die Übersetzungsvielfalt. Es gibt sieben verschiedene 2x-Kombinationen (45/29, 48/32, 50/34, 52/36, 53/39, 54/39, 55/39) sowie zahlreiche 1x-Kettenblätter von 38 bis 52 Zähnen.
Gerade die kleinen Kombinationen wie 45/29 oder 48/32 sind eine direkte Antwort auf die Marktentwicklung: Klassische High-End-Rennradgruppen waren früher eher auf Übersetzungen wie 53/39 ausgelegt – gut für Rennen und schnelle Gruppenfahrten, im Alltag aber unangenehm, sobald lange Anstiege, Bikepacking-Gepäck oder lockerer Untergrund ins Spiel kamen. Mit einer 45/29- oder 48/32-Kurbel reagiert Campagnolo jetzt deutlich stärker auf reale Fahrsituationen: eine wesentlich kleinere Untersetzung für steile Anstiege oder entspannte Endurance-Rides, ohne bei hohen Geschwindigkeiten Kompromisse einzugehen. Durch die 13 Ritzel bleibt die Abstufung dabei fein, sodass sich die Trittfrequenz auch bei wechselndem Terrain gut kontrollieren lässt – besonders im Zusammenspiel mit den neuen 10-33-, 11-36- oder sogar 10-48-Kassetten.
Leistungsmessung: Powermeter mit Praxis-Genauigkeit
Wie sauber Campagnolo das Powermeter in die Kurbel integriert hat, ist beeindruckend – die Record 13 übernimmt dabei viel von der Super-Record-Plattform, positioniert sich aber bewusst als Performance-Gruppe für ambitionierte Road-, Allroad- und Gravel-Fahrer:innen statt als reines High-End-Race-Projekt. Die Super Record richtet sich klar an Profi-Teams und Fahrer:innen, die ihre Leistungsdaten extrem präzise auswerten wollen – dort gibt Campagnolo eine Genauigkeit von ±0,5 bis ±1 Prozent an. Die Record 13 liegt bei ±2 Prozent. Vereinfacht gesagt: Trittst du tatsächlich 250 Watt, zeigt das Display je nach Situation ungefähr 245 bis 255 Watt an – eine Abweichung, mit der man gut leben kann.
Record 13 gegen Shimano Di2 und SRAM AXS: Wie fühlt sich das an?
Wireless-Schaltung, elektronische Ergopower-Hebel, App-Anbindung, Powermeter-Integration und moderne Gravel-Optionen gehören inzwischen bei allen drei Herstellern zum Standard – trotzdem fahren sich die Systeme weiterhin erstaunlich unterschiedlich. Der größte Unterschied bleibt die Philosophie hinter der Schaltung. Shimano setzt traditionell auf maximale Laufruhe: Ultegra Di2 wirkt fast "unsichtbar", weil Schaltvorgänge extrem weich und kontrolliert ablaufen – gerade unter hoher Last oder im Renneinsatz gehört Shimano hier weiterhin zu den Benchmark-Systemen. SRAM geht deutlich aggressiver vor: Force AXS schaltet direkter und mechanischer, fühlt sich dafür aber extrem schnell und präzise an, besonders bei 1x-Setups im Gravel- oder Race-Bereich.
Die Record 13 fährt sich anders: direkter und mechanischer als Shimano, gleichzeitig etwas kontrollierter und weniger hart als SRAM AXS. Wer früher schon Campagnolo gefahren ist, erkennt dieses typische, direkte Feedback sofort wieder. Dazu kommt der technische Unterschied: Campagnolo fährt als einzige große Road-Plattform 13-fach und bietet dadurch mehr Bandbreite und feinere Abstufungen gleichzeitig – gerade bei modernen Allroad- und Gravel-Bikes macht das Sinn, weil sich größere Übersetzungsbereiche fahren lassen, ohne dass die Kassette grob abgestuft wirkt.
Interessant ist außerdem, wie unterschiedlich die Hersteller Gravel interpretieren: SRAM treibt 1x-Systeme offensiv voran und positioniert XPLR klar als minimalistisches Gravel-Race-Setup, Shimano bleibt mit GRX konservativer und hält an klassischen 2x-Konfigurationen fest. Campagnolo versucht mit Record 13, beides gleichzeitig abzudecken – von klassischen 2x-Road-Setups bis zu 1x13-Gravel-Konfigurationen mit Nano Clutch und 10-48-Kassetten. Wer generell noch unsicher ist, wie sich mechanische von elektronischen bzw. hydraulischen Systemen am Rad unterscheiden, findet eine verwandte Einordnung in unserem Vergleich Mechanische vs. hydraulische Scheibenbremsen – dasselbe Grundprinzip (mehr Kontrolle gegen mehr Komplexität) gilt auch beim Schalten.
Akku, Wireless und MyCampy-App
Die gesamte Schaltgruppe arbeitet kabellos. Front- und Heckschaltwerk besitzen eigene Akkus und werden per USB-C geladen, die Reichweite liegt laut Campagnolo bei rund 750 Kilometern pro Ladung. Ergänzt wird das System durch die MyCampy-App für Feinabstimmung und Status-Übersicht – Standard bei allen drei großen Herstellern inzwischen, aber bei Campagnolo erstmals konsequent in die Record-Reihe integriert.
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Fazit
Zum ersten Mal seit langer Zeit wirkt Campagnolo wieder wie eine Marke, die aktiv im modernen Road-, Allroad- und Gravel-Markt mitspielen will. Die Record 13 bleibt klar im Premium-Segment – je nach Konfiguration ab 2.100 Euro für die Gravel-Version, mit integriertem Powermeter kommen noch einmal rund 600 Euro dazu.
Die Record 13 ist Campagnolos neue elektronische 13-fach-Schaltgruppe für Rennrad-, Allroad- und Gravel-Bikes. Sie basiert technisch stark auf der Super Record 13, positioniert sich preislich aber deutlich näher an Shimano Ultegra Di2 und SRAM Force AXS. Die grundlegende Plattform ist fast identisch. Unterschiede gibt es vor allem bei Materialien und Gewicht: Die Super Record nutzt mehr Titan, Keramiklager und aufwendigere Carbon-Konstruktionen, die Record 13 ist praxisorientierter ausgelegt. Schaltgeschwindigkeit und Ergonomie sollen laut Campagnolo gleich bleiben. Mit 13 Ritzeln lassen sich größere Übersetzungsbandbreiten mit feineren Gangabstufungen kombinieren. Gerade bei modernen Gravel- und Allroad-Bikes ergibt das Sinn, weil Fahrer:innen sowohl leichte Klettergänge als auch enge Abstufungen für hohe Geschwindigkeiten bekommen. Die Nano Clutch stabilisiert die Kette auf ruppigem Untergrund und reduziert Kettenschlagen. Besonders bei Gravel- und Allroad-Einsätzen sorgt das für mehr Ruhe im Antrieb und bessere Kettenführung auf Trails oder schlechten Straßen. Ja. Die gesamte Schaltgruppe arbeitet kabellos. Front- und Heckschaltwerk besitzen eigene Akkus und werden per USB-C geladen, die Reichweite liegt laut Campagnolo bei rund 750 Kilometern. Vor allem für alle, die moderne elektronische Schalttechnik wollen, sich aber bewusst etwas anderes als die verbreiteten Shimano- oder SRAM-Setups wünschen. Gerade im High-End-Road-, Allroad- und Gravel-Bereich bringt die Record 13 eine eigenständige Mischung aus moderner Technik und klassischem Campagnolo-Charakter mit.Häufig gestellte Fragen zur Campagnolo Record 13
Was ist die Campagnolo Record 13?
Was ist der Unterschied zwischen Record 13 und Super Record 13?
Warum setzt Campagnolo überhaupt auf 13-fach?
Was macht die Nano Clutch bei der Record 13?
Ist die Campagnolo Record 13 komplett wireless?
Für wen ist die Record 13 besonders interessant?



