Die Geschichte von Schindelhauer Bikes beginnt nicht mit einem Fahrrad, sondern mit einem Sportwagen. Martin Schellhase, Jörg Schindelhauer, Manuel Holstein und Stephan Zehren lernten sich während ihres Maschinenbau-Studiums an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg kennen und arbeiteten gemeinsam an einem Studienprojekt für ein Sportwagen-Konzept. Doch während das Auto-Projekt lediglich als
akademische Übung endete, erkannten die vier Freunde ein ganz anderes Potenzial: Sie wollten Fahrräder bauen, die technisch anspruchsvoll, ästhetisch reduziert und funktional durchdacht sind.
Im März 2009 gründeten sie aus dem Ingenieur- und Designkollektiv c2g engineering heraus die Marke Schindelhauer Bikes. Der Name war eine bewusste Entscheidung: Schindelhauer steht für beharrliche Kontinuität und ein solides, eingespieltes Team, wobei der Familienname von Produktmanager Jörg Schindelhauer als Markenzeichen gesetzt wurde. Bereits wenige Monate nach der Gründung präsentierten die vier auf der Eurobike 2009 ihre ersten Modelle - und sorgten für Aufsehen in der Fahrrad-Fachwelt.
Was Schindelhauer von Anfang an besonders machte, war der konsequente Einsatz des Gates Carbon Drive Zahnriemens. Während andere Hersteller den Riemen als optionale Alternative zur Kette anboten, konstruierte Schindelhauer jeden einzelnen Rahmen von Grund auf für diesen Antrieb. Das erforderte eine völlig andere Herangehensweise an das Rahmendesign: Der Hinterbau musste aufklappbar sein, um den nicht teilbaren
Riemen aufziehen zu können. Die Rahmenkonstruktion musste steifer sein, um die Spannung des Riemens zu halten. Und das gesamte Antriebssystem musste präziser justiert werden als bei einer herkömmlichen Kette.
Ende 2012 zog das Team von Magdeburg nach Berlin-Kreuzberg und bezog ein Büro an der Spree. Die Wahl des Standorts war kein Zufall: Berlin, mit seiner lebendigen urbanen Fahrradkultur, war der perfekte Ort für eine Marke, die sich auf hochwertige Stadt-Räder spezialisiert hatte.
Von hier aus steuert Schindelhauer bis heute die Entwicklung, den Vertrieb und die Produktion - auch wenn die Rahmen selbst in Asien gefertigt werden.
Im Laufe der Jahre erweiterte Schindelhauer seine Produktpalette behutsam und nachhaltig. Klassiker wie Viktor, Friedrich und Ludwig wurden mit kleineren Verbesserungen versehen, während neue Modelle wie Gustav mit integriertem Frontgepäckträger hinzukamen.
2019, im zehnten Jahr des Firmenbestehens, wagte Schindelhauer einen großen Schritt in eine neue Richtung: Die Marke stellte gleich vier neue Modelle mit elektrischem Antrieb vor - Arthur, Antonia, Emil und Emilia. Als Hersteller mit einem klaren Fokus auf Pendler und Stadtfahrer war der Schritt in Richtung E-Mobilität eine logische Konsequenz, um noch mehr Menschen dazu zu bewegen, auf das Fahrrad umzusteigen.
Heute beschäftigt Schindelhauer etwa 16 Mitarbeiter und vertreibt seine Fahrräder über rund 130 Händler in 30 Ländern weltweit. Die Marke ist bewusst klein geblieben. Statt auf Massenproduktion setzt Schindelhauer auf eine überschaubare Produktpalette von etwa 19 aktuellen Modellen, die alle einem klaren Designprinzip folgen: minimalistisch, wartungsarm, langlebig.