Frankreich E-Bike-Tour: La Vélodyssée

Rennes nach Arcachon, rund 1.000 Kilometer, elf Tage, ein Akku, der nie ganz mitkommt, und mehr Croissants, als gesund sind – unser Redaktionsteam ist einen Teil der Vélodyssée mit dem E-Bike gefahren. Hier der Reisebericht mit allen praktischen Tipps für deine eigene Tour.

La Vélodyssée mit dem E-Bike: Reisebericht & Tipps
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Der Titel ist nicht ganz zutreffend, wäre aber sonst zu lang geworden. Ich bin von Rennes nach Arcachon gefahren und ein Stück des Weges auf der Vélodyssée – ein E-Bike-Urlaub mehr als striktes Abfahren eines Radweges. Die Route in Stichworten:

  • Ungefähr 1.000 km
  • Rennes nach Arcachon
  • Route: Rennes, St. Brieuc, Canal de Brest à Nantes, Nantes, Royan, Arcachon
  • 11 Tage
  • Züge Karlsruhe–Rennes, Arcachon–Strasbourg
  • 7 Croissants, 2 Flan nature, 1 Jésuite, 2 Baguettes

Die Zugfahrt

Wer in den Sommermonaten in Frankreich mit Fahrrad oder E-Bike den Zug nutzen möchte, tut gut daran, frühzeitig zu buchen. Die Fahrradplätze sind spärlich und schnell ausgebucht, vor allem im August. Der August ist aber sowieso zu heiß, um sich in den Pinienwäldern entlang der südlichen Atlantikküste herumzutreiben – auf dieser Tour wurde ein Streckenabschnitt wegen Brandgefahr gesperrt, aber da war ich schon mittendrin.

Dein Zugticket buchst du über die Seite der SNCF. Dort gibst du an, dass du ein nicht klappbares Fahrrad mitnimmst – dann werden dir nur Züge mit Fahrradplätzen angezeigt. Mehr zur Mitnahme-Praxis, auch außerhalb Frankreichs, findest du in unserem Guide zum E-Bike-Transport im Zug. In Frankreich solltest du außerdem mindestens zwei Minuten vor Abfahrt am Gleis erscheinen, sonst lassen dich die Schaffner am Bahnsteig womöglich nicht mehr auf den Zug.

Rennes nach St. Brieuc

Rennes ist ein bisschen runtergerockt, also habe ich schnell das Weite gesucht – den Norden, um genauer zu sein. Mit dem E-Bike hat man gegenüber einem normalen Fahrrad einen Nachteil: den Akku beziehungsweise dessen Kapazität. Da mein Zug erst am späten Nachmittag in Rennes ankam, hatte ich keine Lust, noch weit zu fahren. Der erste Campingplatz mit freiem Platz war 30 Kilometer von der Stadt entfernt und ganz okay. Bis nach St. Brieuc habe ich noch einmal übernachtet – konnte die Leute gerade so überreden, mich aufzunehmen, denn der reguläre Campingplatz war voll und es gibt in der Gegend nur wenige.

St. Brieuc nach Nantes

Die Côte de Granit Rose ist wunderschön: breite Strände, hügelige Landschaft abseits der Küste – aber hier weit und breit kein Campingplatz, keine Kirche, nichts zum Laden des Akkus. Als meine Anzeige bei 1 % stand, rollte ich wie durch ein kleines Wunder auf einen Mountainbike-Trainingsparcours, wo es eine Steckdose gab – Zelt aufgeschlagen, gerettet.

Am Canal de Brest à Nantes entlang ist die Strecke super leicht zu fahren: immer am Kanal entlang, eine Schleuse mit hübschem Schleusenwärterhäuschen nach der anderen. Übernachtet habe ich bei Josselin und Mazerolles. Geladen wird auf solchen Touren übrigens meist im Badehaus des Campingplatzes – zum Erstaunen der Menschen, die mehrmals ein- und ausgehen und mich jedes Mal dort sitzen sehen.

Nantes

… ist eine wirklich schöne Stadt. Sie ist die sechstgrößte Frankreichs, hat eine bewegte Geschichte und ist mit über 55.000 Studierenden herrlich dynamisch. Das persönliche Highlight: das Jules-Verne-Museum. Jules Verne wurde in Nantes geboren, und im Museum lässt sich sein Lebensweg nachvollziehen – inklusive der historischen Momente, die er miterlebt hat.

Nantes über Royan nach Le Gurp

Auf diesem Streckenabschnitt bin ich der Vélodyssée nur bedingt gefolgt – man kann gut abkürzen und die Gegend erkunden. Ich bin von Nantes in Richtung Port-Saint-Père und Chaumes-en-Retz geradelt, um so schnell wie möglich ans Meer zu kommen, aber weiter Richtung Süden zu bleiben.

Der nächste Campingplatz war in Les Moutiers-en-Retz, direkt am Strand – auf dem eigentlichen Platz war kein Platz mehr. Abends kam ein Foodtruck vorbei, der die besten Galettes bretonnes servierte, die ich je hatte. Der folgende Abschnitt war besonders, weil hier Salz gewonnen wird: In den Salzgärten wird Fleur de Sel produziert – bis ins 16. Jahrhundert eines der größten Salzgewinnungsgebiete Europas. Der Radweg schlängelt sich zwischen den Salzfeldern hindurch, je nach Nebel und Sonnenstand richtig mystisch.

Die nächste Nacht verbrachte ich wieder auf einem Küsten-Campingplatz, war ob der Hitze aber so fertig, dass ich nur noch ins Zelt gekrabbelt bin. Die Route führte weiter durch kleine Dörfer und über Feldwege zwischen Äckern, der nächste Stopp lag östlich von La Rochelle auf einem sehr netten Campingplatz – an der Straße gelegen, aber nachts ruhig, mit netten Leuten an der Rezeption und leckerem Café. Ich kann es nicht oft genug sagen: Im August ist es voll. Frühzeitig ankommen sichert dir einen Platz.

Highlight des nächsten Tages: die Citadelle de Brouage, ein mega süßes Örtchen mit Café und Croissant auf dem Platz – aber nicht zu lange, denn es lag noch viel vor mir. Über 110 Kilometer und drei Flussüberquerungen (Charente, Seudre, Gironde) später schlug ich abends in Le Gurp das Zelt auf.

Le Gurp bis Arcachon

Der Rest ist schnell erzählt. An der Atlantikküste wurde Mitte des 19. Jahrhunderts ein Piniengürtel gepflanzt, der das Wandern der Dünen stoppen und das Hinterland trockenlegen sollte – das hat funktioniert. Der Radweg liegt deshalb meist im Schatten, dennoch heizt sich die Luft so auf, dass der Wald stellenweise gesperrt wird.

Ich fuhr also vor mich hin, und plötzlich kam eine Ansage aus kleinen Lautsprechern entlang der kamerabewachten Strecke:

Danger imminent. Quittez la zone immédiatement.
— Lautsprecherdurchsage bei Le Gurp

Diese eigentlich kurze Strecke hat wegen der Hitze also überraschend viel Zeit gekostet. Am Becken von Arcachon radelt man durch entzückende Orte, und Arcachon selbst ist auch nicht hässlich.

Heimreise per Zug

Die Zugfahrt zurück war unspektakulär. Für den Bahnhofswechsel in Paris solltest du etwa eine Stunde einplanen. Wenn möglich, buch einen späteren Zug, damit noch Zeit für ein Eis oder ein paar Fotos in Paris bleibt.

Praktische Tipps für deine eigene Vélodyssée-Tour mit dem E-Bike

Ein paar Dinge, die sich auf einer mehrtägigen E-Bike-Reise wie dieser lohnen, bevor du losfährst:

Akku-Reichweite realistisch einplanen: Mit Gepäck und mittlerer Unterstützungsstufe sind auf einer Tourenfahrt oft nur 40 bis 80 Kilometer pro Ladung realistisch – deutlich weniger als die Katalog-Reichweite. Plane deine Etappen danach, nicht nach der theoretischen Reichweitenangabe.

Lademöglichkeiten vorab grob kennen: Campingplätze, Cafés und Bahnhöfe sind meist zuverlässiger als freie Steckdosen unterwegs. Unser Guide zu E-Bike-Ladestationen hilft bei der Vorplanung.

Reisezeit klug wählen: Mai, Juni oder September statt August – weniger Hitze, weniger überfüllte Campingplätze, geringeres Waldbrandrisiko.

Das richtige Bike: Für eine Gepäcktour wie diese eignet sich ein robustes Trekking-E-Bike mit stabilem Gepäckträger und pannengeschützten Reifen am besten – mehr Grundinspiration findest du auch in unseren 10 Tipps für deine E-Bike-Touren.

Buchen statt selbst planen: Diese Tour bin ich mit Zelt und spontaner Platzsuche gefahren – im August war das nicht immer entspannt. Wer lieber einen Abschnitt als fertige Woche mit Unterkünften und Gepäcktransport haben möchte, findet passende Angebote unter Radreisen an der französischen Atlantikküste.

Fazit

Was du an Info mitnehmen kannst: Im Sommer kann es sehr heiß werden, Campingplätze sind ausgebucht. Mit dem E-Bike schaffst du mehr Kilometer am Tag, als du denkst. Nimm dir Zeit zum Erkunden. Buch die Züge rechtzeitig wegen der Fahrradplätze. Und iss Croissants – so viele wie möglich.

Die Vélodyssée lässt sich mit dem E-Bike hervorragend in Etappen erfahren – plane realistische Akku-Reichweiten, buch Zugtickets früh und meide den August, wenn du Hitze und volle Campingplätze vermeiden willst.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert die Vélodyssée mit dem E-Bike?

Die komplette Vélodyssée von Roscoff bis Hendaye misst rund 1.200 Kilometer. Für eine Teilstrecke wie Rennes–Arcachon (rund 1.000 km) reichen erfahrungsgemäß 10 bis 14 Tage, je nach Tempo und Pausen.

Welches E-Bike eignet sich für die Vélodyssée?

Ein Trekking-E-Bike mit robustem Gepäckträger, mindestens 500 Wh Akku und pannengeschützten Reifen ist ideal – die Strecke ist überwiegend flach, aber lang.

Wie plane ich die Akku-Reichweite auf einer Mehrtagestour?

Realistisch mit 40 bis 80 Kilometern pro Ladung rechnen, je nach Zuladung und Unterstützungsstufe, und Lademöglichkeiten wie Campingplätze oder Cafés vorab grob einplanen.

Muss ich mein Fahrrad im Zug in Frankreich reservieren?

Ja, gerade im Sommer sind Fahrradplätze in französischen Zügen schnell ausgebucht – am besten frühzeitig über SNCF Connect buchen.

Wann ist die beste Reisezeit für die Vélodyssée?

Mai, Juni oder September – im August ist es an der Atlantikküste oft zu heiß, Campingplätze sind überfüllt, und Waldabschnitte können wegen Brandgefahr gesperrt werden.

Ist die Strecke auch für E-Bike-Einsteiger:innen geeignet?

Ja, die Vélodyssée ist überwiegend flach und gut ausgeschildert – mit einem verlässlichen E-Bike und realistischer Tagesplanung ist sie auch für weniger erfahrene Tourenfahrer:innen machbar.

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