Paris-Brest-Paris: Die legendäre 1.200-km-Radfahrt – Das Abenteuer deines Lebens
Es ist 3 Uhr morgens am Schloss Rambouillet. Um dich herum warten 8.000 andere Fahrer:innen, alle nervös, alle wollen dasselbe: ankommen. Das ist Paris-Brest-Paris – 1.200 Kilometer von Paris zum Atlantik und zurück, alle vier Jahre, mit 90 Stunden Zeit. 2027 könntest du einer von ihnen sein.
Die legendärste Langstrecken-Radfahrt der Welt: 1.200 Kilometer von Paris zum Atlantik und zurück, 10.000 bis 12.000 Höhenmeter, 90 Stunden Maximalzeit, alle vier Jahre. Nur qualifizierte Starter:innen auf Bio Bikes dürfen mitfahren – motorisierte Räder sind ausgeschlossen.
In diesem Artikel findest du alles zu Paris-Brest-Paris 2027: die Geschichte seit 1891, die Strecke mit allen 18 Kontrollpunkten, die Qualifikation über vier Brevets, was dich bei der Vorbereitung erwartet und wie ein typischer PBP-Tag tatsächlich abläuft. Denn eines wird schnell klar: Paris-Brest-Paris ist nicht nur eine Radfahrt. Es ist eine Pilgerfahrt.
Die Geschichte: Von 1891 bis heute
1891 schreibt die französische Sportzeitung Le Petit Journal einen Wettbewerb aus: Wer schafft es, von Paris nach Brest und zurück zu fahren? 200 Starter machen sich auf den Weg – auf Stahlrahmen-Rädern, auf unbefestigten Wegen, ohne Schaltung. Die erste Finisherin, Paulette Vassard, kommt 1931 ins Ziel.
Von 1891 bis 1951 ist PBP ein echtes Rennen – Profis gegen Amateure, Geschwindigkeit zählt. Legendäre Namen wie René Pottier (1910) und Jean Robic (1945) gehen in die Geschichte ein. Doch 1951 endet die Renn-Ära: zu gefährlich, zu viele Unfälle. Der Audax Club Parisien (ACP), der Veranstalter, entscheidet: Aus dem Rennen wird ein Brevet – eine Ultra-Dauerfahrt mit Zeitlimit, bei der nicht das Gewinnen zählt, sondern das Ankommen. Parallel zum Rennen bestand diese Brevet-Tradition schon seit 1931 und lebt bis heute weiter.
Die Entwicklung im Überblick:
- 1891–1951: Rennen (Profis und Amateure, Geschwindigkeit zählt)
- 1931 bis heute: Brevet (alle Niveaus, Ankommen zählt)
- 2020–2021: pandemiebedingt ausgefallen
- 2023: Rekord mit 8.000 Teilnehmer:innen
- 2027: 21. Auflage, 22.–26. August
Die Zahlen: Das Ausmaß von PBP
1.200 Kilometer, nicht linear – rauf und runter, über kleine Flüsse, durch Wälder, vorbei an idyllischen französischen Dörfern. 10.000 bis 12.000 Höhenmeter, ohne einen einzigen Alpenpass (höchster Punkt: knapp 400 Meter) – dafür kleine Hügel, ständig wieder, deren Summe viele unterschätzen.
18 Kontrollpunkte, die alle passiert werden müssen:
1. Rambouillet (km 0) – Start, Schloss
2. Mortagne-au-Perche (km 119)
3. Villaines-la-Juhel (km 203)
4. Fougères (km 292)
5. Tinténiac (km 353)
6. Pontivy (km 378)
7. Pleyben (km 435)
8. Brest (km 590) – Wendepunkt, Atlantik
9. Callac
10. Tinténiac
11. Roz-sur-Couesnon
12. Pleine-Fougères
13. Villaines-la-Juhel
14. Mortagne-au-Perche
15. Chartres
16. Rambouillet (km 1.219) – Finish
Die Maximalzeit hängt von der Startgruppe ab: Solo-Starter:innen der ersten Sonntagsgruppe (16:00–16:45 Uhr) haben 80 Stunden, alle späteren Sonntagsgruppen sowie die Montagsgruppen 84 bis 90 Stunden.
8.000 Teilnehmer:innen ist das aktuelle Limit – zum Vergleich: 1891 waren es 200, 1950 rund 3.000. Seit 2007 gilt die 8.000er-Grenze, aus Infrastruktur- und Sicherheitsgründen.
Die Qualifikation: Vier Brevets in einem Jahr
Du kannst nicht einfach "hingehen und fahren" – PBP braucht Vorbereitung, nicht nur körperlich, sondern auch administrativ.
Schritt 1: Die vier Qualifikations-Brevets
Du musst in der Saison des PBP-Jahres (November 2026 bis Juni 2027) vier Brevets fahren und homologieren lassen:
| Brevet-Distanz | Maximalzeit |
|---|---|
| 200 km | 13,5 Stunden |
| 300 km | 20 Stunden |
| 400 km | 27 Stunden |
| 600 km | 40 Stunden |
Die Brevets können überall auf der Welt stattfinden, solange sie nach ACP-Reglement homologiert sind. In Deutschland organisieren Clubs wie Audax Randonneurs Deutschland regelmäßig Brevets: Du meldest dich an, fährst die Strecke mit Kontrollpunkten, und wenn du das Zeitlimit schaffst, bekommst du eine Homologationsnummer als Nachweis.
Längere Brevets können kürzere ersetzen (z. B. ein 300er statt eines 200ers) – nur das 600-km-Brevet musst du in jedem Fall fahren, das lässt sich nicht ersetzen. Nicht alle Brevets müssen im Renntempo gefahren werden: Viele fahren sie in Gruppen mit Freund:innen oder sogar allein als selbstgesteuertes Brevet, solange die Check-in-Stempel an den Kontrollpunkten stimmen.
Schritt 2: Die Voranmeldung (Anfang 2027)
Je länger dein bereits gefahrenes Brevet in der Saison, desto früher darfst du dich voranmelden:
| Gefahrenes Brevet | Voranmeldung ab |
|---|---|
| 1.000 km | 16. Januar 2027 |
| 600 km | 30. Januar 2027 |
| 400 km | 13. Februar 2027 |
| 200 km | 27. Februar 2027 |
| Ohne Brevet | 27. März 2027 |
Das ist der Grund, warum manche zusätzlich ein 1.000-km-Brevet fahren, obwohl es für die eigentliche Qualifikation nicht nötig ist: Es sichert die früheste Voranmeldung.
Schritt 3: Die endgültige Registrierung (Mai–Juli 2027)
Zeitraum: 29. Mai bis 4. Juli 2027, über die offizielle Website paris-brest-paris.org. Voraussetzung: alle vier Brevets homologiert.
Die Strecke: Von Paris nach Brest und zurück
Der Hinweg (km 0–604): Die Reise nach Westen
Start am Schloss Rambouillet, südlich von Paris, einer ehemaligen königlichen Jagdresidenz. Die ersten Kilometer sind noch relativ flach – du wärmst dich auf, das Adrenalin ist hoch.
Von Rambouillet bis Fougères (km 0–292) geht es durch sanfte Hügel und die Region Perche – Weiden, kleine Flüsse, malerische Dörfer. Der Rhythmus setzt ein: fahren, Kontrollpunkt, Kaffee trinken, weiterfahren. Von Fougères bis Brest (km 292–604) erreichst du die Bretagne: Das Gelände wird grüner, feuchter, die Dörfer bretonischer – Crêpes statt Croissants. In Brest angekommen, hast du genau die Hälfte geschafft, nach rund 30 Stunden (je nach Tempo). Du stehst am Atlantik, erschöpft, aber euphorisch.
Der Rückweg (km 604–1.219): Die Reise nach Osten
Jetzt wird es schwer. Die nächsten 600 Kilometer sind mental fordernder als der Hinweg – aber du kennst die Strecke bereits, das gibt Sicherheit. Brest bis Rambouillet folgt derselben Route wie hin, nur umgekehrt. Nach rund 90 Stunden erreichst du wieder das Schloss, an dem du gestartet bist. Geschafft.
Die Atmosphäre: Das Besondere an PBP
Die Strecke ist hart, die Zeit knapp. Trotzdem kommen Fahrer:innen immer wieder zurück – wegen der Atmosphäre.
Die Dörfer unterstützen dich. In vielen Orten stehen Anwohner:innen die ganze Nacht auf der Straße, bauen Tische auf, bieten Wasser, Kaffee und Kekse an – in der Bretagne Crêpes oder Galettes. Kalorien-Nachschub ohne Umweg ins Bistro.
Cheerleader überall. "Bravo!", "Allez, allez!", "C'est fantastique!" – nach 40 Stunden am Ende der Kräfte ist das erstaunlich motivierend.
Die Kontrollpunkte sind wie Oasen. Alle 50 bis 70 km: Kaffee, Tee, Wasser, Essen (Croissants, Sandwiches, teils warme Mahlzeiten), Toiletten, Ruheplätze, freundliches Personal. Manche sind legendär – das Café in Carhaix mit den kostenlosen Steaks, die Bäckerei in Quédillac, wo seit 30 Jahren dieselbe Frau die PBP-Fahrer:innen verpflegt.
Die Camaraderie. 90 Stunden mit 8.000 anderen unterwegs, an Kontrollpunkten treffen, in Gruppen fahren, sich bei Pannen und Missgeschicken gegenseitig helfen. Eine Fahrrad-Familie auf Zeit.
Die Vorbereitung: Was du vor dem PBP tun musst
Körperliche Vorbereitung (Oktober 2025 – Juni 2027):
- Oktober–November 2025: Basisfitness aufbauen, 2–3× pro Woche fahren, 30–60 km pro Fahrt.
- Dezember 2025–Juni 2026: Brevets fahren – jedes ist zugleich Training (200er zuerst, dann 300er, 400er, 600er).
- Juli–September 2026: Erhaltungstraining, 1–2× pro Woche, 50–100 km pro Fahrt.
- Oktober 2026–Juni 2027: gezielte Vorbereitung – Wochenendtouren von 150–200 km, Übernachtungsfahrten üben, Night-Riding trainieren (PBP hat zwei Nächte), Ernährungsstrategie für 90 Stunden testen.
Wer den Formaufbau lieber in einem Block macht, fährt eine mehrtägige Rennradwoche als Belastungstest vor dem 600er-Brevet. Eine Übersicht organisierter Rennradreisen, darunter Alpen- und Pyrenäenwochen mit mehreren langen Tagen hintereinander, findest du bei cerciclo.
Mentale Vorbereitung: Lies Erfahrungsberichte anderer PBP-Fahrer:innen, visualisiere die Strecke, akzeptiere, dass du ab Stunde 50 müde sein wirst, und finde dein eigenes Mantra für die Hügel. Auch Rückenschmerzen beim Radfahren über eine so lange Distanz sind normal – wer die Ursachen vorher kennt, kann sie oft schon in der Vorbereitung entschärfen.
Ausrüstung: dein Fahrrad – im Idealfall mit optimiertem Gewicht und dem für dich richtigen Sattel, denn 90 Stunden im Sattel verzeihen keine schlechte Passform. Dazu: Schlafsack/Isomatte (Hotels sind nicht erlaubt, nur Kontrollpunkte), Regenjacke und -hose, zwei bis drei Sets Trikot/Shorts, ein Helm (nicht Pflicht, aber nach 50 Stunden dringend empfohlen), Front- und Rücklicht mit Ersatzakkus, Flickzeug und Werkzeug, Energie-Riegel, Gels und Salz-Pastillen als Backup zu den Kontrollpunkten – und eine Fahrrad-App zum Tracken der Route, falls das GPS-Gerät ausfällt.
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Die Erfahrung: Typischer PBP-Tag (Fahrtbericht)
16:00 Uhr, Schloss Rambouillet: Du fährst los.
Stunden 1–7: Noch leicht – frischer Körper, hohe Motivation, schöne Landschaft. Erster Kontrollpunkt (km 119) nach etwa 6–7 Stunden, kurze Pause, weiter.
Stunden 7–15: Nachmittag und früher Abend, du bist wach, mehrere Kontrollpunkte folgen.
Stunden 15–22: Die erste Nacht wird mental schwierig. Dunkel, müde, aber du fährst weiter – mit Front- und Rücklicht. Manche Dörfer wachen trotz der Uhrzeit auf und feuern dich an; die leeren Straßen, nur du und dein Rad, wirken teils fast magisch.
Stunden 22–30: Rund 24 Stunden gefahren, mega müde, aber der Sonnenaufgang bringt neue Energie. Am Kontrollpunkt Fougères (km 292) ist eine richtige Schlafpause von ein bis zwei Stunden erlaubt und üblich.
Stunden 30–38: Nach dem Schlaf geht es wacher weiter – die Bretagne wird grüner, bretonischer, Brest kommt näher.
Stunden 38–48: Die zweite Nacht ist die härteste, aber du weißt: Brest und die Wende nach Hause sind nah.
Stunde ~48: Brest, der Atlantik, die Hälfte geschafft. Viele schlafen hier drei bis vier Stunden und tanken wirklich auf.
Stunden 48–90: Der Rückweg – dieselbe Strecke, aber bekannt, das gibt Sicherheit. Müde, aber jeder Kilometer bringt dich näher nach Hause. Nach rund 90 Stunden: Rambouillet, Finish. 1.200 Kilometer und über 10.000 Höhenmeter in knapp vier Tagen. Du bist Paris-Brest-Paris-Finisher.
Was kostet die Teilnahme an Paris-Brest-Paris?
| Posten | Ungefähre Kosten |
|---|---|
| Registrierung | 50–100 € |
| Anreise (Zug nach Paris) | 200–500 € |
| Unterkunft (1–2 Nächte) | 200–500 € |
| Essen unterwegs | 100–200 € |
| Qualifikations-Brevets (200/300/400/600 km) | 100–200 € gesamt |
| Gesamt (ohne Fahrrad) | ca. 800–1.500 € |
Fazit
"Das ist nur für Profis." Falsch – 99 % der Starter:innen sind Hobbysportler:innen wie du. "90 Stunden ohne Schlaf? Unmöglich." Auch falsch: Du schläfst 2 bis 4 Stunden verteilt über die Zeit, nicht acht am Stück.
So gehst du es an:
1. Entscheide dich: Willst du 2027 dabei sein?
2. Melde dich bei deinem lokalen Audax Club an (in Deutschland: Audax Randonneurs Deutschland, ARA).
3. Fahre die vier Qualifikations-Brevets bis Juni 2027.
4. Voranmeldung: Januar bis März 2027, je nach längstem gefahrenem Brevet.
5. Endregistrierung: 29. Mai bis 4. Juli 2027.
6. Fahre: 22.–26. August 2027.
Nein. 99 % der Starter:innen sind Hobbysportler:innen – Ärzte, Lehrer:innen, Handwerker:innen, Rentnerinnen und Rentner. Entscheidend ist nur, dass du die vier Brevets fährst und das jeweilige Zeitlimit schaffst. Talent ist zweitrangig. Rechne mit rund 800 bis 1.500 € ohne Fahrrad – die genaue Aufschlüsselung nach Registrierung, Anreise, Unterkunft, Verpflegung und Brevet-Gebühren findest du in der Kostentabelle oben. Ja. Viele starten in Gruppen von zwei bis fünf Personen, fahren im gleichen Tempo, schlafen zusammen und feuern sich gegenseitig an – das macht PBP für viele sogar noch schöner. Nein – motorisierte Fahrräder sind laut Reglement von der Veranstaltung ausgeschlossen. PBP ist ausschließlich mit reiner Muskelkraft zu fahren. Mental: Nach 40 bis 50 Stunden wollen viele aufgeben. Körperlich: Die über 10.000 Höhenmeter werden regelmäßig unterschätzt. Administrativ: Ein ganzes Jahr Qualifikations-Brevets erfordert viel Zeit und Planung. Nein. PBP ist ein selbstständiges Brevet ohne Autobegleitung – Artikel 17 des Reglements schließt das ausdrücklich aus. 22.–26. August 2027, offiziell bestätigt auf paris-brest-paris.org. Danach folgt die nächste Auflage erst wieder 2031.Häufig gestellte Fragen zu Paris-Brest-Paris
Muss ich Profi sein, um bei PBP mitzufahren?
Was kostet die Teilnahme insgesamt?
Kann ich mit Freund:innen zusammen fahren?
Kann ich mit einem E-Bike teilnehmen?
Was ist das Schwierigste an PBP?
Darf mich eine Begleitperson mit dem Auto unterstützen?
Wann ist die nächste Paris-Brest-Paris?



