maxon BIKEDRIVE AIR S im Test: Weltraumtechnik mit 90 Nm Drehmoment bei nur 2 kg Gewicht

90 Nm Drehmoment, 620 Watt Leistung und nur 2 kg Gewicht: Erfahre alles über den maxon BIKEDRIVE AIR S im ausführlichen Test.

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Das Schweizer Unternehmen maxon entwickelt seit Jahrzehnten Elektromotoren für Anwendungen, bei denen Zuverlässigkeit eine Kernvoraussetzung ist. Die Antriebe kommen unter anderem in der Raumfahrt, Robotik, Medizintechnik und Industrieautomation zum Einsatz. Selbst die Mars-Rover der NASA nutzen Technologie von maxon.

Mit dem neuen maxon BIKEDRIVE AIR S wollen die Schweizer dieses Know-how erneut auf den E-Bike-Markt übertragen.

Der Motor tritt die Nachfolge des bisherigen BIKEDRIVE AIR an und verfolgt ein ambitioniertes Ziel: die Leistung eines modernen Full-Power-E-Bike-Motors mit dem Gewicht und der Integration eines Light-E-Bike-Systems zu kombinieren.

Mit nur 2 Kilogramm Gewicht, bis zu 90 Nm Drehmoment und einer Spitzenleistung von 620 Watt gehört der AIR S zu den interessantesten neuen Antriebssystemen. Doch kann ein so leichter Motor tatsächlich mit etablierten Systemen wie dem Bosch Performance Line CX Gen5, Shimano EP801 oder DJI Avinox konkurrieren?

Technische Daten des maxon BIKEDRIVE AIR S

Bereits die technischen Daten zeigen, worauf maxon mit dem AIR S abzielt. Der Motor soll kein extremes Leistungsmonster wie der DJI Avinox sein. Stattdessen versucht maxon, ein möglichst attraktives Verhältnis aus Gewicht, Leistung, Integration und Effizienz zu erreichen.

Technische Daten

maxon BIKEDRIVE AIR S im Überblick

Motorgewicht 2,0 kg
Maximales Drehmoment 90 Nm
Spitzenleistung 620 Watt
Maximale Unterstützung 400 %
Wirkungsgrad ca. 85 %
Hauptakkus 400 Wh oder 600 Wh
Range Extender 250 Wh

Der leichteste Full-Power-Motor seiner Klasse

Das wohl beeindruckendste Merkmal des AIR S ist sein Gewicht. Mit lediglich 2 Kilogramm unterbietet er die etablierten Full-Power-Systeme deutlich.

Motorenvergleich

Gewicht und Drehmoment im Vergleich

Motor Gewicht Drehmoment
maxon BIKEDRIVE AIR S 2 kg 2,0 kg 90 Nm
Bosch Performance Line CX Gen5 ca. 2,8 kg bis 100 Nm
Shimano EP801 ca. 2,7 kg 85 Nm
Brose Drive S Mag ca. 2,9 kg 90 Nm
DJI Avinox M2 2,65 kg 125 Nm

Der maxon BIKEDRIVE AIR S ist einer der leichtesten Full-Power-E-Bike-Motoren auf dem Markt. Der deutlich stärkere DJI Avinox M2 bietet mehr Drehmoment, wiegt jedoch rund 650 Gramm mehr.

Besonders bemerkenswert ist, dass maxon trotz des niedrigen Gewichts nicht auf ein klassisches Light-Assist-Konzept setzt. Mit 90 Nm Drehmoment bewegt sich der Motor klar im Full-Power-Segment.

Leistung: 620 Watt bei nur 2 Kilogramm

Die maximale Motorleistung beträgt 620 Watt. Damit positioniert sich der AIR S oberhalb vieler Full-Power-Motoren der vorherigen Generation und auf Augenhöhe mit modernen Premium-Antrieben.

Laut maxon wurde das System gezielt darauf ausgelegt, auch bei hohen Kadenzen effizient zu arbeiten und seine Leistung konstant abzugeben. Genau hier zeigen andere Motoren teilweise Schwächen.

Der AIR S unterstützt den Fahrer mit bis zu 400 Prozent der eigenen Leistung und reagiert dabei auf Basis präziser Drehmoment- und Kadenzsensoren.

Unabhängige Prüfstandsmessungen zeigen allerdings, dass diese maximale Unterstützung nicht über den gesamten Leistungsbereich anliegt. Bei einer Trittfrequenz von 75 Umdrehungen pro Minute erreichte der Motor bei einer Fahrerleistung von 150 Watt rund 272 Prozent Unterstützung. Dabei erzeugte er etwa 410 Watt Motorleistung und rund 52 Nm Drehmoment.

Bei 200 Watt Fahrerleistung stieg die Motorleistung auf rund 510 Watt. Die Unterstützung lag in diesem Bereich bei etwa 255 Prozent und das Drehmoment bei rund 65 Nm.

Besonders interessant ist die Charakteristik des Motors: Während viele Full-Power-Systeme ihre höchste Unterstützung bereits bei geringer Fahrerleistung abrufen, steigt die Leistung des AIR S sehr linear mit dem Fahrereinsatz an. Dadurch wirkt die Unterstützung natürlich und gut kontrollierbar.

Wie konstant hält der AIR S seine Leistung?

Auch die Dauerleistung fällt für einen nur zwei Kilogramm schweren Motor bemerkenswert hoch aus. In einem 30-minütigen Belastungstest hielt der AIR S zunächst rund 500 Watt Motorleistung konstant aufrecht.

Erst nach etwa 12 Minuten zeigten sich erste Anzeichen einer thermischen Leistungsreduzierung. Nach rund 19 Minuten sank die Leistung deutlicher ab, lag jedoch selbst nach fast 30 Minuten Dauerbelastung noch bei über 220 Watt.

Diese Werte zeigen, dass der AIR S seine Leistung nicht nur kurzfristig bereitstellen kann. Auch unter längerer Belastung erreicht er eine für seine Gewichtsklasse außergewöhnlich hohe Dauerleistung. Gerade bei langen Alpenanstiegen oder technisch anspruchsvollen Uphills dürfte dies ein wichtiger Vorteil gegenüber schwächeren Light-E-Bike-Antrieben sein.

Einer der leisesten E-Bike-Motoren auf dem Markt

Ein weiterer Schwerpunkt der Entwicklung lag auf der Geräuschentwicklung. Der AIR S nutzt ein speziell abgestimmtes Planetengetriebe und zählt laut unabhängigen Tests zu den leisesten E-Bike-Motoren auf dem Markt.

Im Alltag fällt der Motor selbst unter Last kaum auf. Erst in sehr steilen Passagen und bei maximaler Leistungsanforderung wird das Antriebssystem deutlich wahrnehmbar.

Gerade Fahrer, die das natürliche Fahrgefühl eines klassischen Mountainbikes möglichst wenig beeinträchtigen möchten, dürften diesen Punkt zu schätzen wissen.

Akkus: 400 Wh, 600 Wh und Range Extender

Beim Thema Akkus verfolgt maxon ebenfalls einen anderen Ansatz als viele Wettbewerber. Statt möglichst großer Akkus setzt das Unternehmen wie beim Motor auf ein leichtes Gesamtsystem.

maxon BIKEDRIVE AIR S

Akkuoptionen und Range Extender

400-Wh-Akku

Kapazität400 Wh
Gewicht1,8 kg
80 % Ladungca. 3 h
Vollladungca. 4 h

600-Wh-Akku

Kapazität600 Wh
Gewicht2,8 kg
Ladezeitca. 5 h

Range Extender

Kapazität250 Wh
Gewicht1,6 kg
FormatFlasche
Kompatibilität400/600 Wh

Mit dem 250-Wh-Range-Extender lässt sich die Gesamtkapazität des maxon BIKEDRIVE AIR S Systems auf bis zu 850 Wh erhöhen.

Wie groß ist die Reichweite wirklich?

In einem Praxistest wurde die Reichweite auf einer 5,6 Kilometer langen Strecke mit 350 Höhenmetern untersucht. Gefahren wurde in der höchsten Unterstützungsstufe bei einer durchschnittlichen Trittfrequenz von 77 Umdrehungen pro Minute. Das Fahrergewicht lag inklusive Ausrüstung bei etwa 87 Kilogramm.

Der AIR S erreichte unter diesen Bedingungen etwa 197 Höhenmeter pro 100 Wh. Mit dem 400-Wh-Akku entsprechen diese Werte rund 800 Höhenmetern. Zusammen mit dem 250-Wh-Range-Extender waren etwa 1.300 Höhenmeter möglich.

In einem weiteren Vergleichstest erreichte ein mit dem AIR S ausgestattetes Instinctiv Ozelot bei konstant hoher Unterstützung sogar 1.102 Höhenmeter mit einer Akkuladung.

Diese Werte zeigen, dass der Wirkungsgrad von etwa 85 Prozent in der Praxis messbare Vorteile bringen kann.

Fahrgefühl: Natürlich statt brachial

Der größte Unterschied zu Motoren wie dem DJI Avinox wird auf dem Trail deutlich. Während der Avinox den Fahrer mit enormem Schub den Berg hinaufbefördert, setzt der AIR S auf eine feinfühlige und kontrollierbare Leistungsabgabe.

Die Unterstützung baut sich harmonisch auf und bleibt jederzeit vorhersehbar. Besonders technisch anspruchsvolle Uphills profitieren davon. Das Hinterrad behält viel Traktion, während sich die Motorleistung präzise dosieren lässt.

Wer von einem Bosch Performance Line SX kommt, wird den AIR S als deutlich kräftiger empfinden. Wer hingegen einen DJI Avinox oder einen Bosch Performance Line CX mit maximalem Performance-Update gewohnt ist, wird feststellen, dass der AIR S etwas mehr Eigenleistung verlangt.

Genau darin liegt jedoch der besondere Charakter des Motors.

Die ersten Bikes mit dem maxon AIR S

Thömus Lightrider E-Max

Mit dem Lightrider E-Max gehört Thömus zu den ersten Herstellern, die den neuen maxon BIKEDRIVE AIR S serienmäßig einsetzen. Das Schweizer E-MTB wurde konsequent auf ein geringes Gesamtgewicht und ein natürliches Fahrgefühl ausgelegt.

Herzstück ist ein leichter Carbonrahmen, der den kompakten Motor und die schlanken Akkuoptionen integriert. Je nach Ausstattung liegt das Gewicht bei rund 17,85 Kilogramm und damit deutlich unter vielen klassischen Full-Power-E-MTBs.

Das Fahrwerk bietet abhängig von der Modellvariante zwischen 120 und 140 Millimeter Federweg. Erhältlich sind Ausführungen mit 400-Wh- oder 600-Wh-Akku. Der Preis beginnt bei etwa 10.700 CHF.

Das Lightrider E-Max richtet sich vor allem an Tourenfahrer, Marathon-Biker und sportliche Trailfahrer, die die Unterstützung eines leistungsstarken Motors wünschen, ohne auf das agile Handling eines leichten Mountainbikes zu verzichten.

Dedicated Faster

Während Thömus auf Leichtbau und eines leistungsstarken Motors wünschen, ohne auf das agile Handling eines leichten Mountainbikes zu verzichten.

Dedicated Faster Effizienz setzt, verfolgt Dedicated mit dem Faster einen deutlich aggressiveren Ansatz. Das Bike wurde speziell für anspruchsvolle Enduro-, Bikepark- und Freeride-Einsätze entwickelt und zählt zu den ersten Long-Travel-Bikes mit dem AIR-S-Antrieb.

Der robuste Rahmen kombiniert den vergleichsweise leichten Motor mit einem Fahrwerk, das je nach Konfiguration zwischen 170 und 190 Millimeter Federweg bereitstellt. Das Gewicht beginnt bei rund 22,6 Kilogramm, der Preis bei etwa 12.900 Euro.

Dadurch entsteht ein ungewöhnliches Konzept: ein leistungsfähiges Gravity-E-MTB, das trotz großer Reserven leichter ausfällt als zahlreiche vergleichbare Full-Power-Enduros.

Das Faster richtet sich an Fahrer, die anspruchsvolle Abfahrten, große Sprünge und technische Trails bevorzugen, dabei aber nicht das Gewicht eines klassischen 25-Kilogramm-E-Bikes bewegen möchten.

Instinctiv Ozelot

Das Instinctiv Ozelot gilt als eines der technisch interessantesten E-MTBs auf Basis des maxon AIR S. Der Hersteller setzt auf einen hochwertigen Carbonrahmen und die eigens entwickelte Puma-Kinematik, die hohe Antriebseffizienz mit starker Abfahrtsperformance verbinden soll.

Mit rund 19,7 Kilogramm Gesamtgewicht bewegt sich das Ozelot zwischen den Konzepten von Thömus und Dedicated. Je nach Konfiguration bietet das Bike bis zu 170 Millimeter Federweg, ein Fox-Factory-Fahrwerk und eine klare Ausrichtung auf den Trail- und Enduro-Einsatz.

In Praxistests wurde insbesondere die Balance zwischen Klettereigenschaften und Abfahrtsperformance hervorgehoben. Dank des leichten Antriebssystems bleibt das Bike auf technischen Uphills kontrollierbar, während das hochwertige Fahrwerk auf schnellen und ruppigen Trails viel Sicherheit vermittelt.

Fahrer, die ein vielseitiges E-MTB für lange Touren, alpine Trails und anspruchsvolle Enduro-Strecken suchen, finden im Ozelot eines der spannendsten Gesamtpakete der noch jungen AIR-S-Plattform.

Leichte E-MTBsbei Upway

Die ersten E-Mountainbikes mit maxon BIKEDRIVE AIR S sind schon auf dem Markt, aber bisher noch sehr selten auf dem Refurbished-Markt. Eine bereits besser verfügbare Alternative sind leichte E-MTBs mit TQ, Mahle oder Fazua Motoren. Auch diese Antriebe setzen auf ein kompaktes System, ein geringes Gewicht und eine natürliche Unterstützung.

Upway Einschätzung: Für wen lohnt sich der maxon AIR S?

Der AIR S richtet sich nicht an Fahrer, die maximale Leistung pro Euro suchen. Wer möglichst viel Schub möchte, bekommt bei Bosch CX, DJI Avinox oder Bafang M560 mehr Spitzenleistung.

Die große Stärke des maxon liegt an anderer Stelle. Der Motor kombiniert ein Full-Power-Drehmoment von 90 Nm mit einem Gewicht von gerade einmal 2 Kilogramm. Dadurch können außergewöhnlich leichte E-MTBs mit einem natürlichen und agilen Fahrverhalten entstehen.

Für sportliche Trailfahrer, Marathon-Biker und technisch versierte E-MTB-Fans gehört der AIR S deshalb zu den interessantesten Motoren seiner Generation.

Eine fundierte Einschätzung zur Langzeitzuverlässigkeit können wir derzeit noch nicht geben, da die ersten mit AIR-S-Motoren ausgestatteten Bikes bislang kaum im Refurbishment angekommen sind. Entsprechend fehlen belastbare Erfahrungen über viele tausend Kilometer und mehrere Nutzungsjahre hinweg.

Dennoch spricht die Herkunft des Herstellers für hohe Erwartungen. maxon entwickelt seit Jahrzehnten Antriebssysteme für Anwendungen, bei denen Ausfälle keine Option sind, das ist für uns im Refurbishment natürlich ein äußerst relevanter Faktor.

Dieses Know-how und der Fokus auf Präzision und Effizienz lassen erwarten, dass auch der BIKEDRIVE AIR S auf eine lange Lebensdauer ausgelegt wurde. Wie sich das in der Praxis bestätigt, werden wir mit zunehmender Erfahrung im Refurbishment genau beobachten.

Fazit: Viel Leistung, bemerkenswert wenig Gewicht

Der maxon BIKEDRIVE AIR S ist kein Motor für jeden Fahrertyp. Er versucht nicht, den DJI Avinox bei der maximalen Leistung zu schlagen oder mit besonders großen Akkus neue Reichweitenrekorde aufzustellen.

Stattdessen verfolgt maxon einen anderen Ansatz: möglichst viel Leistung bei möglichst wenig Gewicht.

Mit 2 Kilogramm Motorgewicht, 90 Nm Drehmoment, bis zu 620 Watt Spitzenleistung und einem außergewöhnlich natürlichen Fahrgefühl gelingt dieser Ansatz überzeugend.

Wer ein leichtes, elegantes und dennoch leistungsfähiges E-MTB sucht, sollte den maxon BIKEDRIVE AIR S deshalb auf dem Zettel haben.

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