Aotearoa, der immer im Februar stattfindet, ist ein Mosaik aus vollkommen unterschiedlichen Landschaften, Untergründen und Erfahrungen - ein Trail gewordener Traum.
Die Nordinsel: Urwald, Vulkane und ein Strand als Straße
Der Start am Cape Reinga ist bereits ein Statement. Der Leuchtturm am nördlichsten Punkt Neuseelands, wo der Pazifische Ozean und die Tasmansee aufeinandertreffen, ist für viele Fahrer einer der emotionalsten Momente der gesamten Route. Hier beginnt alles.
Der erste außergewöhnliche Abschnitt folgt sofort: Der Ninety Mile Beach - trotz des Namens tatsächlich nur etwa 90 km lang - ist buchstäblich eine Fahrbahn aus Sand. Die Anweisung im offiziellen Routenführer lautet lapidar: „Links auf den Ninety Mile Beach." Der Start muss bei Niedrigwasser geplant werden, damit der harte, gezeitengeformte Sand befahrbar ist. Wer zur falschen Zeit ankommt, sinkt ein. Es gibt keine Alternativroute.
Von dort führt der Trail auf der Nordinsel durch den Waipoua Forest, einen der letzten verbliebenen Kauri-Urwälder Neuseelands. Die Kauri-Bäume sind die Giganten des neuseeländischen Waldes - jahrtausendealte, himmelhohe Baumriesen, ganz wie im 'Herr der Ringe’. Wer hier angehalten hat, erzählt davon noch Jahre später.
Weiter südlich wartet der Timber Trail, einer der absoluten Höhepunkte der Nordinsel. Diese Strecke führt durch einen uralten Podocarpus-Wald, der in den 1970er-Jahren buchstäblich in letzter Minute vor dem Abholzen gerettet wurde. Das Ergebnis ist ein grüner Tempel aus aufragenden Koniferen, ornamentalen Farnen und einer Infrastruktur, die aufwendiger ist als sie aussieht: Dutzende Hängebrücken überspannen die tiefen Schluchten des Waldes, die längste davon misst 141 Meter. Das alles liegt 36 Kilometer vom nächsten Ort entfernt, vier Autostunden von Auckland. Hier radelst du durch ein Stück Erdgeschichte.
Dann kommt der Abschnitt, der für viele der fantastischste der Nordinsel ist: der Whanganui River. Um ans andere Ende zu kommen, steigt man in ein Jetboot. Das ist keine Option, sondern die einzige Möglichkeit. Das Boot schießt über das Wasser, 40 Minuten durch eine der wildesten Flusslandschaften Ozeaniens - und am anderen Ende wartet der Weg weiter nach Süden, vorbei an Wellington und zur Fähre über die Cookstraße.
Die Überfahrt: Fähre zwischen zwei Welten
Die Fähre von Wellington nach Picton ist mehr als eine logistische Notwendigkeit. Sie ist ein Übergangsritual. Drei bis vier Stunden auf dem Wasser, die Cookstraße, Fjorde, die sich auftun. Wer auf der Reling steht und die Berge der Südinsel langsam größer werden sieht, versteht… Die Luft ist kühler. Die Landschaft ist größer. Man ist in einer anderen Welt.