Tour Aotearoa – 3.000 km durch Neuseeland von Norden bis Süden
Vom Leuchtturm am Cape Reinga bis zum Wegweiser in Bluff: Die Tour Aotearoa führt dich 3.000 Kilometer durch Neuseeland – und mit dem richtigen E-Bike ist sie längst kein Rennen mehr für Profis allein.
Was ist die Tour Aotearoa?
Es gibt Radrouten, die du einfach fährst. Und es gibt Routen, die du erlebst. Die Tour Aotearoa gehört unmissverständlich zur zweiten Kategorie: Kaum jemand, der sie gefahren ist, spricht danach von einer "Strecke" – die meisten sprechen von einer Reise, die ihr Leben verändert hat.
3.000 Kilometer, von der Nordspitze Neuseelands bis zur Südspitze. Dazwischen liegen Urwälder, Vulkanlandschaften, wilde Westküsten, Gletscher, Hängebrücken über tiefen Schluchten, eine große Fährüberfahrt und gleich fünf weitere Bootsfahrten, ohne die du bestimmte Abschnitte schlicht nicht erreichst. Neuseeland lernst du auf dieser Route nicht auf Asphalt kennen.
Der Name stammt aus dem Māori: Aotearoa bedeutet "Land der langen weißen Wolke" – der ursprüngliche Name Neuseelands. Die Route selbst wurde 2016 von den Fahrradbuch-Autoren Paul, Simon und Jonathan Kennett entwickelt, die auch das New Zealand Cycle Trail-Projekt managten. Ihre Idee war simpel und zugleich kühn: die besten Radwege des Landes – die sogenannten Great Rides und Heartland Rides – zu einer einzigen, durchgehenden Route vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt zu verbinden.
Der Erfolg kam sofort: Schon die erste Ausgabe 2016 zog rund 300 Fahrer:innen an. Seitdem zählt die Tour Aotearoa zu den bekanntesten Bikepacking-Abenteuern der Welt – auf einer Stufe mit dem Tour Divide in den Rocky Mountains oder dem Transcontinental Race durch Europa.
Technisch ist die Tour Aotearoa ein sogenanntes Brevet: kein Rennen, kein Wettkampf, kein Zeitdruck im eigentlichen Sinn. Die einzige Regel: Du legst die 3.000 Kilometer in mindestens 10 und maximal 45 Tagen zurück, versorgst dich selbst und dokumentierst 30 festgelegte Foto-Checkpoints. Wer möchte, fährt die Route auch komplett unabhängig vom offiziellen Brevet – jederzeit, in eigenem Tempo, mit dem Rad oder mit dem E-Bike.

Die Route: Zwei Inseln, eine Reise
Die Tour Aotearoa findet jedes Jahr im Februar statt und ist ein Mosaik aus vollkommen unterschiedlichen Landschaften, Untergründen und Erfahrungen – ein Trail gewordener Traum.
Die Nordinsel: Urwald, Vulkane und ein Strand als Straße
Der Start am Cape Reinga ist bereits ein Statement. Der Leuchtturm am nördlichsten Punkt Neuseelands, wo Pazifik und Tasmansee aufeinandertreffen, ist für viele Fahrer:innen einer der emotionalsten Momente der gesamten Route. Hier beginnt alles.
Direkt danach folgt der erste außergewöhnliche Abschnitt: der Ninety Mile Beach – trotz des Namens nur rund 90 km lang, aber buchstäblich eine Fahrbahn aus Sand. Die Anweisung im offiziellen Routenführer lautet lapidar: "Links auf den Ninety Mile Beach." Du musst den Start bei Niedrigwasser planen, damit der gezeitengeformte Sand befahrbar bleibt – zur falschen Zeit sinkst du buchstäblich ein. Eine Alternativroute gibt es nicht.
Weiter geht es durch den Waipoua Forest, einen der letzten Kauri-Urwälder Neuseelands – jahrtausendealte Baumriesen, die an "Herr der Ringe" erinnern. Und dann wartet der Timber Trail, einer der absoluten Höhepunkte der Nordinsel: eine Strecke durch uralten Podocarpus-Wald, der in den 1970er-Jahren buchstäblich in letzter Minute vor der Abholzung gerettet wurde. Dutzende Hängebrücken überspannen die tiefen Schluchten – die längste davon misst 141 Meter, 36 Kilometer vom nächsten Ort entfernt. Hier fährst du durch ein Stück Erdgeschichte.
Danach kommt für viele der fantastischste Abschnitt der Nordinsel: der Whanganui River. Um ans andere Ende zu kommen, steigst du in ein Jetboot – keine Option, sondern die einzige Möglichkeit. 40 Minuten schießt das Boot über eine der wildesten Flusslandschaften Ozeaniens, bevor der Weg weiter nach Süden führt, vorbei an Wellington, zur Fähre über die Cookstraße.

Die Überfahrt: Fähre zwischen zwei Welten
Die Fähre von Wellington nach Picton ist mehr als eine logistische Notwendigkeit – sie ist ein Übergangsritual. Drei bis vier Stunden über die Cookstraße, vorbei an Fjorden, die sich langsam öffnen. Wer auf der Reling steht und die Berge der Südinsel größer werden sieht, merkt: Die Luft wird kühler, die Landschaft größer. Du bist in einer anderen Welt angekommen.
Die Südinsel: Gletscher, Pässe und das Ende der Welt
Die Südinsel ist landschaftlich noch dramatischer als die Nordinsel – und anspruchsvoller. Die Berge sind höher, die Pässe steiler, die Abstände zwischen den Ortschaften größer. Deine Versorgung willst du hier sorgfältig planen.
Das Highlight der Südinsel – und für viele Fahrer:innen der gesamten Tour – ist der West Coast Wilderness Trail: Regenwald direkt an der Westküste, Holzbrücken, Hängepfade, Lagunen, Landschaften, die so unberührt wirken, dass du kaum glaubst, hier verläuft überhaupt ein Radweg. Der Untergrund wechselt ständig zwischen Schotter, Erde, Wurzeln und gelegentlichem Asphalt – ebenso wie das Wetter, denn die Westküste zählt zu den regenreichsten Regionen Neuseelands. Du wirst hier nass. Und findest es trotzdem – oder gerade deswegen – unvergesslich.
Weiter südlich kommen Franz Josef und Fox Glacier ins Bild: zwei der wenigen Gletscher der Welt, die bis fast auf Meereshöhe reichen und mit dem Rad erreichbar sind. Danach folgt der Haast Pass, die Überquerung der Südalpen und einer der einsamsten, wildesten Abschnitte der gesamten Route. Die Schlucht des Kawarau River, das Gibbston Valley mit seinen Weinbergen, die Annäherung an Queenstown.
Nach Queenstown und dem majestätischen Lake Wakatipu wartet noch ein Bootsübergang: die TSS Earnslaw, ein kohlebetriebener Raddampfer aus dem Jahr 1912. Es gibt modernere Alternativen – aber niemand, der die Tour Aotearoa fährt, würde die Earnslaw auslassen.
Der letzte Abschnitt führt durch das flache, weite Southland, mit dem Geruch von Grasland und Meer. Bluff liegt am Ende einer langen, geraden Straße. Und wenn du am Wegweiser stehst, an dem die Entfernungen zu allen Ecken der Welt angezeigt werden, bist du angekommen – nicht nur in Bluff, auch irgendwo in dir selbst.

Die Tour Aotearoa im Überblick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Gesamtstrecke | ca. 3.000 km (Nordinsel ca. 1.590 km, Südinsel ca. 1.410 km) |
| Höhenmeter | über 40.000 m (rund 4,5x Mount Everest) |
| Brevet-Zeitfenster | 10–45 Tage |
| Typische Fahrzeit | 15–25 Tage (entspannt: 30–40 Tage) |
| Bootsüberfahrten | 5, darunter Wellington–Picton und die TSS Earnslaw |
| Enthaltene Wege | 9 Great Rides + 12 Heartland Rides des New Zealand Cycle Trail |
Die Route kombiniert diese Great Rides und Heartland Rides mit ruhigen Hinterlandstraßen und einigen unvermeidlichen Asphaltabschnitten. Der Untergrund wechselt ständig: befestigte Radwege, Schotterpisten, technisches Singletrack, Sandstrände, Waldpfade. Ein Fully oder ein robustes Hardtail mit griffigen Reifen ist für die meisten Abschnitte die richtige Wahl – schmale Rennradreifen haben hier nichts zu suchen.
Das Brevet: Mitmachen, aber nicht um jeden Preis
Das offizielle Brevet findet jedes Jahr im Februar statt – im neuseeländischen Spätsommer, dem idealen Reisefenster. Die Teilnehmer:innen starten in Wellen zu je 100 Personen an verschiedenen Tagen, damit sich der Trail nicht überfüllt. Eine Anmeldegebühr gibt es nicht, wohl aber eine verpflichtende Spende von 100 neuseeländischen Dollar an eine Wohltätigkeitsorganisation deiner Wahl sowie eine Kompensationszahlung für den CO₂-Ausstoß deiner Flugreise.
Die Regeln sind bewusst einfach gehalten: kein Begleitfahrzeug, keine externe Unterstützung, die komplette Ausrüstung trägst du am Bike. 30 GPS-gestützte Foto-Checkpoints musst du dokumentieren, und die Route muss in maximal 30 Tagen abgeschlossen sein.
Findest du das zu streng, fährst du die Tour Aotearoa einfach außerhalb des Brevets: jederzeit, selbst organisiert, im eigenen Tempo, mit oder ohne Unterstützung. GPX-Daten und der offizielle Routenführer sind öffentlich zugänglich – viele reisen genau so: im neuseeländischen Sommer an, auf eigene Faust, ohne zeitliche Begrenzung.

Mit dem E-Bike auf der Tour Aotearoa
Ja, das geht – und es wird zunehmend populärer. Der Aotearoa-Trail ist offiziell offen für E-Bikes, und ein Team von Rentnern hat die Nordinsel bereits auf E-Bikes in 34 Tagen zurückgelegt, in einem Tempo, das einer der Teilnehmer selbst als "Aotearoa in Zeitlupe" bezeichnete. Jede einzelne Minute hat sich gelohnt.

Die praktischen Herausforderungen sind real: Lademöglichkeiten verteilen sich unregelmäßig entlang der Route, besonders auf der Südinsel. In abgelegenen Abschnitten wie dem West Coast Wilderness Trail oder dem Haast Pass können Tagesetappen von 80 bis 120 km ohne garantierte Ladestation nötig sein. Wer mit E-Unterstützung fährt, muss die Reichweite sorgfältig einplanen: ein großer Akku, konservativer Umgang mit den Unterstützungsstufen und ein zuverlässiges Ladegerät für die Hütten- oder Camping-Steckdose sind Pflicht. Genau hier zeigt sich, wie wichtig es ist, den Akku deines E-Bikes richtig zu laden und seine reale Kapazität zu kennen, bevor du auf eine mehrwöchige Tour ohne verlässliches Ladenetz gehst – bei einem generalüberholten E-Bike von Upway weißt du dank geprüfter Akkukapazität von Anfang an, worauf du dich einlässt.
Der Vorteil: E-Bikes machen auch für körperlich weniger geübte Fahrer:innen Abschnitte machbar, die ohne Motor schlicht zu anspruchsvoll wären. Technische Singletrack-Passagen und lange Pässe werden mit Unterstützung deutlich zugänglicher.
Aotearoa in Zeitlupe – und jede einzelne Minute hat sich gelohnt.— Teilnehmer der Tour Aotearoa, über seine E-Bike-Etappe
Was du für die Tour Aotearoa brauchst
Bevor es losgeht, lohnt ein Blick in unsere Tipps für lange E-Bike-Touren – vieles davon gilt erst recht für einen Fernritt wie diesen.
Das Bike
Ein vollgefedertes E-MTB oder ein robustes Hardtail mit 2,1-Zoll-Reifen oder breiter ist ideal – die Strecke bietet glatten Asphalt, tiefen Schotter, Wurzeln und Sand im schnellen Wechsel. Wenn du überlegst, worauf du beim Kauf eines E-Mountainbikes grundsätzlich achten solltest, lohnt sich das gerade vor einer Tour wie dieser: Federweg, Reifenbreite und die tatsächliche Reichweite entscheiden am Ende, wie viel Spaß du auf 3.000 Kilometern hast.
Die Navigation
GPS ist Pflicht. Die offiziellen GPX-Daten werden vom Routenentwickler Jonathan Kennett regelmäßig aktualisiert – ältere Versionen können durch Streckensperrungen oder neue Trailabschnitte veraltet sein. Der offizielle Routenführer in Buchform ergänzt das GPS ideal, weil er Versorgungspunkte, Unterkünfte und Besonderheiten zeigt, die kein GPS anzeigt.
Die Versorgung
Neuseeland ist dünn besiedelt. Besonders auf der Südinsel können zwischen zwei Supermärkten oder Tankstellen 80 bis 120 km liegen. Der Routenführer listet alle relevanten Versorgungspunkte auf – diese Liste ist Gold wert. Wer sich zusätzlich mit dem passenden Zubehör für eine mehrtägige E-Mountainbike-Tour eindeckt, kommt entspannter über die langen, versorgungsarmen Abschnitte.
Die Unterkunft
Der Aotearoa ist keine reine Zelttour, muss aber auch keine sein. Entlang der Route findest du eine gute Mischung aus Campingplätzen, einfachen Hütten, Hostels und komfortableren Unterkünften. Die Timber Trail Lodge, ein Off-Grid-Unterkunftshaus mitten im Wald, ist eine der Legenden der Route – buche sie früh, sie ist regelmäßig ausgebucht.
Das Mindset
Der Aotearoa testet nicht in erster Linie deine körperliche Fitness. Er testet deine Fähigkeit, mit Ungewissheit umzugehen – mit schlechtem Wetter, unerwartet langen Abschnitten, dem Moment, in dem die Beine schwer werden und der nächste Ort noch 40 km entfernt ist. Wer damit umgehen kann, wer den Moment lebt, beschreibt diese Reise danach als eine der intensivsten Erfahrungen seines Lebens. Das ist kein Klischee – das sagt fast jeder Erfahrungsbericht über den Aotearoa.
Passende E-Mountainbikes für lange Touren
Fazit
Das offizielle Brevet findet jedes Jahr im Februar statt – im neuseeländischen Spätsommer mit den besten Bedingungen für die meisten Abschnitte. Wer außerhalb des Brevets fährt, sollte den Zeitraum November bis März bevorzugen. Im neuseeländischen Winter (Juni bis August) sind viele Pässe der Südinsel schlechter befahrbar, und die Wetterlagen an der Westküste können sehr fordernd werden. Das Brevet schreibt mindestens 10 und maximal 45 Tage vor. Die meisten Fahrer:innen brauchen 15 bis 25 Tage, wer entspannt reisen will, plant 30 bis 40 Tage ein. Geführte Touren dauern in der Regel 41 Tage für die gesamte Strecke, verteilt auf 22 Tage Nordinsel und 20 Tage Südinsel. Es gibt keinen falschen Rhythmus – nur deinen eigenen. Ja, E-Bikes sind offiziell erlaubt und werden zunehmend genutzt. Die größte Herausforderung ist die Ladeinfrastruktur: Besonders auf der Südinsel liegen zwischen Versorgungspunkten teils mehr als 100 km. Ein großer Akku, konservativer Umgang mit den Unterstützungsstufen und sorgfältige Etappenplanung sind Pflicht. Dafür machst du mit E-Unterstützung anspruchsvolle Pässe und lange Tagesetappen leichter – und verbringst mehr Zeit mit der Landschaft statt mit dem Kampf gegen die Steigung. Auf der Nordinsel ist die Versorgung relativ komfortabel, mit regelmäßigen Ortschaften und Supermärkten. Auf der Südinsel werden die Abstände deutlich größer, besonders an der Westküste und rund um den Haast Pass. Der offizielle Routenführer listet alle Versorgungspunkte detailliert auf – wer diese Liste ernst nimmt und entsprechend Proviant einplant, hat kein Problem. Deutsche, österreichische und schweizerische Staatsangehörige benötigen für Aufenthalte bis 90 Tage kein klassisches Visum, müssen aber eine NZeTA (New Zealand Electronic Travel Authority) beantragen. Diese kostet umgerechnet etwa 10 bis 15 Euro und sollte mehrere Wochen vor Reiseantritt online beantragt werden. Zusätzlich fällt die International Visitor Conservation and Tourism Levy von 100 NZD (derzeit rund 55 Euro) an. Ja, absolut. Viele Fahrer:innen wählen nur die Nordinsel oder nur die Südinsel, oder sie fahren einzelne Highlights wie den Timber Trail oder den West Coast Wilderness Trail als eigenständige Touren. Das Brevet erfordert die gesamte Strecke – wer unabhängig fährt, kann sich jeden Abschnitt herauspicken, der zur eigenen Reisezeit und zum eigenen Fitnesslevel passt.Häufig gestellte Fragen zur Tour Aotearoa
Wann ist die beste Zeit für die Tour Aotearoa?
Wie lange dauert es, die Tour Aotearoa zu fahren?
Ist ein E-Bike für die Tour Aotearoa geeignet?
Wie gut ist die Versorgung entlang der Route?
Brauche ich ein Visum für Neuseeland?
Kann ich die Tour Aotearoa auch in Abschnitten fahren?



