Frauen & Fahrräder: 4 Geschichten, die Mut machen
Eine Wirtschaftspädagogin, die 14 Monate durch Afrika radelt. Eine Ultra-Läuferin, die in 108 Tagen die Welt umrundet. Eine Traumaüberlebende, die den ersten Weltrekord für Frauen aufstellt. Vier Frauen, vier Geschichten, ein gemeinsamer Nenner: Sie sind einfach losgefahren.
Warum diese Geschichten wichtig sind
Diese Frauen sind keine Übermenschen. Sie sind normale Menschen mit Zweifeln, Ängsten und Schwächen. Wiebke Lühmann hatte vor ihrer Afrikareise den Kontinent noch nie betreten. Lael Wilcox leidet unter Asthma. Juliana Buhring hatte mit 30 Jahren noch nie ernsthaft Rad trainiert.
Trotzdem haben sie es geschafft — nicht weil sie besonders talentiert waren, sondern weil sie losgefahren sind, durchgehalten haben, als es schwer wurde, und an sich geglaubt haben, auch wenn andere zweifelten. Ihre Geschichten zeigen: Es geht nicht darum, perfekt vorbereitet zu sein. Es geht darum, anzufangen.
Wiebke Lühmann: 20.000 Kilometer durch Afrika
Am 3. Oktober 2023 fuhr Wiebke Lühmann in Freiburg im Breisgau los. Ihr Ziel: das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika, 20.000 Kilometer entfernt. 14 Monate später, am 5. Dezember 2024, erreichte sie es. Wiebke ist Wirtschaftspädagogin und Content Creatorin aus Freiburg — keine Profi-Rennfahrerin, und vor dieser Reise war sie noch nie in Afrika gewesen. "Der Weg ist das Ziel", sagte sie. "Ich möchte Afrika auf dem Rad durchqueren."
Die Route: immer der Westküste entlang
Von Freiburg fuhr Wiebke durch Frankreich, Spanien und Portugal, setzte Ende Dezember 2023 von Tarifa nach Tanger über und folgte grob der Westküste durch 22 Länder — von Marokko über Senegal, Ghana und Kamerun bis nach Namibia und Südafrika. Das Atlasgebirge, die Sahara, der liberianische Regenwald, die nigerianischen Berge, die Gravel-Waschbrettstraßen Namibias: Jede Region hatte ihre eigenen Herausforderungen.
Höhepunkte und Tiefpunkte
"Die Begegnungen mit Menschen sind das Schönste an dieser Reise", sagt Wiebke. In der Sahara traf sie den französischen Radreisenden Julien Soleil, der sie bis Côte d'Ivoire begleitete. Nur in Namibia sah sie wild lebende Elefanten, Giraffen, Zebras und Oryxantilopen — ein Elefant besuchte regelmäßig den Pool eines Campingplatzes, um zu trinken.
In Liberia lebten Wiebke und Julien tagelang von Nudeln und Thunfischkonserven, weil es kaum andere Lebensmittel gab. In Marokko erlitt Wiebke ihre erste Lebensmittelvergiftung. Die größte Herausforderung war jedoch mental: Heimweh, Einsamkeit, die Sehnsucht nach einer Pause. Nach einem Jahr überlegte sie ernsthaft, die Reise zu unterbrechen — doch sie fuhr weiter.
Das Equipment
Wiebke fuhr ein Wilier Triestina Adlar mit Custom-Aufbau: Flatbar statt Dropbar für mehr Packvolumen und eine aufrechte Sitzposition, Flatpedals statt Klickpedale. "Auf so einer langen Reise ist Komfort wichtiger als Aerodynamik", erklärt sie. Das Gepäck wog etwa 30 Kilogramm, mit Rad, Essen und Wasser kam sie auf rund 50 Kilogramm Gesamtgewicht.
Vier Monate nach ihrer Rückkehr verarbeitet Wiebke die Erlebnisse noch immer. "So eine lange Reise lässt sich nicht einfach in ein paar Wochen sortieren", sagt sie. Was bleibt: die Erkenntnis, wie wenig wir in Europa über Afrika wissen, die Dankbarkeit für jede Begegnung — und der Stolz, es geschafft zu haben.
Lael Wilcox: In 108 Tagen um die Welt
Am 26. Mai 2024 startete Lael Wilcox im Millennium Park in Chicago mit dem Ziel, die Welt in 110 Tagen zu umrunden. Am 11. September, nach 108 Tagen, 12 Stunden und 12 Minuten, kam sie zurück — neuer Weltrekord.
Die Strecke
29.169 Kilometer, 192.024 Höhenmeter, 22 Länder, 4 Kontinente. Lael fuhr durchschnittlich 270 Kilometer pro Tag, über 11 Stunden auf dem Rad, 108 Tage lang. Die Route führte von Chicago über Portugal durch Europa (unter anderem Spanien, Deutschland, die Türkei und Georgien), per Flug nach Australien und Neuseeland, zurück über Alaska und die Westküste Nordamerikas und schließlich quer durch die USA nach Chicago.
Für Weltumrundungen gelten strikte Guinness-Regeln: mindestens 29.000 Kilometer, durchgehend in dieselbe Richtung mit maximal 5 Grad Abweichung, Kontinente an gegenüberliegenden Punkten betreten und verlassen. Flugzeuge und Schiffe sind für Ozeanüberquerungen erlaubt, ein Support-Team durfte die Route planen — aber kein Windschatten, keine Hilfe beim Fahren selbst.
Das Equipment und die Herausforderungen
Lael fuhr ein Specialized Roubaix, ein Endurance-Rennrad statt des erwarteten Gravel-Bikes, mit elektronischer SRAM-Red-AXS-Schaltung. Sie leidet unter Asthma — dünne Bergluft, Staub und Stadtluftverschmutzung reizten ihre Atemwege durchgehend, trotzdem fuhr sie weiter. Als erfahrene Ultra-Endurance-Spezialistin (Siegerin des Trans Am Bike Race 2016, des Tour Divide) wusste sie, wie man durchhält.
Ich hatte so viel Spaß. Ich hätte ewig weiterfahren können.— Lael Wilcox, nach ihrer Ankunft in Chicago
Tausende folgten ihrem täglichen Podcast, auf manchen Streckenabschnitten fuhren bis zu 100 Radfahrer mit ihr mit — nur ohne Windschatten für sie selbst. Lael unterbot den bisherigen Frauenrekord von Jenny Graham um über zwei Wochen. Für 2026 plant sie bereits die nächste Herausforderung: die absolute Weltumrundung, Männer inklusive.
Jenny Graham: Die Pionierin
Jenny Graham stellte 2018 den ersten modernen Weltrekord für Frauen auf: 124 Tage, 10 Stunden, 50 Minuten — ein Rekord, der bis 2024 hielt. Der entscheidende Unterschied zu Lael Wilcox: Graham fuhr komplett unsupported, ohne Team, das Route, Hotels oder Flüge organisierte. Alles musste sie unterwegs selbst regeln, während Wilcox sich aufs Fahren konzentrieren konnte. Beide Leistungen gelten in der Community als gleichrangig, weil beide unterschiedliche Routen und Herausforderungen meisterten.
Die gebürtige Schottin lebt mit ihrem Sohn in Inverness und begann 2004 mit dem Radfahren. Über eine geplante Radreise nach Rumänien stieß sie auf Ultra-Distance-Rennen, fuhr das 750 Meilen lange Arizona Trail Race auf Platz sechs und legte mit dem Kollektiv Adventure Syndicate die Strecke von Land's End nach John o'Groats in vier Tagen zurück — 20 Stunden pro Tag im Sattel. 2018 startete sie ihre Weltumrundung, fuhr durch 16 Länder, legte 18.000 Meilen zurück und kehrte 124 Tage später mit dem Weltrekord zurück. Ihr Buch "Coffee First, Then the World" erzählt die Geschichte.
Juliana Buhring: Vom Trauma zum Triumph
Juliana Buhring stellte 2012 den allerersten Guinness-Weltrekord für Frauen auf: 152 Tage, davon 144 Tage im Sattel. Doch ihre Geschichte beginnt viel früher und deutlich dunkler.
Die Kindheit und der Verlust
Juliana wurde 1981 in Athen geboren, ihre Eltern waren Mitglieder der Sekte "Children of God". Mit vier Jahren von ihren Eltern verlassen, wuchs sie in fast 30 Ländern innerhalb der Sekte auf. 2004, nach dem Tod ihrer Schwester Davida, verließ sie die Gemeinschaft und schrieb mit ihren Schwestern das international erfolgreiche Buch "Not Without My Sister".
2010 wurde ihr Freund, der Abenteurer Hendri Coetzee, bei einer Expedition im Kongo von einem Krokodil getötet. Juliana fiel in eine tiefe Depression und suchte eine Herausforderung, um den Schmerz zu überwinden: Sie beschloss, die Welt mit dem Fahrrad zu umrunden.
Von null Trainingskilometern zum Weltrekord
Mit 30 Jahren hatte Juliana noch nie ernsthaft Rad trainiert. Ihre einzige Vorbereitung: eine entspannte Tour von Berlin nach Kopenhagen, 60 gemütliche Kilometer pro Tag. Als sie bei Guinness World Records anfragte, kam die Antwort: Für Frauen existiert noch kein Rekord. Ohne Sponsoren oder nennenswertes Geld startete sie am 23. Juli 2012 in Neapel — als ihr unterwegs die Mittel ausgingen, spendete ihre Online-Community. 29.060 Kilometer, 19 Länder, 4 Kontinente und 152 Tage später kehrte sie am 22. Dezember 2012 nach Neapel zurück: erste Frau im Guinness-Buch der Rekorde für die schnellste Fahrrad-Weltumrundung.
Danach wurde Juliana Profi: 2013 als einzige Frau beim Transcontinental Race (Platz 9), 2014 Siegerin des Trans Am Bike Race. Ihr zweites Buch "This Road I Ride" erzählt ihre Geschichte; heute ist sie Race Director des Two Volcano Sprint in Süditalien.
Von diesen und vielen anderen Geschichten kannst du dich inspirieren lassen — auch in den Momenten, in denen das Leben einem Steine in den Weg legt, statt sie liegen zu lassen. Wenn du planst, in die Fußstapfen dieser Frauen zu treten, oder einfach nur mehr Bewegung in deinen Alltag bringen willst: Bei Upway findest du professionell generalüberholte E-Bikes, die dich auf deinem eigenen Abenteuer begleiten — vom City-E-Bike für die erste Bikepacking-Tour bis zum Trekking-E-Bike für die große Reise. Jedes Bike durchläuft einen 20-Punkte-Check, mit einem Jahr Garantie und transparenter Zustandsbewertung.
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Fazit
Nein. Studien zeigen, dass Frauen bei Ultra-Endurance-Leistungen gleich gut oder sogar besser abschneiden als Männer — mit oft besserer Schmerztoleranz und mentaler Ausdauer. Jede Reise birgt Risiken, aber tausende Frauen reisen jedes Jahr allein mit dem Rad. Mit gesundem Menschenverstand, guter Vorbereitung und Respekt für lokale Kulturen ist das Risiko überschaubar. Ein zuverlässiges Rad, gutes Werkzeug und wetterfeste Kleidung solltest du mitnehmen. Am wichtigsten ist, dass die Ausrüstung zu dir passt — Wiebke fuhr zum Beispiel mit Flatbar statt Dropbar, weil das für sie komfortabler war. Fang klein an: eine Wochenend-Tour, dann eine Woche, dann länger. Teste deine Ausrüstung und finde heraus, was für dich funktioniert. Du musst kein Profi sein, um loszufahren. Nein. Diese Geschichten sollen motivieren, nicht unter Druck setzen. Dein Ziel kann eine Tour durch Deutschland sein, ans Mittelmeer oder zum nächsten Berg — was auch immer dich glücklich macht.Häufig gestellte Fragen
Sind Frauen körperlich weniger geeignet für extreme Radreisen?
Ist es gefährlich, als Frau allein zu reisen?
Brauche ich spezielle Ausrüstung?
Wie bereite ich mich vor?
Muss ich Rekorde brechen, um inspirierend zu sein?



