Gravallo – Das Gravel-Abenteuer durch das Mühlviertel bis nach Tschechien
Das Gravallo 2026 ist gefahren – aber das Mühlviertel, der jahrhundertealte Schwemmkanal und die Strecke bis nach Böhmen bleiben. Hier findest du alles zum Event: die drei Routen, die Geschichte hinter der Landschaft und wann du dir die nächste Auflage vormerken solltest.
Was ist das Gravallo?
Es gibt Radveranstaltungen, die sich wie ein Wettkampf anfühlen. Und es gibt welche, die sich wie ein Tag mit Freunden anfühlen – wie das Gravallo, bei dem man 70, 107 oder 300 Kilometer durch eine der schönsten und am meisten unterschätzten Landschaften Österreichs fährt.
Veranstalter ist NORD GRAVEL, eine der aktivsten Gravel-Communitys Österreichs mit Sitz in Linz. Die Idee dahinter ist so unkompliziert wie der Name – Gravallo steht für Gravel im Mühlviertel: eine Gruppe von Gravel-Enthusiast:innen wollte die außergewöhnliche Landschaft mit anderen teilen, ohne Rennstress, ohne Zeitdruck, dafür mit echtem Abenteuergefühl.
Was als lokaler Community-Ride begann, hat sich zu einem der stimmungsvollsten Gravel-Events in der DACH-Region entwickelt. Die Startplätze sind begehrt, die Atmosphäre herzlich – und die Strecken, das ist der entscheidende Punkt, wirklich außergewöhnlich gut.
Das Gravallo findet seit einigen Jahren im Juni statt, wenn das Mühlviertel grün ist, die Tage lang sind und der Schotter nach einem trockenen Frühjahr in bestem Zustand ist. Kein Zufall.
Die Region: Mühlviertel und Böhmische Hochlande
Wer das Mühlviertel nicht kennt, kennt eine der am meisten unterschätzten Radregionen Österreichs nicht. Das Granithochland nördlich der Donau und der Landeshauptstadt Linz ist hügelig, waldig, dünn besiedelt und von einer stillen Schönheit, die sich erst erschließt, wenn man langsam durch sie hindurchfährt – am besten auf einem Gravelbike.
Die Landschaft ist geprägt von sanften Hügeln und tiefen Wäldern, von Feldwegen zwischen Getreidefeldern, alten Bauernhöfen, kleinen Ortschaften und dem breiten Flussbett der Großen Mühl. Im Norden, hinter der tschechischen Grenze, öffnet sich das Terrain zu den Bohemian Highlands – auf Tschechisch Šumava –, einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete Mitteleuropas.
Diese Grenzregion war jahrzehntelang hinter dem Eisernen Vorhang verborgen. Seit dessen Fall 1990 ist sie zugänglich – und weitgehend unberührt. Wer hier fährt, fährt durch eine Landschaft, die Europa in seiner ruhigsten, unspektakulärsten und genau deshalb beeindruckendsten Form zeigt.
Gravallo 2026 im Rückblick – und die drei Strecken
Das Gravallo 2026 bot drei Streckenvarianten – für jeden Anspruch und jede verfügbare Zeit. Alle Strecken starteten und endeten auf dem Gelände der Tabakfabrik Linz.
| Strecke | Distanz | Höhenmeter | Start |
|---|---|---|---|
| CORE | 70 km | 1.270 Hm | Samstag, 10:30 Uhr |
| FONDO | 107 km | 1.880 Hm | Samstag, 08:30 Uhr |
| SUPERCORE | 300 km | 4.560 Hm | Donnerstag ab 09:00 Uhr (Mehrtagestour, individueller Start) |
CORE – 70 km. Der Einstieg ins Gravallo, mit bewusst gesenkter Einstiegshürde: ein Mix aus Asphalt, Schotter und Waldwegen entlang der ehemaligen Pferdeeisenbahntrasse Linz–Budweis, gut ausgeschildert, mit Checkpoints unterwegs. Ideal für alle, die noch nicht so viele Kilometer in den Beinen haben.
FONDO – 107 km. Die klassische Gravallo-Distanz. Hier wird's international: Ab Rainbach im Mühlkreis überquert man die Grenze nach Tschechien und fährt entlang der Moldau zum Checkpoint in Krumau – einer der schönsten mittelalterlichen Altstädte Böhmens, UNESCO-Welterbe, mit Flussblick und Altstadtflair. Die letzten Kilometer laufen entspannt auf dem Donauradweg (EuroVelo 6) zurück nach Linz.
SUPERCORE – 300 km, Mehrtages-Abenteuer. Das Herzstück für alle, die mehr wollen: eine Mehrtagestour ohne gemeinsamen Start, jeder fährt im eigenen Tempo. Dafür eine der beeindruckendsten Kulissen, die das Gravel-Abenteuer in Mitteleuropa zu bieten hat – über die komplette Länge des Schwarzenbergischen Schwemmkanals durch dichten Böhmerwald, entlang des Iron Curtain Trail, bis nach Krumau.
Das Herzstück der Strecke: Der Schwarzenbergische Schwemmkanal
Wer beim Gravallo die längeren Strecken fährt, begegnet einem der erstaunlichsten Bauwerke Mitteleuropas: dem Schwarzenbergischen Schwemmkanal. Und der verdient ein paar Zeilen mehr als eine Fußnote.
Die Geschichte beginnt 1775. Wien war damals eine rasant wachsende Metropole – und hatte ein ernstes Problem: Brennholz war knapp. Die Wälder des Böhmerwaldes waren zwar voll davon, aber weit entfernt. Der Forstingenieur Josef Rosenauer schlug Fürst Schwarzenberg eine kühne Lösung vor: einen Kanal, der Holz aus dem Böhmerwald auf dem Wasserweg nach Wien befördern sollte.
Das klingt einfacher, als es war. Zwischen Böhmerwald und Donau liegt die europäische Kontinentalwasserscheide – jener unsichtbare Grat, der die Gewässer trennt, die in die Nordsee fließen, von jenen, die ins Schwarze Meer fließen. Auf 790 Metern Höhe. Rosenauer überwand diese Wasserscheide mit einem Hangkanal von minimaler Steigung, der das Wasser von 27 Bächen und dem Plöckensteiner See sammelte und das Holz auf über 50 Kilometern durch dichten Wald trieb.
Im 19. Jahrhundert wurde der Kanal als das „achte Weltwunder" gefeiert. Heute ist er ein Kulturdenkmal, das erst seit 1990 – nach dem Fall des Eisernen Vorhangs – in seiner ganzen Länge zugänglich ist. Wer ihn vom Sattel aus sieht – das ruhige Wasser, die alten Steinmauern, den stillen Wald zu beiden Seiten –, versteht die stille Wirkung, die der Kanal im Böhmerwald bis heute hat.
Beim Gravallo SUPERCORE fährt man entlang seiner gesamten Länge.
Die Pferdeeisenbahn Linz–Budweis: Geschichte unter den Rädern
Ein weiteres historisches Highlight, das die Gravallo-Strecken durchzieht, ist die ehemalige Pferdeeisenbahntrasse Linz–Budweis. Was heute ein gemütlicher Schotterweg durch das Mühlviertel ist, war einst eine technische Sensation: die erste Pferdeeisenbahn des europäischen Kontinents, eröffnet 1827.
Auf dieser Strecke zogen Pferde Waggons von Linz nach České Budějovice – auf Holzschienen, später auf Eisenschienen, durch hügeliges Terrain, in einer Zeit, in der Dampflokomotiven noch Zukunftsmusik waren. Die Trasse existiert heute nicht mehr als Bahn, aber ihr Verlauf ist im Gelände noch deutlich erkennbar – und bildet eine der schönsten Streckenführungen für Gravelbikes, die man sich vorstellen kann: sanft geneigt, durch Wälder und Felder, mit gelegentlichen Ausblicken über das Mühlviertel.
Start und Ziel: Die Tabakfabrik Linz
Alle Routen starten und finishen an einem besonderen Ort: der Tabakfabrik Linz. Das ehemalige Industriegebäude am Donauufer, erbaut in den 1930er-Jahren, ist heute eines der kreativsten Kulturzentren Österreichs – Büros, Ateliers, Gastronomie, Veranstaltungsflächen in einem Gebäude, das allein einen Besuch wert ist.
Von hier führt die Route über die neue Eisenbahnbrücke, über die Donau Richtung St. Magdalena – und dann raus aus der Stadt, rein ins Gravel-Vergnügen. Wer nach Stunden auf dem Schotter zurückkommt, findet hier das After-Ride-Festival: Gravel-Grill und vegane Küche, Recovery-Drinks, eine Bikegroovy-Waschanlage fürs Rad, eine kleine EXPO und genug Sitz- und Liegeplätze, um den Tag Revue passieren zu lassen. Dazu eine Tombola – wer alle Checkpoint-Stempel gesammelt hat, ist dabei.
Für wen ist das Gravallo gemacht?
Das Gravallo ist ein Community-Event, kein Wettkampf. Das merkt man an der Atmosphäre, an der Kommunikation der Veranstalter und an der Zusammensetzung des Feldes. Wer hier startet, kommt nicht, um zu gewinnen, sondern weil er oder sie die Landschaft liebt, die Gemeinschaft schätzt und auf dem Rad lebt.
Gravel-Einsteiger: Die CORE-Strecke mit 70 km ist bewusst zugänglich gestaltet. Wer fit ist und schon ein paar Ausfahrten auf unbefestigten Wegen hinter sich hat, bewältigt sie ohne Probleme. Ein Gravelbike wird empfohlen, ein MTB funktioniert ebenfalls – bei trockenen Bedingungen reicht sogar ein Semi-Slick, kaum Schiebe- oder Tragepassagen.
Erfahrene Gravel-Fahrer:innen: Die 107-km-FONDO-Route mit Grenzübergang und Krumau-Checkpoint ist die klassische Gravallo-Erfahrung – die Balance aus Distanz, Abwechslung und landschaftlichem Erlebnis stimmt einfach.
Bikepacking-Enthusiast:innen: Der SUPERCORE mit 300 km ist das Herzstück für alle, die ein echtes Mehrtages-Abenteuer suchen. Kein gemeinsamer Start, keine Zeitvorgabe – nur die Strecke, der Schwemmkanal, die böhmischen Wälder und das eigene Tempo.
E-Biker:innen: E-Bikes sind beim Gravallo ausdrücklich willkommen, und im hügeligen Mühlviertel macht die Unterstützung durchaus einen Unterschied – vor allem, wenn du die Landschaft genießen willst, statt jeden Anstieg als Kampf zu empfinden. Auf CORE und FONDO ist die Reichweite mit einer Akkuladung gut planbar, solange du nicht permanent im Turbomodus fährst. Beim SUPERCORE über mehrere Tage lohnt es sich, Lademöglichkeiten entlang der Strecke vorab zu recherchieren.
Kein Sieger, kein Renncharakter – nur Schotter, Wald und eine der schönsten Landschaften Österreichs.
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Praktische Infos: Was du wissen musst
Anmeldung 2026: geschlossen. Alle Startplätze für die Auflage 2026 sind vergeben, eine Nachmeldung ist nicht mehr möglich. Ein Termin für 2027 steht noch nicht fest – die offizielle Website gravallo.bike kündigt neue Termine und die Anmeldung dort zuerst an, es lohnt sich also, die Seite im Blick zu behalten.
Bike-Empfehlung: Gravelbike empfohlen, MTB ist ebenfalls erlaubt. Bei trockenen Bedingungen reicht ein Semi-Slick – auf der Strecke gibt es kaum Schiebe- oder Tragepassagen.
Startgebühr: gestaffelt nach Anmeldedatum und gewählter Route – wer früh bucht, zahlt weniger. Genaue Beträge für die jeweils aktuelle Auflage stehen auf gravallo.bike.
Anreise nach Linz: Linz ist per Bahn aus Wien (ca. 1,5 Stunden), Salzburg (ca. 1,5 Stunden) und München (ca. 2,5 Stunden) gut erreichbar. Die Tabakfabrik liegt direkt an der Straßenbahnlinie 2 und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen.
Wer die Region unabhängig vom Eventtermin entdecken will: Die Strecken funktionieren auch außerhalb des Gravallo-Wochenendes als E-Bike-Urlaub in Eigenregie – die Tipps für längere E-Bike-Touren lassen sich eins zu eins auf das Mühlviertel übertragen.
Geführte Touren in der Region laufen meist unter Radreisen in Oberösterreich. Das Angebot an reinen Gravelreisen ist europaweit allerdings noch überschaubar – die meisten organisierten Touren in der Gegend sind klassische Trekking- oder Donau-Routen.
Fazit
Das Gravallo ist kein großes Event mit Startnummern, Zeitnehmung und Siegerehrung. Es ist etwas anderes – und in mancher Hinsicht Wertvolleres.
Nein. Die Startplätze für 2026 sind vollständig vergeben, die Anmeldung ist geschlossen. Wann die nächste Auflage stattfindet, kündigt gravallo.bike zuerst an – ein Blick auf die Seite lohnt sich für alle, die 2027 dabei sein wollen. Ja, E-Bikes sind beim Gravallo ausdrücklich willkommen. Das Mühlviertel ist hügelig genug, um die Unterstützung zu schätzen – und die CORE- oder FONDO-Strecke ist mit einer Akkuladung gut zu schaffen. Wer den SUPERCORE mit 300 km fährt, sollte die Reichweite über mehrere Tage sorgfältig planen. Ein Gravelbike mit Reifen ab 35 mm Breite ist ideal. Ein MTB funktioniert auf allen Strecken, macht laut Veranstalter aber weniger Spaß. Bei trockenen Bedingungen reicht ein Semi-Slick vollkommen aus, es gibt kaum Schiebe- oder Tragepassagen. Bei feuchten Bedingungen sind breitere Reifen mit Profil zu empfehlen. Die Gebühr ist nach Anmeldedatum und Routenwahl gestaffelt – frühzeitige Anmeldung ist günstiger. Genaue, aktuelle Beträge findest du auf gravallo.bike. Ja, auf allen Strecken gibt es Checkpoints zum Verschnaufen, Wasserauffüllen und Orientieren. Das Gravallo ist aber ein "Self-Supported Ride" – du bist grundsätzlich selbst für deine Verpflegung unterwegs verantwortlich. Riegel, etwas Bargeld und ein volles Trinkbehältnis beim Start sind Pflicht. Kein bisschen. Krumau – tschechisch Český Krumlov – ist eine internationale Touristenstadt, Englisch und Deutsch werden verstanden. Der Grenzübergang bei Rainbach im Mühlkreis ist unkompliziert, ein Personalausweis oder Reisepass reicht.Häufig gestellte Fragen zum Gravallo
Kann ich mich noch für das Gravallo 2026 anmelden?
Kann ich mit einem E-Bike teilnehmen?
Welches Bike ist am besten geeignet?
Wie hoch ist die Startgebühr?
Gibt es Versorgungspunkte auf der Strecke?
Muss ich Tschechisch können, wenn ich nach Krumau fahre?



