E-Bike Hinterrad ausbauen: Die komplette Anleitung für alle Schaltungstypen
Du stehst mit einem platten Reifen am Straßenrand oder möchtest deinem E-Bike einen neuen Satz Winterreifen verpassen? Dann kommst du nicht drum herum: Das Hinterrad muss raus. Keine Sorge – auch wenn das auf den ersten Blick nach einer Aufgabe für die Fachwerkstatt aussieht, kannst du den Ausbau mit etwas Geschick und der richtigen Anleitung selbst durchführen. Gerade wenn du dir ein E-Bike kaufen möchtest oder bereits stolzer Besitzer eines Elektrorads bist, solltest du diese grundlegende Wartungsarbeit beherrschen.
Der Ausbau des Hinterrads bei einem E-Bike unterscheidet sich durchaus von dem eines herkömmlichen Fahrrads. Je nachdem, ob dein E-Bike über eine Kettenschaltung, Nabenschaltung oder sogar einen Hinterradmotor verfügt, gibt es verschiedene Besonderheiten zu beachten. In diesem Ratgeber zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du bei jedem Typ vorgehst, welches Werkzeug du brauchst und worauf du besonders achten musst.

Warum überhaupt das Hinterrad ausbauen?
Es gibt zahlreiche Situationen, in denen du das Hinterrad deines E-Bikes ausbauen musst. Der häufigste Grund ist sicherlich eine Reifenpanne – ein platter Schlauch lässt sich nur mit ausgebautem Rad reparieren oder wechseln. Auch der saisonale Reifenwechsel erfordert diese Arbeit: Im Winter solltest du auf Reifen mit tieferem Profil oder sogar Spikereifen setzen, um auf Schnee und Eis sicher unterwegs zu sein.
Weitere Gründe können der Austausch verschlissener Bremsbeläge, die Wartung der Schaltung oder der Wechsel defekter Speichen sein. Manchmal möchtest du auch einfach ein Upgrade durchführen – etwa ein leichteres Laufrad montieren oder auf eine andere Reifengröße umsteigen. Gerade bei einem gebrauchten oder refurbished E-Bike kann es vorkommen, dass du nach dem Kauf bestimmte Komponenten erneuern möchtest.
Tipp: Gewicht beachten
Ein motorisiertes Hinterrad kann bis zu 7 Kilogramm wiegen – deutlich mehr als ein normales Laufrad. Sei beim Handling vorsichtig und achte auf deine Finger, besonders beim Einsetzen des schweren Rads.
Das benötigte Werkzeug im Überblick
Die Werkzeugliste variiert je nach Ausstattung deines E-Bikes. Hier findest du eine Übersicht über das, was du je nach Situation benötigst:
- Maulschlüssel: Größe 15 mm für die meisten Nabenschaltungen und Mittelmotoren mit Kettenschaltung; Größe 18-19 mm bei Hinterradmotoren
- Inbusschlüssel-Set: 5 mm oder 6 mm für Steckachsen, falls kein Schnellspanner verbaut ist
- Schraubendreher: Flachkopf zum Anheben der Kette und für eventuelle Rahmenschutz-Arbeiten
- Schere: Um Kabelbinder zu durchtrennen, mit denen das Motorkabel am Rahmen befestigt ist
- Neue Kabelbinder: Für die ordentliche Befestigung der Kabel beim Wiedereinbau
- Reifenheber: Falls du den Schlauch oder Mantel wechseln musst
- Luftpumpe: Zum Aufpumpen des Reifens nach dem Einbau
- Saubere Lappen: Zum Abwischen von Kette und verschmutzten Teilen
- Arbeitshandschuhe (optional): Schützen deine Hände vor Öl und Schmutz
Wer sich ein neues oder gebrauchtes E-Bike kaufen möchte, sollte auch gleich in ein grundlegendes Werkzeugset investieren. Das macht dich unabhängiger und spart langfristig Werkstattkosten.
Hinterrad ausbauen bei Kettenschaltung (Mittelmotor)
Die meisten E-Bikes mit Mittelmotor sind mit einer Kettenschaltung ausgestattet. Hier ist der Ausbau relativ unkompliziert, da der Motor im Tretlager sitzt und nicht im Hinterrad verbaut ist. Folge dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung:
Schritt 1 - Gang wählen: Schalte das E-Bike hinten auf den kleinsten Gang. Die Kette sollte nun auf dem kleinsten Ritzel der Kassette liegen. Das entspannt das Schaltwerk maximal und erleichtert den Aus- und Einbau erheblich.
Schritt 2 - Bremse lösen: Bei mechanischen Felgenbremsen öffnest du den Schnellspanner am Bremsbügel. Bei Scheibenbremsen musst du normalerweise nichts lösen – achte nur darauf, die Bremsscheibe beim Ausbau nicht zu berühren oder zu verbiegen. Berühre während des gesamten Vorgangs niemals die Bremsbeläge mit fettigen Fingern.
Schritt 3 - Radachse lösen: Bei Rädern mit Schnellspanner öffnest du den Hebel und drehst ihn gegen den Uhrzeigersinn. Auf der gegenüberliegenden Seite kann eine kleine Mutter sitzen, die du eventuell mit einem Maulschlüssel lösen musst. Bei Steckachsen drehst du die Achse mit dem passenden Inbusschlüssel heraus.
Schritt 4 - Schaltwerk zurückziehen: Greife das Schaltwerk an seinem Käfig und ziehe es nach hinten unten. Dadurch wird die Kette entspannt. Halte das Schaltwerk in dieser Position und hebe gleichzeitig das Rad nach oben und leicht nach hinten aus den Ausfallenden. Die Kette sollte dabei vom kleinsten Ritzel gleiten.
Schritt 5 - Rad entnehmen: Hebe das Hinterrad vorsichtig aus dem Rahmen. Bei Scheibenbremsen achte darauf, dass die Bremsscheibe nicht am Bremssattel hängenbleibt. Lege das ausgebaute Rad auf eine saubere Unterlage.
Nach der Reparatur – sei es Schlauch flicken, Reifen wechseln oder Bremsbeläge tauschen – setzt du das Rad in umgekehrter Reihenfolge wieder ein. Achte darauf, dass die Kette korrekt auf dem kleinsten Ritzel liegt und das Rad mittig zwischen den Kettenstreben sitzt. Ziehe die Achsmuttern oder die Steckachse fest an und mache unbedingt eine Probefahrt, bevor du längere Strecken fährst.
⚠️ Wichtig: Bremshebelprobe
Betätige nach dem Einbau mehrmals beide Bremshebel, um eventuelle Luft im Bremssystem nach oben zu befördern. Bei Scheibenbremsen darf der Bremshebel niemals gezogen werden, wenn das Rad ausgebaut ist – sonst fahren die Bremskolben zu weit heraus!
Hinterrad ausbauen bei Nabenschaltung
E-Bikes mit Nabenschaltung sind besonders bei City- und Trekking-Modellen beliebt. Der Ausbau ähnelt grundsätzlich dem bei Kettenschaltung, hat aber einige Besonderheiten:
Schritt 1 - Gang und Wartungsstellung: Schalte auf den niedrigsten Gang oder – falls vorhanden – in die am Schaltgriff markierte Wartungsstellung. Das entlastet den Schaltzug maximal.
Schritt 2 - Schaltzug lösen: Bei den meisten Nabenschaltungen musst du den Schaltzug von der Schalteinheit an der Nabe trennen. Merke dir genau die Position oder mache ein Foto – die korrekte Montage ist hier entscheidend für die spätere Schaltfunktion. Manche Modelle haben eine spezielle Wartungsstellung, bei der sich der Zug leichter lösen lässt.
Schritt 3 - Kettenspanner beachten: Einige Nabenschaltungen haben einen integrierten Kettenspanner oder eine Drehmomentabstützung. Diese Komponenten müssen in der Regel gelöst werden, bevor du das Rad ausbauen kannst. Dokumentiere die Position genau.
Schritt 4 - Radbefestigung lösen: Bei Nabenschaltungen kommen meist Achsmuttern mit einem 15-mm-Maulschlüssel zum Einsatz. Löse beide Muttern und entferne die Unterlegscheiben. Achte auf die Reihenfolge der einzelnen Komponenten.
Schritt 5 - Rad entnehmen: Ziehe das Schaltwerk nach hinten und hebe das Rad aus den Ausfallenden. Bei Nabenschaltungen kann das Rad etwas schwerer sein als bei reinen Kettenschaltungen.
Der Wiedereinbau erfordert besondere Sorgfalt bei der Montage des Schaltzugs. Achte darauf, dass alle Einstellungen exakt wie vorher sind, sonst funktioniert die Schaltung nicht korrekt. Nach dem Einbau solltest du die Schaltung neu einstellen und alle Gänge durchprobieren.
Hinterrad mit Nabenmotor ausbauen
E-Bikes mit Hinterradmotor sind eine besondere Kategorie. Hier sitzt der komplette Antrieb direkt in der Hinterradnabe, was den Ausbau komplexer macht. Diese Variante findet sich oft bei kompakten City-E-Bikes und einigen Cargo-Bikes. Wenn du ein solches E-Bike kaufen möchtest, solltest du dir über diese Besonderheit im Klaren sein.
Schritt 1 - Sicherheit zuerst: Schalte das E-Bike komplett aus und entferne den Akku. Das ist bei Hinterradmotoren besonders wichtig, da du direkt am Antrieb arbeitest und Steckverbindungen lösen musst.
Schritt 2 - Kabelbinder durchtrennen: Das Motorkabel ist meist mit mehreren Kabelbindern am Rahmen befestigt. Schneide diese vorsichtig durch, ohne das Kabel selbst zu beschädigen. Merke dir die Verlegung des Kabels für den späteren Einbau.
Schritt 3 - Motorstecker trennen: Lokalisiere die Steckverbindung zwischen Motor und Steuergerät. Diese sitzt meist in Rahmennähe. Trenne die Verbindung vorsichtig, indem du eventuelle Sicherungselemente löst. Viele Stecker haben einen Bajonettverschluss oder eine kleine Arretierung. Ziehe niemals am Kabel, sondern immer am Stecker selbst.
Schritt 4 - Drehmomentabstützung lösen: Die Drehmomentabstützung verhindert, dass sich die Radachse unter Last im Rahmen mitdreht. Sie sitzt meist auf der linken Seite der Nabe und besteht aus einer verstärkten Beilagscheibe mit Nase, die ins Ausfallende greift. Bei hochwertigen Motoren kann die Konstruktion aufwendiger sein. Fotografiere die exakte Position, bevor du sie löst.
Schritt 5 - Achsmuttern lösen: Die Muttern bei Hinterradmotoren sind meist größer als bei normalen Rädern – typischerweise 18 mm oder 19 mm. Du benötigst einen entsprechenden Maulschlüssel. Löse beide Muttern und entferne alle Unterlegscheiben in der korrekten Reihenfolge.
Schritt 6 - Schaltwerk und Kette: Schalte auf den kleinsten Gang und ziehe das Schaltwerk nach hinten unten. Hebe das Rad vorsichtig aus den Ausfallenden. Vorsicht: Das Rad ist mit bis zu 7 Kilogramm deutlich schwerer als normale Hinterräder!
Schritt 7 - Rad ablegen: Lege das motorisierte Rad vorsichtig auf eine weiche Unterlage. Achte darauf, dass der Motor-Stecker und die Bremsscheibe geschützt sind.
Beim Wiedereinbau ist die korrekte Ausrichtung der Radachse entscheidend. Viele Hersteller empfehlen, das Kabelloch am Motor nach unten zu richten, um Feuchtigkeitsprobleme zu vermeiden. Die Drehmomentabstützung muss exakt wie vorher positioniert werden, sonst kann sich das Rad unter Last verdrehen. Ziehe alle Muttern fest an, verbinde den Motorstecker sauber und befestige das Kabel ordentlich mit neuen Kabelbindern am Rahmen.
Besonderheiten bei E-Bikes mit Riemenantrieb
Einige Premium-E-Bikes setzen auf einen Riemenantrieb statt der klassischen Kette. Diese Variante ist wartungsarm und langlebig – der Ausbau des Hinterrads erfordert aber zusätzliche Schritte. Der Riemen darf während des Ausbaus nicht unter Spannung stehen.
Je nach Rahmenkonstruktion gibt es verschiedene Lösungen: horizontale Ausfallenden, Exzenter-Tretlager, Exzenter-Naben oder verschiebbare Ausfallenden. Manchmal musst du sogar die Bremssattel-Verschraubung lösen, um genug Spiel zu schaffen. Ein zusätzlicher Snubber (Riemenführung) kann weitere Arbeitsschritte erfordern. Wenn du planst, ein E-Bike mit Riemenantrieb zu kaufen, informiere dich vorab über das spezifische System deines Wunschmodells.
Beim Wiedereinbau legst du den Riemen zunächst auf die Riemenscheibe am Hinterrad und hängst dann das Laufrad in die Ausfallenden. Anschließend stellst du die korrekte Riemenspannung wieder her – zu locker und der Riemen kann springen, zu straff und die Lager leiden.
Wann solltest du doch zur Werkstatt?
Nicht jede Reparatur solltest du selbst durchführen. In folgenden Situationen ist der Gang zur Fachwerkstatt ratsam:
- Du fühlst dich unsicher bei der Arbeit am E-Bike
- Die Bremsanlage zeigt Probleme (z.B. schwammiger Druckpunkt)
- Du hast keine passenden Werkzeuge zur Verfügung
- Die Schaltung lässt sich nach dem Wiedereinbau nicht korrekt einstellen
- Am Motor treten ungewöhnliche Geräusche oder Fehler auf
- Du willst größere Umbauten vornehmen (z.B. andere Laufradgröße)
Gerade wenn du frisch ein E-Bike gekauft hast und die Garantie noch läuft, solltest du bei motorspezifischen Arbeiten vorsichtig sein. Unsachgemäße Eingriffe können zum Verlust der Garantieansprüche führen. Bei refurbished E-Bikes von Upway hast du ebenfalls eine Gewährleistung – informiere dich vorab, welche Arbeiten du selbst durchführen darfst, ohne diese zu gefährden.

Fazit: Mit der richtigen Anleitung kein Problem
Das Ausbauen des Hinterrads an einem E-Bike mag auf den ersten Blick kompliziert erscheinen, ist aber mit der richtigen Vorbereitung und Anleitung gut machbar. Ob Kettenschaltung, Nabenschaltung oder Hinterradmotor – die Grundprinzipien bleiben gleich: Sorgfältig arbeiten, jeden Schritt dokumentieren und die richtige Werkzeugauswahl treffen.
Wer diese grundlegende Wartungsarbeit beherrscht, ist deutlich unabhängiger und kann auf Pannen schneller reagieren. Gerade bei längeren Touren oder im Urlaub ist es beruhigend zu wissen, dass ein platter Reifen kein unlösbares Problem darstellt. Die Investition in gutes Werkzeug und etwas Übung zahlt sich schnell aus – nicht nur finanziell, sondern auch durch das gute Gefühl, sein E-Bike wirklich zu beherrschen.
Für alle, die sich ein E-Bike kaufen möchten: Achte bei der Auswahl auch auf die Wartungsfreundlichkeit. Modelle mit einfach zugänglichen Komponenten und guter Dokumentation erleichtern dir die spätere Pflege erheblich. Refurbished E-Bikes von Upway bieten hier oft ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis und sind gleichzeitig eine nachhaltige Wahl. Mit dem Wissen aus diesem Ratgeber bist du bestens vorbereitet, um dein E-Bike langfristig in Top-Zustand zu halten.