Gravallo 2026 - Gravel-Abenteuer durch das Mühlviertel bis nach Tschechien

Upway Editorial Team, Spezialisten für refurbished E-Bikes

Aktualisiert am 02.Juni 2026  |  10 Min. Lesezeit

Es gibt Radveranstaltungen, die sich wie ein Wettkampf anfühlen. Und es gibt Veranstaltungen, die sich wie ein Tag mit Freunden anfühlen - wie das ‘Gravallo’, wo man 70, 110 oder 300 Kilometer durch eine der schönsten Landschaften Österreichs fährt. 

Am Samstag, dem 13. Juni 2026, lädt NORD GRAVEL zum mittlerweile etablierten Gravel-Event im Mühlviertel ein. Kein Rennen, keine Zeitnehmung, kein Sieger - dafür Schotter, Wald, Feldwege, ein historischer Kanal aus dem 18. Jahrhundert, die böhmischen Hochlande jenseits der Grenze und ein After-Ride-Festival an der Tabakfabrik Linz. Wer noch auf der Suche nach einem Frühsommer-Abenteuer auf zwei Rädern ist: Das hier ist es.

Was ist das Gravallo?

Der Name ist einfach und treffend: Gravallo steht für Gravel im Mühlviertel. Veranstaltet wird das Event vom EC1 Gravel Linz RC, einem der aktivsten Gravel-Vereine Österreichs, der seit einigen Jahren unter dem Namen NORD GRAVEL auftritt. Die Idee dahinter ist genauso unkompliziert wie der Name: Eine Gruppe von Gravel-Enthusiasten aus Linz wollte die außergewöhnliche Landschaft des Mühlviertels mit anderen teilen - ohne Rennstress, ohne Zeitdruck, sondern mit echtem Abenteuergefühl.

Was als lokales Community-Ride begann, hat sich zu einem der stimmungsvollsten Gravel-Events in der DACH-Region entwickelt. Die Startplätze sind begehrt, die Atmosphäre herzlich und die Strecken - das ist der entscheidende Punkt - wirklich außergewöhnlich gut.

Das Gravallo findet jedes Jahr im Juni statt, wenn das Mühlviertel grün ist, die Tage lang sind und der Schotter nach einem trockenen Frühjahr in bestem Zustand ist. Kein Zufall.

Die Region: Mühlviertel und Böhmische Hochlande

Wer das Mühlviertel nicht kennt, kennt eine der am meisten unterschätzten Radregionen Österreichs nicht. Das Granithochland nördlich der Donau und der Landeshauptstadt Linz ist hügelig, waldig, dünn besiedelt und von einer stillen Schönheit, die sich erst erschließt, wenn man langsam durch sie hindurch fährt - am besten auf einem Gravelbike.

Die Landschaft ist geprägt von sanften Hügeln und tiefen Wäldern, von Feldwegen zwischen Getreidefeldern, alten Bauernhöfen, kleinen Ortschaften und dem breiten Flussbett der Großen Mühl. Im Norden, hinter der tschechischen Grenze, öffnet sich das Terrain zu den Bohemian Highlands - auf Tschechisch Šumava - einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete Mitteleuropas.

Diese Grenzregion war jahrzehntelang hinter dem Eisernen Vorhang verborgen. Seit dem Fall des Vorhangs 1990 ist sie zugänglich - und weitgehend unberührt. Wer hier fährt, fährt durch eine Landschaft, die Europa in seiner ruhigsten, unspektakulärsten und genau deshalb beeindruckendsten Form zeigt.

Die Strecken 2026: Von 70 bis 300 Kilometern

Das Gravallo 2026 bietet drei Streckenvarianten - für jeden Anspruch und jede verfügbare Zeit. Alle Strecken starten und finishen auf dem Gelände der Tabakfabrik Linz.

CORE - ca. 70 km

Der Einstieg ins Gravallo. Die kürzeste Strecke führt durch das hügelige Mühlviertel entlang der ehemaligen Pferdeeisenbahntrasse Linz–Budweis. Ein Mix aus Asphalt, Schotter und Waldwegen, gut ausgeschildert, mit Checkpoints unterwegs. Für 2026 wurde die Einstiegshürde beim CORE bewusst gesenkt - ideal für alle, die noch nicht so viele Kilometer in den Beinen haben oder einfach kürzer fahren wollen. Start: 10:30 Uhr.

GRAND - ca. 110 km

Die klassische Gravallo-Distanz. Hier wird's international: Ab Rainbach im Mühlkreis überquert man die Grenze nach Tschechien und fährt entlang der Moldau zum Checkpoint in Krumau - einer der schönsten mittelalterlichen Altstädte Böhmens, UNESCO-Welterbe, mit Flussblick und Altstadtflair. Der erste Checkpoint liegt bei Gran Tourismo Bike in Gallneukirchen, der zweite in Krumau nach rund 100 Kilometern. Die letzten Kilometer laufen entspannt auf dem Donauradweg (EuroVelo 6) zurück nach Linz. Start: 08:30 Uhr.

SUPERCORE - 300 km, Mehrtages-Abenteuer

Das Herzstück für alle, die mehr wollen. Der SUPERCORE ist 2026 nochmals deutlich ausgebaut worden und führt erstmals über die komplette Länge des Schwarzenbergischen Schwemmkanals bis nach Krumau in Böhmen. Eine Mehrtagestour ohne gemeinsamen Start - jeder fährt in eigenem Tempo, plant eigene Etappen, schläft wo es passt. Dafür gibt's eine der beeindruckendsten Kulissen, die das Gravel-Abenteuer in Mitteleuropa zu bieten hat: 52 Kilometer historischer Kanal durch dichten Böhmerwald, der Iron Curtain Trail entlang der ehemaligen Grenze, die tschechischen Hochlande und schließlich Krumau. Wer einmal dabei war, kommt wieder.

Das Herzstück der Strecke: Der Schwarzenbergische Schwemmkanal

Wer beim Gravallo die längeren Strecken fährt, begegnet einem der erstaunlichsten Bauwerke Mitteleuropas: dem Schwarzenbergischen Schwemmkanal. Und er verdient ein paar Zeilen mehr als eine Fußnote.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1775. Wien war damals eine rasant wachsende Metropole - und hatte ein ernstes Problem: Brennholz war knapp. Die Wälder des Böhmerwaldes waren zwar voll davon, aber weit entfernt. Der Forstingenieur Josef Rosenauer schlug dem Fürsten Schwarzenberg eine kühne Lösung vor: einen Kanal, der Holz aus dem Böhmerwald auf dem Wasserweg nach Wien befördern sollte.

Das klingt einfacher als es war. Denn zwischen Böhmerwald und Donau liegt die europäische Kontinentalwasserscheide - jener unsichtbare Grat, der die Gewässer trennt, die in die Nordsee fließen, von jenen, die ins Schwarze Meer fließen. Auf 790 Metern Höhe. Rosenauer überwand diese Wasserscheide mit einem Hangkanal von minimaler Steigung, der das Wasser von 27 Bächen und dem Plöckensteiner See sammelte und das Holz auf über 50 Kilometern durch dichten Wald trieb.

Im 19. Jahrhundert wurde der Kanal als das „achte Weltwunder" gefeiert. Heute ist er ein Kulturdenkmal, das erst seit 1990 - nach dem Fall des Eisernen Vorhangs - in seiner ganzen Länge zugänglich ist. Wer ihn vom Sattel aus sieht: das ruhige Wasser, die alten Steinmauern, den stillen Wald zu beiden Seiten, versteht die mystische Aura, die der Kanal im Böhmerwald verströmt.

Beim Gravallo SUPERCORE fährt man entlang seiner gesamten Länge. 

Die Pferdeeisenbahn Linz–Budweis: Geschichte unter den Rädern

Ein weiteres historisches Highlight, das die Gravallo-Strecken durchzieht, ist die ehemalige Pferdeeisenbahntrasse Linz–Budweis. Was heute ein gemütlicher Schotterweg durch das Mühlviertel ist, war einst eine technische Sensation: die erste Pferdeeisenbahn des europäischen Kontinents, eröffnet 1827.

Auf dieser Strecke zogen Pferde Waggons von Linz nach České Budějovice - auf Holzschienen, später auf Eisenschienen, durch hügeliges Terrain, in einer Zeit, als Dampflokomotiven noch Zukunftsmusik waren. Die Trasse existiert heute nicht mehr als Bahn, aber ihr Verlauf ist im Gelände noch deutlich erkennbar - und bildet eine der schönsten Streckenführungen für Gravelbikes, die man sich vorstellen kann: sanft geneigt, durch Wälder und Felder, mit gelegentlichen Ausblicken über das Mühlviertel.

Start und Ziel: Die Tabakfabrik Linz

Alle Routen starten und finishen an einem besonderen Ort: der Tabakfabrik Linz. Das ehemalige Industriegebäude am Donauufer, erbaut in den 1930er-Jahren, ist heute eines der kreativsten Kulturzentren Österreichs - Büros, Ateliers, Gastronomie, Veranstaltungsflächen in einem Gebäude, das allein einen Besuch wert ist.

Von hier führt die Route über die neue Eisenbahnbrücke, über die Donau Richtung St. Magdalena - und dann raus aus der Stadt, rein ins Gravel-Vergnügen. Wer nach Stunden auf dem Schotter zurückkommt, findet hier das After-Ride-Festival: Gravel-Grill, vegane Küche, Recovery-Drinks, Tombola, Bikegroovy-Waschanlage für das Rad und genug Sitz- und Liegeplätze, um den Tag Revue passieren zu lassen. Mit cooler Gesellschaft, wie es beim Gravallo immer ist.

Für wen ist das Gravallo gemacht?

Das Gravallo ist ein Community-Event, kein Wettkampf. Das merkt man an der Atmosphäre, an der Kommunikation der Veranstalter und an der Zusammensetzung des Feldes. Wer hier startet, kommt nicht, um zu gewinnen. Wer hier startet, kommt, weil er oder sie die Landschaft liebt, die Gemeinschaft schätzt und auf dem Rad lebt.

Gravel-Einsteiger: Die CORE-Strecke mit 70 km ist bewusst zugänglich gestaltet. Wer fit ist und schon ein paar Ausfahrten auf unbefestigten Wegen hinter sich hat, wird die Strecke ohne Probleme bewältigen. Ein Gravelbike wird empfohlen, ein MTB funktioniert ebenfalls. Auf einem Semi-Slick reicht es bei trockenen Bedingungen vollkommen aus - kaum Schiebe- oder Tragepassagen.

Erfahrene Gravel-Fahrer: Die 110-km-Route mit Grenzübergang und Krumau-Checkpoint ist die klassische Gravallo-Erfahrung. Hier stimmt die Balance aus Distanz, Abwechslung und landschaftlichem Erlebnis. Die Überquerung nach Tschechien, der Blick auf Krumau und die letzten Kilometer auf dem EuroVelo 6 entlang der Donau zurück nach Linz - das ist ein Tag, den man nicht vergisst.

Bikepacking-Enthusiasten: Der SUPERCORE mit 300 km ist das Herzstück für alle, die ein echtes Mehrtages-Abenteuer suchen. Kein gemeinsamer Start, keine Zeitvorgabe - nur die Strecke, der Schwemmkanal, die böhmischen Wälder und das eigene Tempo. Wer den Schwemmkanal kennenlernen will, wie er wirklich ist - still, historisch, unberührt - der kommt am SUPERCORE nicht vorbei.

E-Biker: E-Bikes sind beim Gravallo willkommen. Das hügelige Mühlviertel ist auf einem E-Gravel oder E-MTB ein anderes Erlebnis als auf dem Muskelrad - aber ein gutes. Besonders für alle, die die Landschaft genießen wollen, ohne jeden Anstieg als Kampf zu empfinden, ist das E-Bike hier genau richtig. Die Reichweite ist auf allen Strecken mit einer Akkuladung gut planbar, vorausgesetzt man fährt nicht permanent im Turbomodus.

Praktische Infos 2026

Datum: Samstag, 13. Juni 2026 Start und Ziel: Tabakfabrik Linz, Eingang U2, Linz, Österreich Startzeiten: GRAND (110 km): 08:30 Uhr – CORE (70 km): 10:30 Uhr – SUPERCORE (300 km): individueller Start

Bike-Empfehlung: Gravelbike (empfohlen), MTB möglich. Bei trockenen Bedingungen reicht ein Semi-Slick. Keine Schiebe- oder Tragepassagen auf der Strecke.

Anmeldung: Über die offizielle Website gravallo.bike - die Anmeldung für 2026 ist bereits geöffnet, die Startplätze sind begrenzt. Wer auf der Warteliste steht: Es lohnt sich, dranzubleiben.

Anreise nach Linz: Linz ist per Bahn aus Wien (ca. 1,5 Stunden), Salzburg (ca. 1,5 Stunden) und München (ca. 2,5 Stunden) gut erreichbar. Die Tabakfabrik liegt direkt an der Straßenbahnlinie 2 und ist gut mit öffentlichen Mitteln erreichbar.

Tombola: Beim Gravallo gibt es traditionell eine Tombola mit attraktiven Hauptpreisen - in der Vergangenheit unter anderem ein handgefertigtes Gravel-Titanrahmen-Set im Wert von 4.000 Euro. Der Stempel für die Tombola wird im Zielbereich an der Tabakfabrik abgeholt.

Fazit

Das Gravallo ist kein großes Event mit Startnummern, Zeitnehmung und Siegerehrung. Es ist etwas anderes und in mancher Hinsicht Wertvolleres: eine Einladung, eine außergewöhnliche Landschaft auf dem Rad zu entdecken – gemeinsam mit Menschen, die dasselbe lieben.

Das Mühlviertel ist eine der schönsten und am meisten unterschätzten Gravel-Regionen in Österreich. Der Schwarzenbergische Schwemmkanal ist eines der beeindruckendsten Ingenieurbauwerke Mitteleuropas. Krumau ist eine der schönsten Altstädte Böhmens. Und die Tabakfabrik Linz ist der perfekte Rahmen für ein Event, das genauso urban-kulturell beginnt, wie es naturverbunden weitergeht.

Wer am 13. Juni noch keinen Plan hat: Das hier ist ein guter Plan

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Häufig gestellte Fragen

Kann ich mit einem E-Bike teilnehmen?

Ja, E-Bikes sind beim Gravallo ausdrücklich willkommen. Das Mühlviertel ist hügelig genug, um die Unterstützung zu schätzen – und flach genug, um auf der CORE- oder GRAND-Strecke mit einer Akkuladung auszukommen. Wer den SUPERCORE mit 300 km fährt, sollte die Reichweite sorgfältig planen und Lademöglichkeiten entlang der Strecke im Vorfeld recherchieren.

Welches Bike ist am besten geeignet?

Ein Gravelbike mit Reifen ab 35 mm Breite ist ideal. Ein MTB funktioniert auf allen Strecken, macht aber laut den Veranstaltern weniger Spaß – was man nachvollziehen kann. Bei trockenen Bedingungen reicht ein Semi-Slick vollkommen aus: Es gibt kaum Schiebe- oder Tragepassagen. Bei feuchten Bedingungen sind etwas breitere Reifen mit Profil zu empfehlen.

Wie hoch ist die Startgebühr?

Die genauen Startgebühren für 2026 sind auf der offiziellen Website gravallo.bike einsehbar. Das Gravallo ist traditionell ein Community-Event mit fairen Preisen – weit entfernt von den Startgebühren kommerzieller Sportveranstaltungen.

Gibt es Versorgungspunkte auf der Strecke?

Ja, auf allen Strecken gibt es Checkpoints, an denen man kurz verschnaufen, Wasser auffüllen und sich orientieren kann. Das Gravallo ist aber ein „Unsupported Ride" – das bedeutet, man ist grundsätzlich selbstverantwortlich für seine Versorgung unterwegs. Riegel, Geld für ein Café und ein volles Trinkbehältnis bei Start sind Pflicht.

Muss ich Tschechisch können, wenn ich nach Krumau fahre?

Kein bisschen. Krumau – tschechisch Český Krumlov – ist eine internationale Touristenstadt. Englisch und Deutsch werden dort verstanden. Der Grenzübergang bei Rainbach im Mühlkreis ist unkompliziert. Personalausweis oder Reisepass mitnehmen.

Was passiert, wenn ich die Strecke nicht schaffe?

Beim Gravallo gibt es keine Zeitnahme und kein Zeitlimit. Wer unterwegs merkt, dass die Distanz zu viel wird, kann auf der Strecke abkürzen oder einen Checkpoint als Endpunkt wählen. Die Veranstalter kommunizieren die Strecken transparent über GPS-Dateien – wer sich die Route vorher anschaut, weiß, wo mögliche Ausstiegspunkte liegen.

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